Kirill Serebrennikow, Theater- und Filmregisseur aus Russland, verlässt nach einer Verhandlung das Gericht. Foto: AP

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow, der während seines Hausarrests in Moskau eine Aufführung an der Stuttgarter Oper inszenierte, ist auf freiem Fuß. Ob er das Werk nun fortführt, ist aber unklar.

Stuttgart/Moskau - Die Freilassung des russischen Starregisseurs Kirill Serebrennikow aus dem Hausarrest ist an der Stuttgarter Oper mit zurückhaltender Erleichterung aufgenommen worden. „Wir wissen alle nicht, was die Freilassung auf Kaution für den weiter andauernden Prozess gegen ihn bedeutet“, sagte Intendant Viktor Schoner am Montag, „aber ich interpretiere es als ein erstes gutes Zeichen.“ Er sei sehr froh über die Nachricht.

Serebrennikow ist überraschend nach rund anderthalb Jahren aus dem Hausarrest in Moskau entlassen worden. Der 49-Jährige dürfe die Stadt aber nicht unerlaubt verlassen, meldete die Agentur Interfax am Montag unter Berufung auf ein Gericht der russischen Hauptstadt.

2017 inszenierte der Regisseur eine Märchenoper in Stuttgart

Die Staatsoper Stuttgart brachte 2017 die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ auf die Bühne - auch wenn Serebrennikow seine Inszenierung wegen des Hausarrests nicht fertigstellen konnte. Die Idee war damals auch, dass er sein Werk doch noch selbst zum Abschluss bringt. Zur Zukunft des Werks wollte sich die Oper nicht äußeren. Dazu sei es noch zu früh. In jedem Fall wolle man aber Kontakt zu Serebrennikow aufnehmen, hieß es.

Serebrennikow sagte nach der Entscheidung, dass er nun wieder ungehindert arbeiten wolle. Die Justiz hatte ungeachtet internationalen Protests erst in der vergangenen Woche den Hausarrest um weitere drei Monate verlängert.

Moskau wirft ihm Veruntreuung vor

Das Verfahren gegen den Regisseur steht international als inszeniert in der Kritik. Filmstars, Theaterschaffende und Politiker hatten Russland immer wieder aufgefordert, die Verfolgung liberaler Künstler zu beenden. Serebrennikow stand in Moskau unter Hausarrest, weil er staatliche Fördergelder veruntreut haben soll. Er bestreitet die Vorwürfe. Im November 2018 ist ein Strafprozess eröffnet worden.

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