Die Wohnungsnot in Stuttgart war auch Thema einer „Mittendrin“-Veranstaltung der Stuttgarter Nachrichten im März 2013 vor fast 400 Gästen in der Sparda-Welt. Foto: Leif Piechowski

„Wohn-Wahnsinn Stuttgart“ war die bisher umfänglichste Serie im Lokalteil der Stuttgarter Nachrichten – nun hat die Konrad-Adenauer-Stiftung sie mit einem Preis in der Kategorie Verbraucher gekrönt.

Stuttgart - Am 2. März 2013 starteten die Stuttgarter Nachrichten die Serie „Wohn-Wahnsinn Stuttgart“. Danach beleuchtete sie an 19 Tagen auf mindestens je einer Seite die vielerlei Aspekte des Stuttgarter Wohnungsmarktes. Ein komplexes Unternehmen für ein komplexes Problem.

Hier finden Sie alle Beiträge aus der Serie "Wohn-Wahnsinn Stuttgart"

Die Serie bot, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung jetzt feststellte, ein Forum für viele Debatten, und unsere Zeitung habe ihren vornehmsten Auftrag nicht vergessen: Anwältin der Bürger zu sein. Daher punktete die Serie jetzt, als die Konrad-Adenauer-Stiftung ihren Deutschen Lokaljournalistenpreis in unterschiedlichen Kategorien an 14 Zeitungen vergab.

Schon 2013 war klar gewesen, dass dem Wohn-Wahnsinn in Stuttgart nicht auf die Schnelle abgeholfen werden kann. Das hat sich zuletzt in der vergangenen Woche erhärtet. Im nicht öffentlich tagenden Unterausschuss Wohnen des Gemeinderats ruderten OB Fritz Kuhn (Grüne) und seine Verwaltung ein Stück zurück. Vergangenen Dezember hatte Kuhn bei der Vorlage seines Konzepts fürs Wohnen in Stuttgart angekündigt, bis 2018 sollten 1400 zusätzliche Sozialwohnungen entstehen. Am 2. Juni räumte Kuhn nun ein, 1035 Einheiten seien „das Machbare“. Mehr sei höchstens Wunschdenken.

Entlastung für Mieter nicht auf die lange Bank schieben

Das Stadtoberhaupt willigte außerdem ein, doch ein Bündnis für Wohnen ins Leben zu rufen, um auch Experten der Wohnungswirtschaft, der Mieter und verschiedene Interessenvertreter zusammenzubringen. Das Ziel: regelmäßig alle Chancen für eine Entlastung des Wohnungsmarktes auszuloten. „Schade, dass Kuhn ein Jahr dazu gebraucht hat“, meint Mietervereinschef Rolf Gaßmann.

Von so einem Bündnis, das in Hamburg erfolgreich vorexerziert wurde, erhofft er sich zusätzliche Mitstreiter und Baugrundstücke für Sozialwohnungen von Baugenossenschaften und Kirchengemeinden. Nur mit städtischem Grund werden die Ziele nicht zu erreichen sein. Nicht einmal nach der jüngsten Relativierung. Kuhn hinke hinter seiner Ankündigung her, sagt Rolf Gaßmann. Allerdings könne der Anfang 2013 angetretene OB in so kurzer Zeit nicht aufholen, was anderthalb Jahrzehnte in der Förderung des Sozialwohnungsbaus versäumt worden sei.

Ulrich Wecker von Haus und Grund Stuttgart fragt sich, was Kuhn jetzt wirklich wolle. Die Quote von je 1800 fertiggestellten Wohnungen aller Art – also mit und ohne Förderung – habe man schon einige Jahre erreicht oder übertroffen. Kuhn müsse sich der Frage stellen, ob nicht 2400 pro Jahr nötig seien, wie das Institut der Wirtschaft meine.

Am Dienstag machte auch der Deutsche Mieterbund Druck, damit die Politik geplante Entlastungen für die Mieter nicht auf die lange Bank schiebe. Teile der schwarz-roten Koalition könnten versuchen, vereinbarte Projekte wie die Mietpreisbremse und Änderungen im Maklerrecht aufzuweichen.

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