Fritz Kuhn (links) und Sebastian Turner kämpfen am Sonntag um den Stuttgarter OB-Sessel. Foto: Leif Piechowski

Am Sonntag entscheiden die Stuttgarter zwischen 8 und 18 Uhr, wer die Landeshauptstadt in den nächsten acht Jahren als Oberbürgermeister führt. Die Statistiker erwarten eine höhere Beteiligung als beim ersten Wahlgang. OB Wolfgang Schuster (CDU) plant indessen seinen Abschied am 5. Januar.

Stuttgart - 46,7 Prozent der 415.309 wahlberechtigten Stuttgarter hatten sich am 7. Oktober zur OB-Wahl aufgemacht oder ihr Votum schon zuvor per Brief abgegeben. An diesem Sonntag könnte es eine höhere Beteiligung geben. Dem Statistischen Amt, das als Wahlamt fungiert, flatterten bis Freitag 18 Uhr rund 56.000 Anträge auf Briefwahl ins Haus. „Da sind 2000 mehr als für den 7. Oktober“, sagt Amtsleiter Thomas Schwarz. Diese Steigerung von der ersten zur Neuwahl (sie gilt nicht als zweiter Wahlgang, weil sich neue Kandidaten melden können) sei absolut ungewöhnlich, so Schwarz. Sie weise auf ein „leicht gesteigertes Interesse hin“.

Vor acht und vor 16 Jahren sanken die Briefwahl-Anforderungen vom ersten zum zweiten Urnengang um 4000 und 3000 Wähler. Der neue Rekord gebe auch einen Hinweis auf eine noch mobiler gewordene Gesellschaft. 45 Prozent der Briefwahlanträge gingen in dem Amt per Internet ein.

Die Frage, wem der beiden um den Einzug ins Rathaus kämpfenden Duellanten eine höhere Beteiligung nützt, lässt sich nicht beantworten. Fritz Kuhn, 57-jähriger Vordenker und Bundestagsabgeordneter der Grünen, ist mit einem Ergebnis von 36,5 Prozent in der Favoritenrolle. Sebastian Turner, 46-jähriger Werbefachmann und selbstständiger Unternehmer, den die CDU auf den Schild hob, ist Kuhn mit 34,5 Prozent – das sind 3742 Stimmen Rückstand – dicht auf den Fersen. Turner wird auch von der FDP und den Freien Wählern unterstützt. Sein Handicap könnte sich durch den Rückzug des Stuttgart-21-Gegners Hannes Rockenbauch (10,4 Prozent, SÖS) und von Bettina Wilhelm (15,1 Prozent, parteilos, von der SPD nominiert) vergrößert haben.

Bettina Wilhelm sieht in Kuhns Programm mehr Schnittmengen zur ihren Vorstellungen

Hannes Rockenbauch hat für die Neuwahl keine Empfehlung ausgesprochen. Bettina Wilhelm sieht in Kuhns Programm mehr Schnittmengen zur ihren Vorstellungen. Die Stuttgarter SPD rang sich zu einer von den Grünen erhofften, für die Genossen schwierigen Empfehlung durch. Sie erinnerte am Freitag daran, dass der Kreisvorstand sich „einstimmig und deutlich“ für Fritz Kuhn positioniert habe. So könnte man als Verlierer am Ende vielleicht beim Gewinner sein. Doch Kuhn könnte Wilhelm schon am 7. Oktober Stimmen gekostet und so bereits Abwanderungswillige aus dem SPD-Lager abgeschöpft haben. Und auch Turner kann laut Umfragen erheblich von diesem profitieren.

„Diese bisherigen Wähler zu gewinnen dürfte sehr viel leichter sein als Nichtwähler zum Urnengang zu motivieren“, sagt Thomas Schwarz. Deren Reservoir ist jedenfalls riesig. Wer seine Briefwahl-Unterlagen noch nicht abgegeben hat, kann sie am Sonntag bis 18 Uhr in der Eberhardstraße 39 in den Briefkasten des Statistischen Amts werfen.

Für den Amtsinhaber Wolfgang Schuster laufen nach 16 Jahren stadtintern die Vorbereitungen für einen Festakt zur Verabschiedung. Am 5. Januar um 18 Uhr können 1200 Menschen Schuster in der Liederhalle die Hand schütteln. Eingeladen sind Bürger aus Stuttgart, zu denen Wolfgang Schuster eine ganz persönliche Beziehung hat. Auch Prominenz wird erwartet. Auf der Liste steht EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

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