Der BBK in der Eugenstraße muss nun auch wieder schließen. Foto: BBK

Stuttgart besitzt nicht nur große Museen, sondern auch viele kleinere Ausstellungsorte. Wie gehen sie mit den dynamischen Öffnungsstrategien um?

Stuttgart - Manchmal können Ungerechtigkeiten ihre Vorteile haben. In den vergangenen Wochen war der AKKU Projektraum definitiv benachteiligt. Die Ausstellungsräume, die der Künstlerbund Baden-Württemberg seit sechs Jahren in der Gerberstraße betreibt, sind der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zugeordnet. Damit gilt für den AKKU die Landesverordnung für Hochschulen – und die besagt: kein Studienbetrieb, also auch keine Ausstellungen mit Publikumsverkehr, selbst wenn das von außen betrachtet nicht recht nachvollziehbar sein mag.

 

Deshalb hält sich die Enttäuschung bei Clemens Ottnad, dem Geschäftsführer des Künstlerbunds, in Grenzen, dass die Museen und Ausstellungen in Stuttgart nun wohl doch wieder geschlossen werden müssen, weil die Inzidenzwerte in der Stadt drei Tage lang über der kritischen Hunderter-Marke lagen. Ottnad setzt seit Monaten auf Ausstellungen in den Schaufensterfronten. „Wir haben bisher fast alle geplanten Ausstellungsprojekte realisiert“, sagt er – wobei das Publikum nur von der Straße aus schauen konnte. Ottnad hatte aber doch gehofft, dass man die Preisträger des Wettbewerbs für junge Künstlerinnen und Künstler dem Publikum zumindest Ende März persönlich bei einer Finissage vorstellen kann. Daraus wird nun nichts.

Das Publikum bekommt eher mit, was in den Museen läuft

Im Kulturbetrieb hat man längst verinnerlicht, dass man immer nur auf Sicht fahren kann und kurzfristig reagieren muss. Die großen Museen werden in den Verordnungen und politischen Debatten meist explizit genannt und besitzen auch große Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit, daher verbreitete sich die Nachricht schnell, dass sie wieder öffnen dürfen. Für die kleineren Ausstellungshäuser und Off-Spaces ist es hingegen deutlich schwieriger, dem Publikum das Hin und Her bei den Öffnungsstrategien zu kommunizieren.

„Natürlich sind wir im Krisenmodus“, sagt Elin Doka vom Projektraum Ostend, „da wir aber ein kleines Team sind und keinen längerfristigen Vereinbarungen oder Verträgen Folge leisten müssen, sind wir im Gegensatz zu großen Institutionen sehr viel flexibler und beweglicher.“ Die erneute Schließung trifft sie kaum, denn das Ostend-Team hat in den vergangenen Monaten ohnehin vor allem auf sein großes Schaufenster gesetzt und nutzt auch jetzt wieder bei einem Projekt mit der Künstlerin Heike Liss das Fenster als Projektionsfläche. Damit könne man weiterhin die Interessierten und das „Laufpublikum im Quartier“ erreichen, so Doka.

Die Kunststiftung wartet bis Juni

Die Kunststiftung Baden-Württemberg hat beim allgemeinen Eröffnungsjubel erst gar nicht mitgemacht, schließlich ist ihre vorrangige Aufgabe, Stipendien zu vergeben. In den vergangenen Monaten hat man sich – wie alle – auf digitale Vermittlung konzentriert. In einer Videoreihe auf Youtube stellen Künstler sich in ihren Ateliers vor. Es werden Solokonzerte, Lesungen und Performances aus der Kunststiftung gestreamt und in einer Podcast-Reihe künstlerische Projekte vorgestellt. Die Planungen für die erste Einzelausstellung vor Ort sind sehr großzügig: Sie ist erst für Mitte Juni angesetzt.

Für Birgit Herzberg-Jochum war dagegen immer klar: „Die digitalen Ausstellungsformate sind nur eine Zwischenlösung, ,in echt‘ ist eine Ausstellung ein ganz anderes Erlebnis.“ Sie ist die Erste Vorsitzende des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs (BBK), der am 8. März umgehend öffnete, zumal die Ausstellung „Lost and Found“ bereits hing. Auch wenn der Besuch mit bürokratischem Mehraufwand verbunden war und nur ein Haushalt nach schriftlicher Anmeldung kommen durfte, war die Resonanz groß. „Die Termine waren restlos ausgebucht“, sagt Herzberg-Jochum, „alle Besucher waren sehr dankbar, wieder Originale anschauen zu dürfen.“

Der BBK hofft nun auf Ende April

Jetzt müssen die Räume in der Eugenstraße auch wieder schließen – und es geht zurück zu Online-Angeboten, bei denen der BBK seine Mitglieder finanziell und werbend unterstützt. Birgit Herzberg-Jochum hofft, dass wenigstens am 25. April der Tür-auf!-Tag stattfinden kann mit offenen Ateliers und Ausstellung. „Wir sind bereit – mit Hygienekonzept und Maskenpflicht.“