Mehrere Gemeinderäte zogen den Vergleich zur Elbphilharmonie.Foto:dpa Foto:  

Die Stadt als Co-Finanzier der Württembergischen Staatstheater gibt dem Neubau eines Konzertsaals gegenüber einem reinen Opernprovisorium den Vorzug. Um einen idealen Standort dafür zu finden, sollen mehrere Grundstücke in der Stadt untersucht werden.

Stuttgart - Vor der an diesem Freitag stattfindenden Sitzung des Verwaltungsrats der Württembergischen Staatstheater hat sich die Landeshauptstadt als Co-Finanzier der Oper festgelegt: Nach dem Willen der Mehrheit des Gemeinderats soll bei der Suche nach einer Ersatzspielstätte nun das Augenmerk auf den Bau einer neuen Philharmonie gerichtet werden, die so ausgelegt ist, dass sie der Oper und dem Ballett vorübergehend als provisorische Spielstätte dienen kann.

Mit diesem Votum der Fraktionen im Rücken wird OB Fritz Kuhn (Grüne) in die Sitzung des Gremiums gehen. Der OB will parallel nochmals mögliche Standorte für ein reines Opernprovisorium nach dem Muster der Genfer Holzoper untersuchen lassen. Dafür müsste die Oper allerdings beim Raumprogramm Abstriche machen. Kuhn betonte im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats am Mittwoch, der Standort für einen Konzertsaal müsse dennoch so gewählt werden, dass der Neubau auch „ein Kracher“ werde.

Zuvor hatten sich alle Fraktionen dafür ausgesprochen, nach dem Aus für die geplante Interimsspielstätte am Rosensteinpark nach einer dauerhaften Lösung zu suchen. Sie solle den Bedürfnissen der Oper und des Balletts Rechnung tragen und das Zeug haben, als Konzertsaal weit über Stuttgart und die Region hinaus Furore zu machen. Mehrere Redner zogen explizit den Vergleich zur Hamburger Elbphilharmonie.

Diverse Standorte werden diskutiert – sowohl an als auch außerhalb der Kulturmeile

Zugleich erneuerten die Fraktionen ihre Unterstützung für die Sanierung des Großen Hauses. Die auf mindestens fünf Jahre geschätzten Aus- und Umbauarbeiten sind der Grund für die Suche nach einer Übergangsspielstätte für die Oper. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz mahnte allerdings mit Blick auf die Kostenexplosion beim Paketpostamt eine erneute Überprüfung des von der Intendanz angemeldeten Raumbedarfs an: „Da darf es keinen Freifahrtschein geben.“ Wie berichtet, hatte die CDU mehrere Standorte für eine Philharmonie ins Spiel gebracht, darunter ein Gelände neben der Liederhalle und das frühere Kohlelager in Gaisburg. Auch für Andreas Winter (Grüne) muss die Philharmonie nicht unbedingt an der Kulturmeile stehen: Er könnte sich einen Neubau an der Heilbronner Straße neben der Stadtbibliothek auf einem bahneigenen Areal vorstellen, das bisher für Büros vorgesehen ist.

Für Martin Körner (SPD) dagegen steht fest: Eine Philharmonie gehört an die Kulturmeile. Er fordert, erneut jene Grundstücke am Gebhard-Müller-Platz zu untersuchen, die bereits einmal verworfen worden sind: Zum einen ein Areal an der Ecke Willy-Brandt-/Schillerstraße, zum anderen ein Gelände nördlich des Königin-Katharina-Stifts. SÖS/Linke-plus wollen eine breite Diskussion mit der Bürgerschaft über die anstehende Opernsanierung und sind für alle Optionen offen. Freie Wähler und FDP plädieren ebenfalls für einen Neubau im Zentrum. Bernd Klingler (BZS 23) sagte dagegen, ein Konzertsaal müsse nicht zwingend in der City gebaut werden. Das verschärfe die Verkehrsprobleme zusätzlich.

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