In Feuerbach hätten die Bauarbeiten schon im August beginnen sollen. Noch ist davon nichts zu sehen. Foto: Torsten Ströbele

Zu wenig Wasserzeiten, zu viele Nichtschwimmer: Die Bezirksbeiräte in Weilimdorf fordern, dass im Bezirk ein neues Lehrschwimmbecken gebaut wird, um den Bedarf im Stuttgarter Norden decken zu können.

Stuttgarter Norden - Seit Ende Juli ist das Feuerbacher Hallenbad geschlossen. Schon wenige Tage später sollten eigentlich die Bauarbeiter anrücken – zunächst einmal, um den asbesthaltigen Kitt aus der Fassade zu entfernen. Doch von den angekündigten Arbeiten ist nichts zu sehen. Drei Monate waren für diese ersten Sanierungsschritte angedacht. Der Zeitplan scheint schon jetzt ins Wanken geraten zu sein. Ob wie angedacht Ende Oktober mit den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Inneren des Bades begonnen werden kann, ist fraglich. Aus dem Stuttgarter Rathaus hört man von Problemen bei der Ausschreibung der Arbeiten. Zu den möglichen Verzögerungen war am Dienstag beim Hochbauamt niemand zu erreichen. Und auch die Bäderbetriebe wollten offiziell keine Stellung nehmen. Es hieß nur: „Informationen zu dem Stand der Sanierungsmaßnahmen des Hallenbades werden am Freitag, 30. September, zunächst in öffentlicher Sitzung dem Bäderausschusses mitgeteilt.“

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass das Bad länger als die ursprünglich geplanten 24 Monate geschlossen bleibt. Der Präsident der Sportvereinigung Feuerbach, Rolf Schneider, kann nur mit dem Kopf schütteln. Sein Verein ist auf die Wasserzeiten in Feuerbach angewiesen. 22 Stunden pro Woche hat die Sportvereinigung das Bad genutzt. „Und eigentlich bräuchten wir sogar noch mehr Wasserzeiten“, betont Rolf Schneider.

Von der Schließung des Hallenbades sind aber auch die Schulen betroffen – in Feuerbach, Weilimdorf, Giebel, Bergheim, Hausen und Stuttgart-Nord. „Es stehen nur wenige Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung“, sagt die Leiterin des Schulverwaltungsamtes, Karin Korn. Im Bad des Robert-Bosch-Krankenhauses gebe es noch freie Kapazitäten, doch nur die ­Rosensteinschule würde derzeit das Angebot annehmen. „Wir finanzieren das und stellen auch einen Bus zur Verfügung“, sagt Karin Korn. Alternativen in Bädern der Nachbargemeinden gebe es keine. Das habe eine Umfrage ergeben. Und die wenigen freien Bahnen der verbliebenen Stuttgarter Hallenbäder könnten aufgrund der Entfernungen und zur Verfügung stehenden Zeiten nicht von den betroffenen Schulen genutzt werden. „Dies bedeutet in der Konsequenz, dass viele Schulen leider während der Sanierung des Hallenbads auf den Schwimmsport verzichten und verstärkt ihre Turn- und Sporthallen nutzen müssen“, sagt Karin Korn.

Jugendrat startet eine Unterschriftenaktion

Für die Weilimdorfer Bezirksbeiräte ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. In ihrer jüngsten Sitzung stimmten die Lokalpolitiker unisono einem Antrag der CDU zu: Das Amt für Sport und Bewegung solle schnellstmöglich eine Lösung finden, dass der Schwimmunterricht an den Schulen wieder stattfinden könne. Das ging den Grünen allerdings nicht weit genug. Sie präsentierten einen weiteren Antrag, der ebenfalls einstimmig abgesegnet wurde. Die Grünen fordern den Bau eines Lehrschwimmbades in Weilimdorf. Im Norden und Westen Stuttgarts sei eine klare Unterversorgung beim Thema Schwimmflächen vorhanden. Das gelte speziell auch für Weilimdorf, wie die Verwaltung dem Jugendrat im vergangenen Jahr bestätigt habe. 1,3 Schwimmbecken würden im Bezirk fehlen, um den Bedarf der Schulen zu decken, heißt es in dem Antrag der Grünen. „Jedes dritte Kind in Stuttgart kann nicht vernünftig schwimmen“, sagte Annekathrin Essig (Grüne). „Die Stadt trägt dafür die Verantwortung.“ Sie wolle Antworten auf die Frage wie das Problem gelöst werden könne. Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes ist der Meinung, dass sich „ Stuttgart vergleichsweise in der guten Lage befindet, dass eigentlich über das Stadtgebiet verteilt genügend Schwimmflächen für den Schulunterricht zur Verfügung stehen“. Wenn allerdings ein Bad nicht genutzt werden könne, wie derzeit in Feuerbach, gebe es leider für die betroffenen Schulen keine Ersatzflächen, um diesen Wegfall in vollem Umfang ausgleichen zu können.

Die Weilimdorfer Jugendräte wollen auf jeden Fall für ihr Schwimmbad kämpfen. Am Freitag, 14. Oktober, werden sie um 16 Uhr auf dem Löwen-Markt eine Unterschriftenaktion starten.

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