VfB Stuttgart Jung gegen Alt im Kampf um die Stammplätze

Von Heiko Hinrichsen 

Der Saisonstart naht, der Kampf um die Stammplätze geht in die nächste Phase – weshalb beim VfB Stuttgart ganz besondere interne Duelle anstehen.

Grassau - Als es frühmorgens darum ging, sich für den Arbeitstag die passende Kleidung herauszusuchen, da hat sich Mario Gomez für das ärmellose, rote VfB-Muskelshirt entschieden. Wenig später auf dem Platz hat der Torjäger dann im übertragenen Sinne die Ärmel hochgekrempelt. An der Seite von Co-Trainer Ilja Aracic absolvierte der WM-Fahrer nach Ende seines Urlaubs am Montag ein Einzeltraining. Und so glänzten die verschwitzten Oberarme des 33-Jährigen in der Sonne, als Gomez beim abschließenden Torschusstraining trotz 30 Grad durchaus seinen Spaß hatte.

Während sich der Altmeister im VfB-Sturm also in Sonderschichten in Form bringt, ist sein junger Sturmkollege Nicolas Gonzalez einen Schritt weiter. „Wir sind schon erstaunt, wie weit er ist“, sagt der Manager Michael Reschke über den 20-jährigen Neuzugang von den Argentinos Juniors, der sich im Testspiel gegen SD Eibar auch nicht von einer Platzwunde am Kopf aufhalten ließ. Mit vier Stichen wurde diese in der Pause von Teamarzt Raymond Best genäht, dann spielte Gonzalez mit Turban stark weiter – und wurde bei seiner Auswechslung von den Fans mit donnerndem Applaus verabschiedet. Klar war spätestens da: In Gonzalez wächst dem VfB ein neuer Publikumsliebling heran.

Insua ist beeindruckt von Gonzalez

„Ich kannte ihn vorher nicht“, sagt der Landsmann Emiliano Insua: „Und ich bin sehr beeindruckt, wie stark und reif er als Spieler und Persönlichkeit schon ist.“ Das Pärchen Gomez und Gonzalez zeigt es also: Die Mischung beim VfB zwischen Jung und Alt scheint zu stimmen in dieser Saison. Das findet auch Insua: „Unser Management hat einen guten Job gemacht. Der Mix ist ideal. Es ist die stärkste VfB-Mannschaft, seit ich hier bin“, sagt der Linksverteidiger, der mit den Stuttgartern in seine vierte Saison geht.

Auf der linken Abwehrseite steht Insua allerdings selbst ein Duell Jung gegen Alt ins Haus. Schließlich hat der VfB sein Konzept konsequent umgesetzt, vielen erfahrenen Platzhirschen einen jungen Herausforderer zur Seite zu stellen. So konkurriert Insua mit Borna Sosa, 20, während etwa die Regisseure Daniel Didavi und Berkay Özcan, die Rechtsverteidiger Pablo Maffeo und Andreas Beck oder die Innenverteidiger Holger Badstuber und Marc Oliver Kempf weitere Pärchen bilden, bei denen es am Ende heißt: Es kann in der Startelf nur einen geben.

Korkut will das Sieb herausholen

„Er ist für mich ein Kollege, mit dem ich einen sportlichen Wettkampf austrage. Derlei Druck kenne ich, seit ich Profi bin. Ich bin ein Kämpfer, der immer alles gibt“, sagt Emiliano Insua, 29, zu seinem Zweikampf mit dem jungen Borna Sosa, der von Dinamo Zagreb kam. Dass sich der junge Kroate inzwischen die Haare kurz scheren ließ, darf man durchaus seinerseits als Kampfansage werten. Doch auch Insua ist motiviert – und kennt ein großes Ziel: „Ich will mit Argentinien im nächsten Sommer zur Copa América nach Brasilien fahren.“

Inzwischen ist beim VfB die erste Hälfte der achtwöchigen Vorbereitung absolviert. Sämtlichen verfügbaren Spielern (Mario Gomez und die angeschlagenen Christian Gentner und Santiago Ascacibar wurden geschont) hat der Cheftrainer Tayfun Korkut in den beiden Testspielen gegen Eibar und Istanbul viel Spielzeit gegeben. „Wir haben erfahrene Spieler, die schon länger hier sind, und junge, die neu dazugekommen sind. Das sind unterschiedliche Voraussetzungen, es ist aber eine interessante Kon­stellation“, sagt Korkut, der nun mit Blick auf die weitere Vorbereitung „das Sieb herausholen“ will. Soll heißen: Spätestens mit dem Spiel am Sonntag in der Mercedes-Benz-Arena gegen Atlético Madrid, dem am 11. August noch der Test gegen Real Sociedad San Sebastian in Weinstadt folgt, beginnt die heiße Phase der Vorbereitung.

Kempf hofft auf einen Platz in der Abwehr

Dann wird sich die Stammelf finden und mit Blick auf den Bundesliga-Start am 26. August in Mainz einspielen. Während Insua, der unlängst bis 2020 verlängert hatte, davon ausgehen kann, zunächst gesetzt zu sein, geht es im Duell rechts zwischen Andreas Beck, 31, und dem zehn Jahre jüngeren Pablo Maffeo, 21, enger zu. „Ich kümmere mich nur um mein Spiel“, sagt Beck, der sich nach seinem Kreuzbandanriss mit viel Elan herankämpft und gegen Eibar ein starkes Spiel machte. Maffeo, mit zehn Millionen Euro Ablöse der VfB-Rekordtransfer, darf sich also nicht sicher sein.

Berkay Özcan, 20, spielt im Vergleich mit Daniel Didavi, 28, in der Kreativabteilung des VfB klar die zweite Geige, weshalb eine Ausleihe des Deutschtürken weiter eine Option ist. Marc Oliver Kempf dagegen hofft bei der Besetzung der Innenverteidiger-Posten „auf ein offenes Rennen. Ich bin ja von Freiburg hierhergekommen, um den nächsten Schritt zu machen“, sagt der U-21-Europameister von 2017. Der zuweilen kantige und extrem ehrgeizige Konkurrent Holger Badstuber, 29, dürfte dies allerdings ein wenig anders sehen.

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