Sebastian Turner hat die OB-Wahl in Stuttgart verloren. Foto: Michele Danze

In der Landeshauptstadt sind Fritz Kuhn und die Grünen in der Mitte der Gesellschaft angekommen – 88 Prozent der Rockenbauch-Wähler wechselten ins Lager des Grünen.

Stuttgart - In der Landeshauptstadt sind Fritz Kuhn und die Grünen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das geht aus einer Wahlanalyse des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim hervor. In den letzten Tagen vor der Wahl und noch am Wahlsonntag wurden online 467 Wahlberechtigte und nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Stuttgarter befragt. „Die Grünen sind in Baden-Württemberg schon lange kein Bürgerschreck mehr“, heißt es in der Analyse von Professor Frank Brettschneider. „Sie gewinnen nicht nur Stimmen aus dem bürgerlichen Lager, sie sind selbst Bestandteil des bürgerlichen Lagers geworden.“

Die Analyse zeigt auch, in welche Richtung sich die Wählerwanderung nach dem ersten Wahlgang am 7. Oktober bewegt hat. Von den ehemaligen Wählern des ­S-21-Kritikers Hannes Rockenbauch, die am zweiten Wahlgang teilnahmen, machten knapp 88 Prozent ihr Kreuz bei Fritz Kuhn. Sebastian Turner konnte aus dieser Quelle nur zwei Prozent schöpfen. Auch die Wähler der SPD-Kandidatin Bettina Wilhelm tendierten im zweiten Wahlgang mehrheitlich für den Bewerber der Grünen. Knapp 57 Prozent der Wilhelm-Wähler schlugen sich im zweiten Wahlgang auf die Seite von Kuhn, für Turner entschieden sich nur gut 27 Prozent.

„Seine Wirtschaftskompetenz alleine hat nicht ausgereicht“

Turners einzige Chance vor dem zweiten Wahlgang habe darin bestanden, Nichtwähler zu mobilisieren. Das sei ihm aber nicht in einem ausreichenden Umfang gelungen. Ihm hätten dafür auch die Themen gefehlt, heißt es in der Analyse. „Seine Wirtschaftskompetenz alleine hat nicht ausgereicht – zumal im wohlhabenden Stuttgart kein wirtschaftlicher Leidensdruck erkennbar ist.“

Im direkten Vergleich mit Turner schneidet laut der Analyse Kuhn fast durchweg besser ab. Er gilt vor allem als glaubwürdiger, bürgernäher und in fast allen Politikfeldern als kompetenter. Während Turner nur bei den Themen Wirtschaft, Verbrechensbekämpfung und Unabhängigkeit vorne lag, konnte Kuhn auf den Feldern Energie, Verkehr, Schulpolitik, Kinderbetreuung, Wohnungsbau und Integration punkten.

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