Besonders ein Sieg von Fritz Kuhn wäre eine Zäsur für die Mitarbeiter des Stuttgarter Noch-Oberbürgermeisters Schuster. Foto: PPfotodesign

Wer folgt in Stuttgart auf OB Wolfgang Schuster (CDU)? Die 20 000 Mitarbeiter der Stadt und ihrer Beteiligungsunternehmen betrifft dies ganz besonders – und Schusters engste Mitarbeiter noch etwas mehr. Vor allem bei einem Wahlsieg des Grünen Fritz Kuhn.

Stuttgart - Die Frage, was ein OB Sebastian Turner für sie bedeuten würde und was ein OB Fritz Kuhn, bewegt die Mitarbeiter der Stadt zunehmend. Im Kreis derer, die in engem Kontakt mit dem scheidenden Amtsinhaber Wolfgang Schuster gearbeitet haben, ist eines besonders oft zu hören: Sollte am 21. Oktober mit Sebastian Turner der parteilose Kandidat von CDU, FDP und Freien Wählern obsiegen, könnte für Schusters Stab ein sanfter Übergang kommen. Turner hätte weniger Anlass, umgehend neues Personal in seiner Umgebung zu installieren. Was nicht unbedingt bedeutet, dass in Schusters Stab alle mit einer problemlosen Zusammenarbeit rechnen würden.

Eine tiefere Zäsur verspräche ein Übergang des OB-Amts von einem Christdemokraten zu einem Grünen – und darauf stellen sich die Mitarbeiter im Rathaus ein, nachdem Kuhn beim ersten Wahlgang in Führung ging. Würde der Grüne im Fall seiner Wahl umgehend das Personalkarussell anwerfen? „Es wird bestimmt keinen Komplettaustausch im Stab geben“, gibt Kuhns Wahlkampfleiter Thomas Dengler Entwarnung. Er möchte nicht im OB-Büro arbeiten, sondern nach dem Wahlkampf wieder ganz für die Geschäftsstelle der Grünen-Fraktion tätig sein. Die eine oder andere Vertrauensperson würde sicher auch Kuhn in seinem Umfeld brauchen, aber: „Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, ehe er erlegt ist.“

Von anderer Seite heißt es bei den Grünen, man rate Kuhn, bei einem Einzug ins Rathaus „nicht Tabula rasa zu machen“. Und Kuhn sehe das auch so. Zwei Schuster-Mitarbeiter geraten gleichwohl ins Blickfeld, wenn die Grünen über personelle Veränderungen im Lauf der Zeit spekulieren: der OB-Sprecher Markus Vogt und der Leiter der OB-Stabsstelle für Koordination und Planung, Reinhard Schlossnikel. Gerade als Sprecher müsse man jemanden haben, der die Denkweise des Verwaltungschefs kenne, heißt es. Schlossnikel muss die programmatische Arbeit im OB-Bereich einfädeln und organisieren, deren Ziele bei Kuhn sicher etwas anders aussehen. Für beide müsste aber eine andere Verwendung bei der Stadt gefunden werden – was besonders bei Schlossnikel bei einer Besoldung nach B 4 (Grundbezüge: über 7200 Euro im Monat) nicht einfach wird. So gut dotierte Stellen sind im Rathaus rar. Vogt, der seine Mitarbeiter und die Pressearbeit besonders im Blick auf die sozialen Netzwerke ganz neu aufgestellt hat, könnte unter Umständen bei Beteiligungsunternehmen der Stadt unterkommen.

Der Leiter der Abteilung Außenbeziehungen dürfte sich am wenigsten um seinen Job sorgen müssen

Für Schusters Büroleiterin Andrea Klett-Eininger sehen manche sogar die Chance, unter einem OB Kuhn weiterzuarbeiten. Der Grund: Die Verwaltungsjuristin sei streng sachorientiert und mit Organisation betraut. Ein Gegenargument könnte es trotzdem geben: Der Stuttgart-21-Befürworter Schuster hatte sie mit mancherlei Aufgaben rund ums Bahnprojekt betraut. Klett-Eininger müsste daher plötzlich „hott“ statt „hü“ sagen. In wenigen Jahren könnte Klett-Eininger, die ebenfalls in B 4 eingestuft ist, wie einst der persönliche Referent von OB Rommel mit dem Rechtsreferat betraut werden.

Der Leiter der Abteilung Außenbeziehungen, Alexander Kreher, dürfte sich am wenigsten um seinen Job sorgen müssen. Ihm wird bescheinigt, dass er die Stadt bei der Pflege von Städtepartnerschaften, anderen internationalen Kontakten und beim Einwerben von Fördergeldern der Europäischen Union gut aufgestellt hat und parteipolitisch unbedenklich ist. Ines Aufrecht, Leiterin der Wirtschaftsförderung, ist nicht ganz in dieser komfortablen Lage. Manche fragen sich bis heute, warum die bei der CDU verortete junge Frau diese Stelle erhielt. Andererseits sei sie flexibel, heißt es.

Und die Bürgermeisterbank? Manche halten es für erwägenswert, die Zuständigkeiten von Werner Wölfle (Grüne/Allgemeine Verwaltung und Klinikum) und Isabel Fezer (FDP/Soziales, Jugend und Gesundheit) auszutauschen. Gegen ihren Willen werde das aber nicht möglich sein, heißt es. Manches spricht dafür, dass sich zumindest ein OB Kuhn, vielleicht auch ein OB Turner, auf eine Flurbereinigung bei den Themen Bildung und Betreuung konzentrieren könnte. Bisher sind Susanne Eisenmann (CDU/Kultur, Bildung und Sport), die nicht zu Turners Unterstützern in der CDU zählte, und Isabel Fezer dafür zuständig.

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