SPD-Mitglied und unabhängiger Kandidat: Marian Schreier. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Solo-Bewerbung des jungen Sozialdemokraten Marian Schreier bildet ein belebendes Element im OB-Wahlkampf, findet Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - Darf man das? Die SPD einen guten Mann oder in dem Fall eine alte Tante sein lassen und als Parteimitglied sein eigenes Ding machen? Darf man, wie es der junge Sozialdemokrat Marian Schreier jetzt angekündigt hat, unabhängig von seiner Partei bei der Stuttgarter Oberbürgermeister-Wahl im November antreten und sagen: „In der Demokratie muss man niemanden um Erlaubnis bitten, bevor man sich um ein öffentliches Amt bewirbt?“ Klar darf man!

Genauso klar ist, dass man mit Kritik von Parteifreunden leben muss, wenn man ihnen öffentlich mangelnde Fairness vorhält. Das eine bedingt das andere. Schreier kennt die Mechanismen. Dass er sich dennoch zum OB-Solo entschloss, deutet an, dass der junge Stuttgarter mit Wohn- und Amtssitz Tengen Konflikte nicht scheut, wenn es um seine Ambitionen geht.

Schreier will’s wissen. Unbedingt.

Und dass er, so smart er auftritt, eine Kämpfernatur ist. Andere Interessenten hätten zurückgezogen, wenn sie festgestellt hätten, dass der Kreisverband längst auf einen anderen OB-Kandidaten – SPD-Fraktionschef Martin Körner – gepolt ist. Erst recht, wenn ihnen ein Parteiausschluss angedroht worden wäre – eine hohle Drohung, wie sich abzeichnet. Ganz anders Schreier. Er will OB werden. Unbedingt. Dafür geht er im Zweifel auch eigene Wege.

Wohin ihn diese führen werden, ist offen. Sein Vorhaben bleibt in doppeltem Wortsinne gewagt. Findet er in der Bürgerschaft Unterstützung? Verfügt er über ausreichend Mittel? Hat er gute Ideen für die Stadt? Etwas hat er ganz sicher: Ehrgeiz und Mumm. Dem OB-Wahlkampf in der Landeshauptstadt kann das nur gut tun.

jan.sellner@stzn.de

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