Vorbildliche Haltung bei der Herzdruckmassage: Mit gestreckten Armen wird hundertmal pro Minute kräftig auf die Mitte des Brustbeins des Patienten gedrückt. Foto: Fotolia

Wenn nach einem Herzinfarkt oder Kreislaufversagen jede Sekunde zählt, kommt es auf jeden Einzelnen an. Bis die Rettungskräfte und Fachleute zur Stelle sind, muss auch der Laie handeln. Mit einer Herzdruckmassage kann er das Leben des Patienten retten.

Stuttgart - Im Rathaus findet am Samstag, 13. Oktober, von 9 bis 16 Uhr der 1. Stuttgarter Notfalltag statt. Dabei geht es aber nicht um die Nachbereitung von Notfällen, die einige OB-Kandidaten beim ersten Wahlgang erlitten haben. Auf der Tagesordnung steht ein wirklich ernstes Thema.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 120.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Umgerechnet sind das etwa 330 Todesfälle am Tag. „Das entspricht einem vollbesetzen Airbus“, sagt Professor Andreas Walther, der Ärztliche Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative Unfallmedizin am Katharinenhospital. Doch anders als beim Absturz eines Großflugzeugs schafft es das Massenphänomen Herztod durch Infarkt und Kreislaufversagen nicht in die Schlagzeilen. Und es findet auch keinen Weg ins Bewusstsein der Bevölkerung.

Dabei könnten in einem Fünftel der Fälle von Herzversagen sogar medizinische Laien erfolgreich eingreifen und die Patienten wiederbeleben. Doch viel zu oft reagieren Angehörigen oder Passanten, die einen zusammengesackten und leblosen Menschen finden, geschockt und ratlos – und bleiben untätig.

„Die Angst, etwas falsch machen zu können, muss aus den Köpfen raus“, sagt Andreas Walther, „denn falsch macht man in einer solchen Situation nur dann etwas, wenn man nichts macht.“

Herzschlag des Bewusstlosen wieder in Gang setzen

Bis vor wenigen Jahren wurden in den Erste-Hilfe-Schulungen versucht, den Laien die Mund-zu-Munde- oder die Mund-zu-Nase-Beatmung zu vermitteln. „Nur wer diese Beatmung kann und sie sich zutraut, sollte das tatsächlich auch anwenden“, sagt Dr. Joachim Pfefferkorn, Oberarzt und Notarzt am Katharinenhospital.

Im allgemeinen ist man von diesen Beatmungstechniken durch Laien aber abgekommen. Seit 2009 wird medizinischen Laien, die als erste mit einem Menschen mit Herzstillstand finden, als Sofortmaßnahme nach dem Absetzen eines Notrufs unter 112 die Herzdruckmassage empfohlen.

Dabei wird dem Bewusstlosen mit beiden Händen hundertmal pro Minute kräftig, das heißt fünf Zentimeter tief, auf die Mitte des Brustbeins gedrückt. Ziel ist es in erster Linie nicht, damit den Herzschlag des Bewusstlosen wieder in Gang zu setzen. Durch Herzdruckmassage soll vielmehr eine Art Notkreislauf aktiviert werden, durch den der Restsauerstoff, der sich noch im Blut befindet, bis ins Hirn transportiert wird. „Denn ohne Sauerstoff treten nach sieben Minuten im Hirn irreversible Schäden auf“, sagt Walther. „Mit der Herzdruckmassage kann die Zeit überbrückt werden, bis professionelle Hilfe eintrifft.“ Weil die kontinuierliche Herzdruckmassage sehr anstrengend ist, sollten sich Laienhelfer dabei alle zwei Minuten abwechseln.

Üben können Bürger die Herzdruckmassage am Samstag von 9 bis 16 Uhr auf dem Marktplatz. Hilfs- und Rettungsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst und die Feuerwehr ist mit Demonstrationspuppen vertreten. Zur gleichen Zeit findet im Rathaus der 1. Stuttgarter Notfalltag statt,, der vom Klinikum Stuttgart und der DRF Luftrettung veranstaltet wird. 300 Fachleute diskutieren die Notfallversorgung nach Schlaganfällen und Herzinfarkten.

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