Stuttgarter Norden Geschichte endet nicht an der Stadtbezirksgrenze

Von Susanne Müller-Baji 

Die „Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte Stuttgart“ will verstärkt auch die Arbeit der geschichtlichen Gruppierungen in den äußeren Stadtbezirken unterstützen.

Im Stadt Palais hat sich vor kurzem der Verein „Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte Stuttgart“ gegründet.Foto: Susanne Müller-Baji

Stuttgarter Norden - Bürger, die ihre Interessen und Erfahrungen bündeln: 18 Jahre lang hat die Initiativgruppe Stadtgeschichte (IGS) darauf hingearbeitet, und nachdem das gemeinsame Ziel erreicht ist, soll es nun erst recht weitergehen. In der Nachfolge der IGS hat sich im Juni die „Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte Stuttgart“ (AgS) gegründet, derzeit wartet diese auf den Eintrag ins Vereinsregister. Das neue Ziel ist klar: Gemeinsam ist man einfach stärker, erklärt Publizist Ulrich Gohl als einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden. Man erhofft sich davon Synergie-Effekte und einen stärkeren Einfluss auf die Entscheidungen der Politik.

Schon jetzt kommt täglich Neues auf dem vereinseigenen Internetauftritt hinzu: Besonders aussagekräftig ist die interaktive Karte „Ortsgeschichtliche Angebote in den Stuttgart Stadtbezirken“, die unter dem Menüpunkt „Stadtteile/Gruppen“ beweist: Es gibt viel zu entdecken, besonders jetzt im Sommer, wenn so mancher Daheimgebliebene mal auf neuen Pfaden in der ansonsten vertrauten Umgebung wandeln möchte. Die Karte führt Wanderwege und Ortsrundgänge ebenso an wie Museen, Ausstellungen und Heimatstuben oder auch Info-Tafeln an Gebäuden.

Blätter und Bücher zur Ortsgeschichte

Und wer danach mehr wissen möchte, für den ist der Punkt „Literatur“ spannend: Er listet Blätter und Bücher zur Ortsgeschichte und gibt auch an, wo diese erhältlich sind, darunter der Stammheim-Klassiker „Der 15er – Stuttgarts letzte Straßenbahn“ oder auch den wunderschönen Bildband zu Stuttgarts Zoo-Geschichte von Jörg Kurz, „Vom Affenwerner zur Wilhelma“. Und wer selbst zu einem relevanten Thema veröffentlicht hat, kann die Liste seinerseits weiter ergänzen.

Ruth Maier, Vorsitzende des Feuerbacher Bürgervereins, ist Schatzmeisterin der neuen AgS: Sie erhofft sich vom Verein neue Impulse und die Chance, auch größere Projekte auf die Beine zu stellen: „Es gibt in Stuttgart wunderbare Sachen – ein Turm-uhrmuseum beispielsweise oder die Bunker von Schutzbauten e.V. – die man einfach viel bekannter machen müsste.“ Von einer gemeinsamen Broschüre der stadtgeschichtlich relevanten Sehenswürdigkeiten in Stuttgart könnten alle Beteiligten nur profitieren. Es sei außerdem so, dass Geschichte nicht an der Stadtbezirksgrenze ende: Die Ortsgeschichte von Feuerbach habe seinerzeit oft auch Weilimdorf oder Botnang mit eingezogen. Eine verstärkte Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gruppierungen untereinander liege da auf der Hand.

Der neue Verein will unüberhörbar werden

Auch Winfried Schweikart vom Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis Zuffenhausen ist bereits Mitglied – vorerst als Privatperson, wie er sagt. Als nicht eingetragene Gruppierung könne sein Arbeitskreis als Ganzes noch nicht Mitglied werden. Vielleicht werde sich das noch ändern, hofft er, denn die Möglichkeiten der Einflussnahme würden mit der Anzahl der Vereinsmitglieder steigen. Und natürlich erleichterte eine stärkere Vernetzung auch die Nachforschungen und könnte überdies den Zugriff auf Fördergelder deutlich vereinfachen.

Natürlich geht es aber auch darum, sich mehr Gehör zu verschaffen in einer Welt, in der häufig monetäre Interessen über den Erhalt geschichtlich wichtiger Landmarken gestellt werden. „In enger Partnerschaft mit Stadtarchiv und ‚Museum für Stuttgart’ will der neue Verein unüberhörbar werden, im politischen Raum und in den Medien“, schreibt dazu Helmut Doka, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender der AgS, auf der Internetseite. „Stadtgeschichte muss auch für den Gemeinderat der Stadt Stuttgart ein wichtiges Thema werden.” Und das klingt nach einer klaren Ansage, dass man mit der AgS in Zukunft wird rechnen müssen.