Foto: Max Kovalenko/PPF

Die aussichtsreichsten OB-Kandidaten haben von uns einen Fragebogen erhalten: Neun Fragen, Klartext - heute mit Sebastian Turner.

Stuttgart - Braucht Stuttgart das Gratisticket in Bus und Bahn? Hat die Stadt ein klares Profil? Rund 415 000 Wahlberechtigte sind am 7. Oktober dazu aufgerufen, das künftige Stadtoberhaupt von Stuttgart zu wählen. Die aussichtsreichsten Kandidaten haben von uns einen Fragebogen erhalten: Neun Fragen, die den Stuttgartern  unter den Nägeln brennen. Klartext - heute mit Sebastian Turner (wird von CDU, FDP und FW unterstützt ).

b>Wie gut ist unser öffentlicher Nahverkehr? Und brauchen wir das Gratisticket?

Wie gut ist unser öffentlicher Nahverkehr? Und brauchen wir das Gratisticket?

Früher als Schüler und heute als OB-Kandidat schätze ich den Stuttgarter Nahverkehr. Er ist zuverlässig, komfortabel, und oft bin ich mit der Bahn schneller als mit dem Auto. Das Tagesticket ist teuer, daher empfehle ich jedem, der oft fährt, die Jahreskarte –  zwölf Monate fahren und nur zehn Monate zahlen. Ein Gratisticket bedeutet deutlich höhere Steuerzuschüsse, und am Ende zahlen wir es doch alle wieder. Mein Ansatz ist deshalb eine Familienkarte, die Bus und Bahn attraktiver und günstiger macht.

Wie kann der Autoverkehr in Stuttgart erträglicher werden – mit einer City-Maut?

Wie kann der Autoverkehr in Stuttgart erträglicher werden – mit einer City-Maut?

Auch die klügste Verkehrspolitik kann Stuttgarts Topografie nicht ändern. Um den Stau und die Umweltbelastung des Verkehrs zu reduzieren, sind viele Aufgaben zu bearbeiten. Der weitere Ausbau von Bus und Stadtbahn kann Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Wichtig ist auch, Verkehr zu verflüssigen durch Leitsysteme und Telematik. Eine City-Maut ist sozial unausgewogen. Sie funktioniert eher in einer Riesenstadt wie London, aber in Stuttgart würde der Einzelhandel in der City noch mehr leiden.

Wie wollen Sie die Verwaltung führen? Lange Leine für Fachbeamte und Bürgermeister oder sie doch lieber an die Kandare nehmen?

Wie wollen Sie die Verwaltung führen? Lange Leine für Fachbeamte und Bürgermeister oder sie doch lieber an die Kandare nehmen?

Wer ein Unternehmen mit 1600 Mitarbeitern geführt hat, weiß, dass Delegieren und Vertrauen die wichtigsten Bausteine sind. Die Bürgermeister und Amtsleiter habe ich wie zahlreiche andere Mitarbeiter im Rathaus und den Eigenbetrieben der Stadt als sehr kompetent kennengelernt. Sie können eigenverantwortlich viele Dinge entscheiden. Als Bürger-OB ist mein oberstes Ziel: möglichst zufriedene Bürger. Wenn etwas schiefgeht, werde ich das intern klären, mich aber nach außen vor die Mitarbeiter stellen.

Stuttgart ruft die Energiewende aus – worauf kommt es Ihnen da an?

Stuttgart ruft die Energiewende aus – worauf kommt es Ihnen da an?

Die Energiewende ist eine Aufgabe, die wir entweder alle zusammen schultern, oder sie wird scheitern. Für unsere Stadt, die wie keine andere Großstadt von der Industrie lebt, ist die Versorgungssicherheit am wichtigsten. Dafür müssen auch die geplanten Stadtwerke sorgen. Wir können die beste Infrastruktur bekommen und neue, sichere Arbeitsplätze. Wer das Auto erfindet und exportiert, der sollte auch Lösungen für die Energiewende finden und in alle Welt verkaufen können.

Unserer Stadt geht es finanziell gut – was muss geschehen, damit es so bleibt?

Unserer Stadt geht es finanziell gut – was muss geschehen, damit es so bleibt?

Nicht über unser Verhältnisse zu leben – darauf möchte ich als OB gemeinsam mit dem Gemeinderat bauen. Mein Prinzip für den Haushalt ist: „Wie würde ich entscheiden, wenn es um mein eigenes Geld ginge?“ Als langjähriger Inhaber eines mittelständischen Unternehmens bin ich gewohnt, sparsam zu wirtschaften. Schließlich müssen wir auch neue Einnahmequellen gewinnen: Mit der städtischen Nachfrage möchte ich Innovationen fördern, die zu sicheren Arbeitsplätzen in Stuttgart führen.

Wie würden Sie im Fall Ihrer Wahl mit Stuttgart 21 umgehen?

Wie würden Sie im Fall Ihrer Wahl mit Stuttgart 21 umgehen?

Wenn die Stuttgarter eines verbindet, dann der Überdruss am Streit. Parlamente, Gerichte und die Bürger haben entschieden. Jetzt muss die Stadt die Bahn antreiben, das Projekt schnell und sicher umzusetzen, und auch das Land muss mitziehen. Jede Verzögerung kostet Geld und bringt mehr Belastung. Noch wichtiger als der neue Bahnhof ist die Chance, die sich aus der frei werdenden Fläche ergibt. Aus ehemaligen Bahnhofsstreitern können und sollen Verbündete für eine gelungene Stadtplanung werden.

Wie muss Bürgernähe von OB und Verwaltung künftig aussehen?

Wie muss Bürgernähe von OB und Verwaltung künftig aussehen?

Es geht darum, nah bei den Bürgern zu sein – nicht nur sonntags und bei Festen, sondern im Alltag, wenn es um Genehmigungen, neue Bauten, Spielplatz-Gestaltung und anderes geht. Ich wünsche mir, dass jedes Stadtquartier und jeder Stadtbezirk gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Vorstellung von seiner Zukunft entwickelt, um in der Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten einen gemeinsamen Kompass zu entwickeln. Dabei hilft es mir, dass ich direkt den Blick der Bürger ins Rathaus bringe.

Muss die Stadt die Gebühren- und Steuerschraube lockern?

Muss die Stadt die Gebühren- und Steuerschraube lockern?

Das Wichtigste bei Gebühren und Steuern ist, dass die Bürger wissen, warum und wofür sie gezahlt werden. Wenn man in der Krise zum Beispiel die Grundsteuer vorübergehend erhöht, dann muss man sie in besseren Zeiten auch wieder senken. Da die Grundsteuer direkt auf die Nebenkosten umgelegt wird, würde die Absenkung der Grundsteuer auch die Mieter entlasten. Gleichzeitig müssen Gebühren so gestaltet werden, dass sie niemanden ausschließen. Bei Bürgern mit wenig Geld sollte die Stadt großzügig sein.

Wo möchten Sie Stuttgarts Profil schärfen oder neue Themen setzen?

Wo möchten Sie Stuttgarts Profil schärfen oder neue Themen setzen?

Ich möchte Stuttgart zur Bildungshauptstadt machen. Ein hervorragendes Bildungssystem von der Kita bis zur dualen Berufsbildung und in den Hochschulen erlaubt der Wirtschaft und auch unserer Stadtverwaltung, ihren Innovationsvorsprung zu halten. Darauf gründet unser Wohlstand. Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben ist auch die Rückgewinnung der Nachbarschaften. Dies möchte ich gemeinsam mit Vereinen, Gemeinden und viel Bürgerengagement anpacken. Das Rathaus kann helfen mit Ideen und Initiativen.

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