Die 47 Jahre alte Bettina Wilhelm verweist auf ihre Verwaltungserfahrung. Foto: Peter-Michael Petsch

Die parteilose Bettina Wilhelm will für die SPD zur OB-Wahl antreten – Zu S 21 gespanntes Verhältnis.

Die SPD in Stuttgart will am 4. Mai Bettina Wilhelm, die Erste Bürgermeisterin von Schwäbisch Hall, zu ihrer OB-Kandidatin küren. Die 47-Jährige verweist auf ihre Verwaltungserfahrung.

Stuttgart – Frau Wilhelm, Sie wollen für die Sozialdemokraten in Stuttgart zur OB-Wahl antreten. Was hindert Sie daran, in die SPD einzutreten?
Ich habe zwar die Unterstützung der SPD, aber ich werbe nicht um Parteien, sondern um die Unterstützung der Bürger. Für die Arbeit einer Oberbürgermeisterin ist es kein Fehler, keiner Partei anzugehören, weil man Erfolge nur in der Zusammenarbeit mit ­mehreren Fraktionen erzielt.

Sie wollen also wie Ihr Konkurrent Sebastian Turner auf dem CDU-Ticket zwar die volle Unterstützung einer Partei, aber andere Wählergruppen nicht verschrecken.
Im Unterschied zu Herrn Turner werde ich nicht bei mehreren Parteien um deren offizielle Hilfe anfragen. Auch nicht bei der Piraten-Partei. Natürlich möchte ich auch Menschen gewinnen, die eine Vorliebe für eine Partei haben, die nicht SPD heißt. Das soll über Inhalte gelingen.

Ohne die Hilfe eines Parteiapparats können Sie keinen Wahlkampf führen.
Das ist völlig klar, ohne Unterstützung geht das nicht, zumindest dann nicht, wenn man nicht sehr viel Geld hat. Und das habe ich nicht. Ich werde von einer guten Partei unterstützt, deren Positionen sich in vielen Fragen mit den meinen decken.

Geht es Herrn Turner, der CDU, FDP, Freie Wähler und vielleicht auch noch die Piraten hinter sich schart, um reines Machtkalkül?
Das müssen Sie ihn schon selbst fragen.

Die SPD hat lange gebraucht, um Sie als Kandidatin zu finden. Vielleicht zu lange. Sind Sie nach diversen Absagen der letzte Notnagel?
Ich bin von meiner Kompetenz und meinem Profil die richtige Wahl für die SPD. Und für mich ist die Bewerbung jetzt der richtige Zeitpunkt. Ich will aber auch klarstellen, dass ich meine Verantwortung als Erste Bürgermeisterin in Schwäbisch Hall wahrnehmen werde. Für den Wahlkampf werde ich meinen Jahresurlaub nehmen. Am Wochenende habe ich begonnen, Präsenz zu zeigen, in zwölf Stadtbezirken.

15 Minuten für jeden?
Nein, eine Stunde. Und es wird nicht der letzte Besuch sein. Dabei habe ich viele Menschen getroffen. Stuttgart zeichnet sich durch seine vielen Bezirke und Stadtteile aus. Jeder tickt anders, das erfährt man zum Beispiel auf dem Wochenmarkt in Bad Cannstatt oder beim Fest des Handels- und Gewerbevereins in Stammheim. Dort erfährt man die Themen, die die Menschen bewegen, und spürt das jeweilige Selbstverständnis.

Sie waren mit einer SPD-Truppe unterwegs.
Die SPD-Ortsvereine haben das organisiert. Dabei habe ich auch Menschen unter­schiedlicher parteipolitischer Bindungen getroffen.