Axel Heger sagt, die Markthalle solle keine elitäre Einkaufsadresse werden. Foto:Lg/Kovalenko

Sie gilt als die schönste in ganz Deutschland und sie soll noch schöner werden: Die Stuttgarter Markthalle. Die Gefahr, dass sie sich zur elitären Einkaufsadresse mit Höchstpreisen entwickelt, sieht Hausherr Axel Heger, Geschäftsführer der Märkte Stuttgart GmbH, dadurch nicht gegeben.

Sie gilt als die schönste in ganz Deutschland, und sie soll noch schöner werden: Die Stuttgarter Markthalle. Die Gefahr, dass sie sich zur elitären Einkaufsadresse mit Höchstpreisen entwickelt, sieht Hausherr Axel Heger, Geschäftsführer der Märkte Stuttgart GmbH, dadurch nicht gegeben.
Herr Heger, in der Markthalle spielen sich derzeit größere Veränderungen bei den Händlern und Ständen ab. Deutet sich damit die zukünftige Entwicklung der Halle an?
Die Markthalle ist sowohl von der Architektur wie auch von ihrem Angebot in der Vielfalt, Qualität und Internationalität einzigartig und attraktiv. Wir wollen diese Attraktivität noch steigern, und die Fluktuation bei den Händlern im letzten und in diesem Jahr gibt uns dazu die Chance.
Alles wird schöner und schicker. Soll die Markthalle eine elitäre Hochpreis-Einkaufsadresse werden?
Wir haben keinen Einfluss auf die Preisgestaltung, aber die Händler kennen die Grenzen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Wie viele Wechsel hat es denn in letzter Zeit gegeben?
Insgesamt fünf. Gekündigt von sich aus haben Sylvia Knauß mit dem Blumenstand, der Betreiber vom Zebundus-Stand mit Alb-Produkten und der Fischhändler Rüdiger Stock. Frei geworden sind außerdem die Stände mit argentinischen Spezialitäten und Trockenfrüchten.

Der neue Fischstand biete neue Möglichkeiten

Bisher sind nur zwei der fünf Stände wieder belegt.
Den Blumenstand hat Merz und Benzing übernommen, und mit der Firma Failenschmid GmbH haben wir wieder einen Anbieter mit Fleisch und Wurst in Premium-Qualität vom Biosphären-Reservat Alb. Am 26. August eröffnet ein dänischer Anbieter mit Lakritz in vielen interessanten Geschmacksvarianten. Er wollte unbedingt in den Süden expandieren. Der Fischstand geht an den Gastronomen Holger Looß, und der fünfte Stand wird dem Obst- und Gemüsehandel von Heribert Ragossnig zugeschlagen, der für die Neugestaltung des Fischstandes etwas Platz abtritt.
Fisch finden die Kunden derzeit nicht in der Markthalle. Nur eine Bretterwand vor der Baustelle. Was tut sich dahinter?
Im Moment ist alles ausgebeint und wir haben festgestellt, dass man hier von Grund auf erneuern muss. Bei der Begehung mit der Denkmalschutzbehörde wird sich zeigen, ob sich noch Erhaltenswertes findet. Wir haben hier die einmalige Chance zur Neugestaltung und zur Öffnung zum neuen Dorotheenquartier hin. Mit großen neuen Fenstern, die zu einem Schaufenster der Markthalle werden.
Wann können die Kunden wieder Fisch in der Markthalle kaufen?
Wir hoffen, dass wir im Oktober fertig sind. Looß ist Gastronom und stellt schon eine Austern- und Champagnerbar in Aussicht.

Die Markthalle soll keine Imbisshalle werden

Eine Austernbar ist in Ordnung, aber es sollen keine warmen Speisen zubereitet werden?
Wir wollen keine Imbisshalle.
Wie geht die Vergabe von Ständen vonstatten?
Durch Ausschreibung und Bewerbung. Bei der Wahl entscheidet das beste Konzept.
Und die Bereitschaft, hohe Summen zu investieren? Man hört von Investitionen von einer halben Million Euro und mehr.
Das ist richtig: Ein gutes Konzept und die Bereitschaft, dafür zu investieren, geben den Ausschlag.
Haben die Händler früher ihre Nachfolger selbst aussuchen können?
Wenn ein Mietnachfolger der gleichen Warengruppe vom Vormieter vorgeschlagen wurde, ist in vielen Fällen mit diesem ein Mietvertrag abgeschlossen worden. Diese Praxis wurde durch unser Ausschreibungsverfahren beendet.
Früher wurden von den Nachfolgern offenbar Ablösesummen gezahlt. Jetzt beklagen sich einige Händler, dass sie darauf nicht mehr rechnen können. Und das sei doch ihre Altersvorsorge gewesen.
Alle Stuttgarter Gerichte haben bestätigt, dass es für die Forderung von Ablöse­summen keine Rechtsgrundlage gibt und es ­allein Sache des Vermieters ist, den Nachfolgemieter auszuwählen.

Eine Monopolisierung finde nicht statt

Findet in der Markthalle eine Monopolisierung statt. Platzhirsche wie Looß, Di Gennaro sowie Merz und Benzing vermitteln diesen Eindruck.
Der Eindruck ist falsch, es findet keine Monopolisierung statt. Für den Fischstand hatten wir weitere Anfragen wie von einem Ludwigsburger Fischhändler, der dann aber keine Bewerbung abgegeben hat.
Haben kleinere Händler überhaupt noch eine Chance?
Wir haben noch viele kleine Händler und Familienbetriebe in der Halle und kaum ­Filialisten außer Böhm und Hochland.
Wie hoch sind die Einnahmen aus der Markthalle?
Das legen wir nicht offen. Aber die Mieten sind angemessen, werden alle drei bis vier Jahre neu verhandelt und orientieren sich am Lebenshaltungsindex. Investitionen eines Händlers werden dabei aber berücksichtigt.

Der Supermarkt im Dorotheenquartier als Konkurrenz?

Im Dorotheenquartier wird ein großer Supermarkt entstehen. Droht hier vielleicht Konkurrenz?
Sicher nicht, die Markthalle ist mit einem Supermarkt nicht zu vergleichen. Eher werden beide Einrichtungen voneinander profitieren, vor allem auch durch die neue Parkgarage.
Für den Erhalt und die Pflege der 102 Jahre alten Markthalle sind hohe Investitionen ­nötig. Was ist erledigt, was steht noch an?
Wir haben in die Fassade, die Technik und die Erneuerung der Fenster unterm Dach etwa eine halbe Million investiert. Die Kosten für die Restaurierung der Fassaden-Fresken auf Initiative des Fördervereins Alt-Stuttgart in Höhe von 125 000 Euro tragen die Stuttgarter Märkte GmbH, der Förderverein und das Denkmalamt mit Fördermitteln. Nun steht noch die Restaurierung der Fresken an der Seite zum Schillerplatz mit geschätzten Kosten von 85 000 Euro an.
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