Die Stuttgarter Philharmoniker Foto: Thomas Niedermueller/Philharmoniker

Die Stuttgarter Philharmoniker feiern 30 Jahr Städtepartnerschaft Stuttgart-Lodz

Stuttgart - Dreißig Jahre sind Stuttgart und das polnische Lodz nun schon verpartnert – ein Grund zum Feiern. Zur Eröffnung gab’s ein Festkonzert im Beethovensaal. In ihren Reden freuten sich die Bürgermeister der beiden Städte, Fritz Kuhn und Krzysztof Piatkowski, über das kulturelle Brückenbauen. Dieses erscheint in Zeiten, da der europäische Einigungsprozess bedroht ist, wichtiger denn je. Die Stuttgarter Philharmoniker spielten den Soundtrack zum Jubiläum: Musik hat schließlich immer schon die Grenzen zwischen Ländern ignoriert, hat sich stilistisch gerne mit anderen Nationen vereint und dadurch erneuert. Was wäre Chopin ohne Frankreich und was Brahms ohne Ungarn? Auch wenn von Brahms’ zweiter Sinfonie, die am Ende des Festkonzerts erklang, nur das „Guten Abend, gut’ Nacht“-Thema im Ohr hängen blieb. Am Dirigierpult stand Daniel Raiskin, der in den beiden ersten Sätzen die Energien punktgenauer hätte bündeln und für mehr Transparenz und Klangbalance hätte sorgen müssen. Und auch in der eingangs gespielten „Chopiniana“, einer Suite aus vier Chopin-Klavierstücken, die Alexander Glasunow 1893 für Orchester arrangiert hat, wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Die Bearbeitung allein ist schon merkwürdig: Chopins Klavierstücke werden darin bis zur Unkenntlichkeit aufgepumpt. Raiskins Dirigat tat das Übrige: Die Polonaise klang zu trocken, zu zackig, das Nocturne wurde melodisch völlig zerdehnt, und die Tarantella geriet zum Haudrauf.

Eine Entdeckung: der polnische Geiger Janusz Wawrowski

Aber das d-Moll-Violinkonzert von Henryk Wieniawski, dem „polnischen Paganini“, wird man nicht vergessen: weil es der polnische Geiger Janusz Wawrowski (35) spielte. Unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und Zartheit ihm das rasende Laufwerk, die Doppelgriff-Skalen, die ornamentalen Ausschmückungen, die Arpeggi gelingen, und wie intensiv bei aller Empfindsamkeit sich die Melodien in die Ohren bohren. Seine geschmeidige Führung des Bogens ist einzigartig, als gehöre dieser zu seinem Körper. So wirkt das Schwierigste wie eine Petitesse – selbst das feurige „Finale alla Zingara“.

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