Nathalie und Simon Schaller, Teresa Göppel (v.li.). Foto: Leif Piechowski

Das Stuttgarter Modelabel Glimpse-Clothing zieht bei Modenschau erste Bilanz – und hilft in Indien Ex-Prostituierten beim Schneidern.

Das Stuttgarter Modelabel Glimpse-Clothing zieht bei Modenschau erste Bilanz – und hilft in Indien Ex-Prostituierten beim Schneidern.

Stuttgart - „Nun gibt es für uns kein Zurück mehr“, sagt Nathalie Schaller, als sie sich kurz im Stuttgarter Club Schräglage in der Hirschstraße hinsetzt. In einer Stunde beginnt die Modenschau für ihr Modelabel Glimpse-Clothing. Dann geht es für vier Models über die kleine Halfpipe durch die Menge und wieder zurück, um die nächsten Kleidungsstücke überzuwerfen.

Stolz ist Nathalie Schaller, als der Club Schräglage bereits um kurz nach 19 Uhr voll ist. Etwa ein halbes Jahr ist seit der letzten Modenschau vergangen. „Es ist einiges passiert“, sagt Schaller, „das Team ist untereinander zusammengewachsen, wir haben ein größeres Haus für die Nähwerkstatt gefunden, und von der letzten Kollektion gibt es nur noch Restposten.“

Glimpse-Clothing lässt in Mumbai, Indien, produzieren. Aber nicht, um so günstig wie möglich Kleidung herzustellen, sondern um ehemaligen Prostituierten eine Perspektive zu geben. Gegen faire Bezahlung und mit Englisch- sowie Matheunterricht erhalten die Frauen bei Glimpse-Clothing eine Ausbildung zur Schneiderin. Zusätzlich gibt es viele Gespräche mit den Frauen, um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.

„Die Frauen sind in dem letzten halben Jahr richtig aufgeblüht und haben Lebensfreude entwickelt“, erzählt Schaller, „das hat uns gezeigt, wie wichtig dieses Projekt ist.“ Die Lebensfreude der Frauen spiegelt sich auch in der neuen Kollektion wider: Lässige Schnitte treffen auf kräftige Pastellfarben, was beim Schräglage-Publikum gut ankommt und mit lautem Beifall belohnt wird. Auch haben sich die Frauen erstmals mit eigenen Ideen eingebracht. Schaller: „Aus den Reststoffen sind kleine bunte Taschen und Rucksäcke entstanden, das wollten sie selbst umsetzen.“

Durch die neue Werkstatt kann Glimpse-Clothing fünf Frauen mehr einstellen, und auch die bisherige Kleidungsstückzahl von 750 kann aufgestockt werden. Schaller erhofft sich, dass durch den Verkauf mehr für das Projekt eingenommen werden kann. Momentan laufe noch vieles über Spenden. Zudem gibt es Überlegungen, eine Nähwerkstatt in Deutschland zu gründen.

www.glimpse-clothing.com
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