Nikolaos Radis und Vassili Kirtzakis, zwei deutsche Griechen oder griechische Deutsche, wollen im Juli mit ihren Mountainbikes vom Fernsehturm bis auf die Akropolis radeln. Foto: Tom Bloch

Die Extremsportler Nikolaos Radis und Vassili Kirtzakis wollen von Stuttgart nach Athen fahren – auf dem Mountainbike.

Stuttgart-Zuffenhausen/Feuerbach - Mal kurz von Deutschland nach Griechenland, genauer gesagt: vom Stuttgarter Fernsehturm bis zur Akropolis in Athen – mit dem Mountainbike. An diese gigantische Strecke wollen sich Nikolaos Radis aus Feuerbach und Vassili Kirtzakis aus Zuffenhausen wagen. Ein Vorhaben, das schon allein aufgrund der sportlichen Herausforderung eine Mammutaufgabe ist.

Doch die beiden Extremsportler wollen mit ihrer zweiwöchigen Tour über 1300 Kilometer und 25 000 Höhenmetern noch viel mehr erreichen: „Zwei in Deutschland geborene Griechen, Anfang 30, voll integriert, mittelständisch, beruflich zufrieden, doch in den vergangenen Jahren sportlich extrem unterbelastet“, so beschreiben sich die beiden auf ihrer Internetseite. Zwei deutsche Griechen, zwei griechische Deutsche – sie suchen ihre Wurzeln, indem sie über Stock und Stein radeln. „Wir wollen in dieser schwierigen Zeit unsere Verbundenheit mit unserer eigenen Heimat zeigen“, sagt Nikolaos Radis. Einst war er Vertragsamateur bei den Stuttgarter Kickers, Mitbegründer der Southside Rockers (Vizeweltmeister 1999 im Breakdance), außerdem Pokerweltmeister, Graffitikünstler und Fotograf. Mittlerweile ist der 33-Jährige verheiratet und zweifacher Vater. Er arbeitet als Mediengestalter in einer großen Agentur.

Am Samstag, 7. Juli, soll es am Fernsehturm losgehen

„Ich habe Freunde in Griechenland, die haben drei Abschlüsse, aber keinen Job, keine Perspektive. Also sitzen sie im Kaffeehaus“, berichtet Vassili Kirtzakis. „Und dann heißt es: der faule Grieche.“ Kirtzakis will gegen Vorurteile kämpfen. Er war ebenfalls Fußballer (FV Zuffenhausen, Spvgg 07 Ludwigsburg), dann Marathonläufer, Volkstänzer. Heute arbeitet er als Tragwerksplaner für internationale Bauprojekte. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass man alles bewältigen kann. Mit einer gesunden Einstellung. Schließlich starten wir selbst aus dem Nichts“, betont der Bauingenieur.

Am Samstag, 7. Juli, soll es am Fernsehturm losgehen. Zwei Mountainbikes, zwei Rucksäcke, vier stramme Waden. Ziel ist die Akropolis, einen Tag vor Beginn der Olympischen Spiele in London am 27. Juli. „Wir haben sogar eine Sondergenehmigung, bis hoch auf den Parthenon zu radeln“, sagt Kirtzakis stolz. Seit November bereiten sich die beiden auf die Aufgabe vor. Krafttraining, Ausdauerläufe, Kilometer schrubben im Sattel. Beide fahren zumeist mit dem Fahrrad zur Arbeit. Radis von Feuerbach nach Vaihingen, Kirtzakis von Zuffenhausen nach Degerloch.

Gerade haben die beiden die „Alpine Grande Stuttgart“ bewältigt

„Stuttgart ist doch herrlich, hier kann man sich hervorragend für solche Touren vorbereiten.“ Der Beweis: Gerade erst haben die beiden die „Alpine Grande Stuttgart“ bewältigt: 124 Kilometer rund um Stuttgart, 2400 Höhenmeter, mehrfach quer durch den Talkessel. „Wir dachten, wir kennen Stuttgart, aber das war unglaublich. Wir haben so viele schöne neue Flecken entdeckt“, sagt Radis. Und die Hasenbergsteige – denn das Ziel der Tour ist der Birkenkopf, vom Westen hoch auf 511 Meter. Lockeres Einfahren für die Alpenüberquerung. Die Strecke führt dann weiter bis Venedig. Ein Tag Ruhepause auf der Fähre nach Igoumenitsa, dann am ionischen Meer entlang Richtung Athen.

„Die Eindrücke, die Landschaft, das wird alles unglaublich schön werden“, meint Kirtzakis, und Nikolaos Radis freut sich auf die Gegend um Ioannina: „Da kommt mein Vater her, aus einem Dorf mit acht Häusern.“ Und, die beiden werden die Ersten sein, die den 1500 Meter langen Preveza-Aktio-Tunnel unter dem Meer auf dem Fahrrad durchqueren. „Eine Firma aus unserem Sponsorenpool hat den Tunnel vor zehn Jahren gebaut und zugesagt, für unsere Durchfahrt den Verkehr anzuhalten“, berichtet Radis.

Projekt hat bereits vor dem Start viele Unterstützer gefunden

Überhaupt, die Sponsoren: Zur Vorbereitung des Projekts gehört eben auch der Internetauftritt, eine Facebook-Seite, Hilfe und zahlreiche, ja auch pekuniäre Unterstützung. Fähre, Übernachtungen, Räder - alles gesponsert. „In Griechenland erlebt der Radsport gerade einen Boom, kann sich ja auch kaum einer noch ein Auto leisten.“ Griechische Zeitungen und ein Fahrradmagazin haben sich schon gemeldet.

Das Projekt hat bereits vor dem Start viele Unterstützer gefunden. Ihre Tour-Erlebnisse werden Nikolaos Radis und Vassili Kirtzakis täglich im Internet per Blog veröffentlichen. Sie sind gespannt, was während und was aus der Radtour entsteht. „Es kann doch nicht sein, dass nur Banken und Zahlen Länder verbinden. Da ist doch mehr. Da sind die Menschen, die Kultur, die Mentalitäten“ betonen beide. Spätzle trifft auf Gyros. Die beiden starten zuhause und radeln dann los: nach Hause.

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