Statt von zwei Einzelpersonen, wird der Metal-Club Schwarzer Keiler künftig von einem mehrköpfigen Metal-Kulturverein getragen. Foto: privat

Steigende Kosten bedrohen Stuttgarts Nachtleben. Der Metal-Club „Schwarzer Keiler“ wählt einen neuen Weg: Ab März 2026 wird er gemeinschaftlich als Kulturverein getragen.

Die fetten Jahre sind vorbei, als Clubbetreiber wird man nicht reich, jedenfalls nicht in Stuttgart. Weniger Menschen, die ausgehen, weniger Geld in den Taschen der Gäste, höhere Fixkosten, höhere variable Kosten, wenig Verständnis für steigende Eintrittspreise: Die Liste mit Gründen ist lang.

 

Der Clubbetrieb hat Spitz auf Knopf gestanden

Der Metal-Club Schwarzer Keiler am Berliner Platz hat nun Konsequenzen gezogen und wird planmäßig ab 1. März 2026 von einem Verein getragen statt von Einzelpersonen betrieben. „Die Kosten sind mittlerweile als Club schwer zu tragen“, sagt Jürgen Hess, der den Club aktuell gemeinsam mit Simone Heinold betreibt, mit Blick auf die Bilanzen der vergangenen Jahre. „Wir kommen gerade so raus, können aber keine Rücklagen bilden. Wenn spontan Kosten anfallen sollten, weil etwas kaputt geht, oder der Mindestlohn nochmal angehoben wird, dann müssten wir in der Form, in der wir bisher aufgestellt waren, zumachen.“

Über ihr weiteres Bestehen haben sich die beiden gemeinsam mit ihrer Crew daher Gedanken gemacht und sind zum Schluss gekommen, es künftig als kulturvereinsgetragener Club probieren zu wollen. Denn was neben der finanziellen Last des Clubbetriebs nicht von der Hand zu weisen ist, ist die Tatsache, dass der Schwarze Keiler der Metal-Community in und um Stuttgart und weit darüber hinaus als Kulturstätte, Treffpunkt und Ort des Zusammenseins und Auslebens gemeinsamer Hobbies (egal wie nischig sie sind) gedient hat und immer noch dient.

Ein Erbe der Rockfabrik: Das Wohnzimmer der Szene

Seine Gründung war der Schließung der Rofa (Rockfabrik) in Ludwigsburg gefolgt, die bis dato Hotspot für die Metal-Szene in Süddeutschland gewesen war. Der Schwarze Keiler hat nach seiner Eröffnung im September 2022 ein musikkulturelles Loch in der Region geschlossen. So gesehen ist die Gründung eines Kulturvereins zur Erhaltung und zum Betrieb des Schwarzen Keilers ein logischer Schritt.

„Es hat sich auch gezeigt, dass es als Unternehmen mit wirtschaftlichem Interesse zum Beispiel schwieriger ist, Förderungen zu bekommen“, erklärt Hess weiter. Fördermittel würden das Weiterbestehen des Clubbetriebs aber wesentlich erleichtern. Und so hat man im Sommer letzten Jahres den Metal-Kulturverein Schwarzer Keiler Baden-Württemberg e.V. gegründet, der künftig kollektiv für den Club verantwortlich sein wird. In Stuttgart gibt es bereits verschiedene Beispiele anderer Livemusikspielstätten, die seit Langem erfolgreich vereinsgetragen funktionieren, etwa das Laboratorium oder Merlin, oder auch der Jazzclub Kiste. Auf die Idee gebracht hat die Schwarzer-Keiler-Macher aber das vom Metal Maniacs Markgräferland e.V. organisierte Metal-Festival „Baden in Blut“, zu dem ein guter Kontakt gepflegt wird, sagt Hess.

Die Roadcrew: Mitmachen statt nur konsumieren

Ein weiterer Vorteil der Vereinsträgerschaft: In einem Kulturverein können verschiedene Modelle für Unterstützer, die ehrenamtlich mithelfen oder den Club finanziell unterstützen möchten, gestaltet werden. „Denn davon gibt es wirklich viele“, bestätigt Hess. „Es ist wirklich so, dass unter Metalheads einfach die Freude daran besteht, selbst Dinge auf die Beine zu stellen oder einfach direkt mit anzupacken, wenn andere etwas starten“, sagt Heinold. „Das war schließlich genau die Art, wie der Schwarze Keiler entstanden ist. Und so können wir zukünftig auch das ein oder andere mehr organisieren.“

Bisher hatten Simone Heinold und Jürgen Hess alleine die Geschäftsführung des Schwarzen Keilers gestemmt. Foto: Der Schwarze Keiler

Wer selbst Hand anlegen möchte, etwa am Einlass, beim Aufbau oder hinter der Bar, kann sich als ehrenamtlicher Helfer bei der Roadcrew anmelden und bekommt als kleines Dankeschön freien Eintritt und Goodies. Wer hingegen keine Zeit, aber Geld zum Projekt beizutragen hat, hat als Supporter via Spenden die Möglichkeit dazu.

Am Programm ändert sich für Gäste übrigens erst mal nichts. „Der Schwarze Keiler bleibt offen für alle, eine Vereinsmitgliedschaft ist für den Besuch von Veranstaltungen nicht erforderlich“, stellt Hess klar. Nun werden die Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten des Schwarzen Keilers aber eben auf dreizehn, statt zwei Köpfe verteilt. Dem Verein bleiben Jürgen Hess und Simone Heinold dabei als erster und zweiter Vorsitzender an der Vereinsspitze erhalten. Fast alles beim Alten also, im Metal-Wohnzimmer am Berliner Platz. Wer sich als Vereinsmitglied bewerben und den Club aktiv mitführen möchte, sollte zuvor ein halbes Jahr in besagter Roadcrew mitgewirkt haben. „Bei neuen Mitgliedern wollen wir einfach auch sicher gehen, dass die Leute zuverlässig und verantwortungsbewusst sind“, erklärt Oliver Honer vom Metal Kulturverein „Schwarzer Keiler“ Baden-Württemberg.