Streitobjekt: Die vom OB-Kandidaten Sebastian Turner genützte Plakatfläche an der Heilbronner Straße Foto: Max Kovalenko/PPF

Für die vom OB-Verein für Sebastian Turner genutzte Plakatfläche gibt es sehr komplizierte Vorgaben.

Stuttgart - Die großzügige Plakatspende der Schwäbischen Wohnungs AG an den von der CDU nominierten OB-Kandidaten Sebastian Turner beschäftigt nach wie vor dessen Unterstützerverein. Man wolle den Vorgang um die Werbesäule an der Heilbronner Straße „in Gänze darstellen und auch abschließen“, sagt Turners Sprecher Stephan Schorn. Und liefert neue Details.

Generös gezeigt gegenüber Turner hatte sich die Schwäbische Wohnungs AG ­(SW AG) auf Initiative ihres Geschäftsführers Tobias Fischer. Als Spende verbuchte ­Tur­ners Wahlkampfverein 7500 Euro von der SW AG. Angeblich hat die SW AG bisher maximal 4000 Euro Pachtertrag aus der 14-tägigen Vermietung von nur einer Seite des dreiseitigen Werbeturms erzielt. Die 7500 Euro seien der (wohl aus der Pacht) „vertraglich mögliche Wert“. Zwei der drei ­Seiten stünden der SW AG für eigene Anliegen zur Verfügung oder würden direkt von dieser vergeben, klärte der Kandidat Turner am Donnerstag auf. Dass die Schwäbische Wohnungs AG als Plakatanbieter auftritt, ist neu. Nirgends im Unternehmensauftritt findet sich auch nur der Hauch eines Hinweises auf diesen Geschäftszweig. Bei regulären Preisen von mehreren Zehntausend Euro pro Monat wäre dies kein kleines Geschäftsfeld.

Die Firma Ilg Werbevermarktung, die alle drei Seiten des übergroßen Plakatständers im Internet anbietet und auf Anfrage Monatspreise nennt, dürfe nur eine Seite vermitteln. „Ilg bepreist seine Fläche mit brutto 79 000 Euro. Darauf bezogen hätten wir ca. 80 Prozent Rabatt erhalten“, so Turner weiter. Also wäre die Fläche, an der Turners Brezelplakat hängt, die von Ilg.

Wenn Umsatzpacht fließt, müsste beim Plakatvermarkter ein Umsatz entstanden sein

Die Firma Ilg – der Geschäftsführer Kai Ilg ist seit Dienstag in Urlaub und war zuvor trotz mehrfacher Versuche über sein Büro nicht erreichbar – zahlt nach eigener Auskunft für die Nutzung des Wohnungsbau-Grundstücks eine Pacht an die Wohnungsbau AG. Das bestätigt auch Turners Förderverein.

Wenn aber aus der Pacht eine Spende wird, müsste Turners Wahlkampfverein auch von Ilg eine Spende erhalten haben, denn eine Umsatzpacht an den Grundstückseigentümer fließt nur dann, wenn auch Ilg Umsatz macht. Rechnerisch wären bei ihm bei 7500 Euro Pacht 32 000 Euro aus der Plakatvermarktung angekommen. „Die Darstellung, dass wir von Ilg irgendetwas erhalten hätten, stellt den Sachverhalt auf den Kopf“, sagt Schorn. Der Sprecher korrigierte am Freitag die schriftliche Stellungnahme seines Kandidaten.

Bei der mit Turners Slogan behängten Werbeturm-Seite handele es sich eben nicht um jene, die von Ilg vermarktet wird. Alle drei Flächen seien zwar bei Ilg im Angebot, bestätigte Schorn. Die Firma Ilg dürfe aber für einen Zeitraum immer nur eine vermieten. Die anderen Flächen dürfe dann die Schwäbische Wohnungs AG nutzen. „Welche Fläche Ilg vermarkten darf, ist nicht festgelegt. Es passiert in Absprache mit der Schwäbischen Wohnungs AG“, so Schorn. Der Sprecher weiter: „Die eine Fläche, die die Ilg Außenwerbung vermarkten darf, ist erkennbar frei.“

Ilg habe für Produktion, Montage, Beleuchtung und Demontage 8238,37 Euro in Rechnung gestellt. „Ilg hat keinen Einnahmeausfall“, bilanziert Schorn.

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