Auch am vergangenen Freitag mussten die Tankstellenkunden im Stuttgarter Norden für einen Liter Diesel oder Benzin tief in die Tasche greifen. Foto: Ströbele

Die hohen Spritpreise machen vielen Fahrschulen, Bus- oder Logistikunternehmen zu schaffen.

Stuttgarter Norden - Sie fallen einfach nicht, die Spritpreise. Bereits seit Beginn der Sommerferien müssen Verbraucher Rekordpreise für Diesel und Benzin bezahlen. Das trifft nicht nur Privatpersonen hart, sondern auch Unternehmen, die gezwungener Maßen viel mit Autos, Bussen oder Lastwagen unterwegs sind.

„Wir leiden erheblich unter den hohen Dieselpreisen. Das trifft unsere Firma sehr stark“, sagt Frank Gläser von dem Weil­imdorfer Unternehmen „LSU Schäberle – Logistik und Speditions-Union“. Die Firma disponiert täglich 120 Fahrzeuge, die überwiegend chemische Stoffe und Gefahrgut transportieren. „Wir kämpfen und verhandeln stark mit unseren Verladern. Wir sind gezwungen, die hohen Preise an sie weiterzugeben“, sagt der Vertriebsleiter. Die Verlader wiederum müssten die Kosten an die Kunden weitergeben, „mit dem Ergebnis, dass die Produkte zwangsläufig teurer werden“. Gläser würde sich wünschen, dass nach französischem Vorbild auch der deutsche Staat die Steuern auf die Spritpreise reduziert – zumindest für die Industrie. „Es ist an der Zeit, dass sich der Staat etwas einfallen lässt.“

Auch die Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Zuffenhausen, Birgit Freyer, machen die gestiegenen Benzinpreise zu schaffen: „Selbstverständlich macht sich so eine Erhöhung bei uns bemerkbar.“ Mit 15 Fahrzeugen seien die Mitarbeiter täglich in Zuffenhausen, Rot, Stammheim und Zazenhausen unterwegs. Da kämen einige Kilometer zusammen. Umlegen würde man die Mehrkosten auf die Kunden aber nicht. „Wir sind bei den Fahrtkosten an die Sozialversicherungsträger gebunden. Die Kranken- und Pflegekassen geben uns die Tarife vor.“ Das Diakonische Werk würde mit anderen Wohlfahrtsunternehmen in regel­mäßigen Ab-ständen in Verhandlungen treten. Zeitnah könne so aber nicht auf höhere Spritpreise reagiert werden, sagt Birgit Freyer.

Fahrschulen müssen Kosten an Kunden weitergeben

Tanken oder nicht tanken – diese Wahl haben Fahrlehrer nicht. Wer jungen Menschen den Umgang mit dem Auto beibringen möchte, braucht einen vollen Tank. Und der wird immer teurer. „Wir müssen die Kosten leider an die Kunden weitergeben“, sagt Reinhard Hetzel, Geschäftsführer der Lucky Drive Fahrschule in Feuerbach. Ohnehin sei seine Gewinnmarge sehr eng. Kurz vor den Sommerferien, als die Preisentwicklung schon absehbar gewesen wäre, habe er deshalb die Preise erhöht. Nun kostet eine Fahrstunde 33 Euro. Einige seiner Kunden akzeptieren das, andere nicht. Auf jeden Fall, beobachtet Hetzel, würden immer mehr junge Leute auf dem Verkehrsübungsplatz trainieren, um möglichst wenig Stunden zu brauchen.

„Viele Führerscheinaspiranten erkundigen sich vorher ganz genau, was sie fürs Geld bekommen“, sagt Hetzel. Beim Internet-Auftritt seiner Fahrschule wird die Seite, auf denen die Preise stehen, am meisten angeklickt. Drei Autos, alle mit Dieselmotoren, und vier Motorräder gehören zum Fuhrpark von Lucky Drive. Je nach Auslastung kommen 450 bis 700 Euro pro Monat an Spritkosten zusammen. Hetzel hat sich schon Gedanken über die Anschaffung eines Hybridautos gemacht. Allerdings gibt es die nur mit Automatik-Getriebe – was für eine Fahrschule eher suboptimal ist.

„Ich knirsche momentan ganz arg mit den Zähnen“, sagt Barbara Hafner, Leiterin der Academy-Fahrschule Drive Botnang. An die Kunden habe sie die Spritpreiserhöhung allerdings noch nicht weitergegeben. Zum letzten Mal hat Hafner die Preise vor zwei Jahren angehoben. Um Kosten zu senken, wurde für die Fahrschule nun ein besonders sparsames Diesel-Fahrzeug mit Start-Stopp-Funktion angeschafft. Damit möchte Hafner zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits halten sich die Dieselkosten in Grenzen, andererseits lernen die Schüler so den vernünftigen Umgang mit dem Gaspedal. „Ich versuche den Leuten beizubringen, nicht mehr als fünf bis fünfeinhalb Liter auf 100 Kilometern zu verbrauchen“, sagt Hafner. Rund 45 000 Kilometer ist sie jährlich unterwegs. Hybridautos sind ihr momentan noch zu teuer. Wenn der Diesel ihres Audis zu Neige geht, hält sie nicht an der nächstbesten Tankstelle, sondern sucht ganz gezielt nach billigen Preisen: „Früher ist es ideologisch wichtig gewesen, Sprit zu sparen. Heute ist es wichtig für den Geldbeutel.“ Mittlerweile gebe es sogar junge Leute, die es aus ökologischen Gesichtspunkten als uncool empfänden, einen Führerschein zu machen und mit einem Auto zu fahren.

Busfahrpreise wurden erhöht

Helmut Müller, stellvertretender Vorsitzender im Gewerbe- und Handelsverein Feuerbach und von Beruf Maler- und Lackierermeister, hat sich ganz bewusst dafür entschieden, nur lokale Aufträge innerhalb Feuerbachs anzunehmen. Das zahlt sich nun aus: Mit den hohen Spritpreisen kämpft er weniger als andere Handwerkerkollegen. „Natürlich merken wir, dass die Preise angezogen haben“, sagt Müller. „Bei uns schlägt es aber nicht so gravierend durch, weil wir im Jahr durchschnittlich höchstens 3000 bis 4000 Kilometer fahren.“ Etliche Kollegen führen 20 000 bis 30 000 Kilometer im Jahr, das sei natürlich ein großer Unterschied. Wenn Aufträge bei ihm eingehen, bei denen weite Anfahrten nötig wären, gibt Helmut Müller diese an Kollegen vor Ort weiter. „Das haben wir aber schon immer so gehandhabt.“

Die Konsequenzen der höheren Spritpreise spüren auch die Nutzer des Ortsbusses Feuerbach/Weilimdorf: Die Fahrkartenpreise sind vor einiger Zeit um 20 Cent auf 1,50 Euro pro Fahrt erhöht worden. „Das lag aber nicht ausschließlich an den Spritkosten“, erklärt Mario Graunke vom Betreiber Wöhr Tours. „Außerdem haben wir erst kürzlich ein neues Fahrzeug angeschafft.“ Das ist wieder eines mit Dieselantrieb, denn, so sagt Graunke: „Für Transporter, wie wir sie benötigen, gibt es noch keine wirtschaftlich vernünftige Lösung bei Hybridmodellen.“

Sparen beim Fahren – Tipps vom ADAC:

Fahrweise: Wie man fährt, hat laut ADAC den größten Einfluss auf den Spritverbrauch. Der Automobilclub rät, sofort nach dem Anfahren in den zweiten Gang zu schalten und auch danach frühzeitig hoch zu schalten, also bei etwa 2000 Umdrehungen pro Minute. Man sollte immer im höchst möglichen Gang fahren. Vorausschauendes Fahren hilft auch: Jeder Tritt auf die Bremse kostet Energie.

Beladung: Je weniger Gegenstände im Auto transportiert werden, desto weniger Sprit verbraucht es. Auch Fahrradträger und Dachboxen sollten abgebaut werden, wenn sie nicht benutzt werden. Der Betrieb von Klimaanlagen und Standheizungen sorgt ebenfalls dafür, dass der Tank sich schneller leert. Sogar offene Seitenfenster oder Schiebedächer können bei höheren Geschwindigkeiten die Luftströmung außen am Auto beeinflussen und so den Kraftstoff-verbrauch erhöhen.

Reifendruck: Schon ein zu niedriger Reifendruck von etwa 0,2 bar verursacht laut ADAC einen unnötigen Mehrverbrauch von etwa einem Prozent. Es ist ratsam, den Reifendruck regelmäßig zu kontrollieren und den Messwert-Vorgaben der Fahrzeughersteller zu folgen.

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