Razvan Stoian (unten rechts), Tanzlehrer aus New York, ist von dem Können der Stuttgarter Schüler begeistert. Die Aufführung im Theaterhaus ist am 16. Oktober. Foto: Georg Linsenmann

Schülerinnen des Eschbach-Gymnasiums und der Bertha-von-Suttner-Schule üben mit einem Lehrer aus New York für ihren großen Auftritt im Theaterhaus.

Freiberg - Durch die Turnhalle tönt es „Every­body! First move!“ und wie auf Pfiff machen sich die 18 Schülerinnen der Bertha-von-Suttner-Schule bereit. Vorne links bringt sich die Solistin unter einem weißen Gaze-Vorhang in Position, auf der rückwärtigen Wand sortieren sie sich ebenfalls, während vor ihnen ein weißes Tuch gespannt wird, das gleich eine sperrende Wand abgeben wird. Und vorne rechts macht Fulya ihrer Gruppe vor, wie die Bewegungen ausgeführt werden könnten.

Sie machen noch ein bisschen ihr eigenes Ding, proben die synchrone Ausführung, während Musik anhebt. Von hinten drängen sie schon, rhythmisch stampfend, gegen die weiße Wand. Mit den Händen, dann auch mit den Köpfen, und plötzlich drängen sie durch und stürmen nach vorne. Es gibt einen scharfen Kontrast, ein Gegenspiel zur Extra-Gruppe, bis alles wie von alleine zusammenspielt. „Very good“, lobt Razvan Stoian. Und als die Szenerie sofort noch einmal abgespult ist, dehnt er sein Lob sehr vernehmlich: „Very good!“

Tanzlehrer kommt aus New York

Stoian ist Tanzlehrer. Er kommt aus New York, von der dortigen Battery Dance Company (BDC), die dieses Tanzprojekt in Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Zentrum Stuttgart und dem Theaterhaus auf die Beine stellt, finanziell gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung. Fünf Schulen nehmen daran teil. Aus Freiberg auch noch das Eschbach-Gymnasium, aus Rot die Uhland-, vom Hallschlag die Altenburgschule, dazu die GWRS Gablenberg. Fast fünf Stunden proben die einzelnen Gruppen, an fünf Tagen. So ergeben sich fünf Choreografien, die alle an einem Abend aufgeführt werden.

Alle haben sich freiwillig gemeldet, bei der Suttner-Schule aus den Klassen sieben bis zehn: „Hey, die kommen extra aus Amerika! Diese Chance musst du einfach nutzen“, sagt Fulya, die wie die meisten schon Erfahrung hat. Wie Zümra, Sara und Leyla, war auch sie zunächst enttäuscht, „dass es nicht um Hip-Hop ging“. Und nun? „Wir sind jung, da darf man nicht so festgelegt sein“, sagt Sara. Und in der kurzen Pause, die sie jetzt haben, ist bei allen die Begeisterung mit Händen zu greifen. „Er macht es Stück für Stück. Formt, vergrößert und verfeinert, was wir anbieten“, erklärt Sara.

Schüler tanzen ihren Namen

Zunächst mussten sie ihren Namen tanzen. Stoian hat dann eine Improvisation ausgesucht, aus der er nun eine Choreografie für die Gruppe mit der Gruppe entwickelt. Jetzt, am dritten Tag, sagt er: „Sie sind so engagiert, so inspirierend! Ich orchestriere nur und arbeite mit dem, was sie mir anbieten.“ Es sei „total erfüllend“, bereits zur Halbzeit „ein Resultat zu sehen“. Ein bisschen findet er sich selbst wieder: „Vor ein paar Jahren war ich wie diese Schülerinnen. Und jetzt kann ich sogar unterrichten“, sagt der 25-jährige Profi-Tänzer. „Tanz kann verbinden, kann Freundschaften für ein ganzes Leben stiften“, ist er überzeugt.

„Dancing to Connect“ ist Titel und Programm des Projektes – und Hanna Stuffer, Lehrerin der Schule, sieht, wie die Idee Wurzeln fasst: „Sie kommen aus ganz verschiedenen Klassen und man kann sehen, wie sie zusammenarbeiten, welchen Spaß sie daran haben und wie sie eine tolle Gemeinschaft geworden sind.“ Beworben habe sich die Schule übrigens, „weil wir viele talentierte Schüler haben, die oft wenig Unterstützung von zuhause bekommen. Hier kriegen sie einen Input, den sie regelrecht aufsaugen“. Im Übrigen sei auch zu sehen, „wie sie ihre ganz verschiedenen Herkunftskulturen einbringen“.

Ein Eindruck, den ihre Kollegin Kati Fellinghauer unterstreicht: „Tanz ist ideal, um seine Herkunft auszudrücken, Tanzen verbindet. Sie hören aufeinander, helfen sich, feuern sich an. Es ist total schön, das zu sehen.“ Und alle fiebern der Aufführung entgegen, die am Dienstag, 16. Oktober, 19 Uhr, im Theaterhaus stattfindet. Dass sie dabei als Letzte drankommen, deutet Leyla als ein gutes Omen: „Das Beste kommt eben zuletzt!“

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