Der Bio-Wochenmarkt auf dem Marienplatz richtet sich an Kunden, die sich gesund und nachhaltig ernähren wollen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Bio-Wochenmarkt am Marienplatz startete im April vielversprechend. Doch inzwischen ist das Angebot stark geschrumpft und die Kunden bleiben aus. Die Beschicker fordern nun eine elementare Änderung.

Stuttgart-Süd - Auf die Frage, wie es für ihn auf dem Stuttgarter Bio-Wochenmarkt läuft, muss Jörg Gastl von der Ölmühle Weinstadt erst einmal laut lachen. „Der Markt ist letztes Jahr sehr gut gestartet. Inzwischen ist er quasi tot“, findet er anschließend klare Worte. Von den ursprünglich 15 Beschickern sind offiziell noch sieben übrig geblieben. „Wir stehen momentan manchmal nur mit drei Ständen da“, sagt Gastl. Das sei kein attraktives Angebot für die Kunden, die deswegen auch ausbleiben.

 

Klaus Umbach, Inhaber der Bio-Gärtnerei Umbach aus Heilbronn, ist erst ab März wieder auf dem Markt vertreten. „In den Wintermonaten können wir keine Ware anbieten, da unsere Pflanzen zu 100 Prozent aus dem Eigenbetrieb stammen“, erklärt er. Er freue sich eigentlich darauf, wieder zum Marienplatz zu kommen: „Ich glaube immer noch an die Idee. Aber wahrscheinlich wissen die meisten Stuttgarter gar nicht, dass es den Bio-Markt überhaupt gibt.“ Er bemängelt, dass für den Markt bisher kaum Werbung gemacht wurde. „Ich möchte nicht sagen, dass es ein Fehlstart war. Aber es war ein sehr vorsichtiger Start.“

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Seit April 2021 gibt es den Wochenmarkt am Marienplatz – als ersten reinen Biomarkt in Stuttgart und als erstes Projekt der Biomusterregion Ludwigsburg-Stuttgart. Damit wollte man auf die gestiegene Nachfrage der Kunden nach Bioprodukten reagieren. „Anfangs hatten wir auf dem Markt viele verschiedene Stände mit einem vielfältigen Angebot. Das war schön“, sagt Gastl. Der Lockdown damals führte dazu, dass die Menschen auf die Wochenmärkte strömten. Davon profitierte auch der Biomarkt. „Nach dem Lockdown gab es einen Einbruch. Aber das war auf allen Märkten zu spüren“, sagt Annegret Bezler, Regionalmanagerin beim Landratsamt Ludwigsburg. Auch sei der Winter ohnehin keine gute Zeit für Märkte. „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass es im Frühling wieder aufwärts geht“, sagt sie.

Kaum ein Beschicker kommt tatsächlich aus Stuttgart oder Ludwigsburg

Doch als die Kundenzahlen zurückgingen, warfen einige Beschicker das Handtuch. „Da waren Bio-Anbieter dabei, die bisher noch keine Erfahrung auf Märkten hatten“, erklärt Gastl. Diese seien dann sehr schnell wieder abgesprungen. So habe die Abwärtsspirale begonnen. „Für manche hat sich die lange Anfahrt von bis zu zwei Stunden einfach nicht gerechnet“, bestätigt Bezler. Damit spricht sie an, was bei der Zusammensetzung auf dem Biomarkt ebenfalls ins Auge fällt: kaum ein Beschicker kommt tatsächlich aus Stuttgart oder Ludwigsburg. „Die Bio-Direktvermarkter dort sind schon gut aufgestellt. Sie sind entweder auf anderen Märkten vertreten oder mit ihren Hofläden und Gemüsekisten bereits ausgelastet“, sagt Bezler. Die meisten Beschicker kommen demnach nicht aus der Region und müssen längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. So wie Klaus Umbach: „Wenn ich nicht daran glauben würde, dass es sich irgendwann rentiert, würde ich nicht von Heilbronn nach Stuttgart fahren“, sagt er.

Für manche Händler war der Weg zu weit

„Wir hatten einige Wechsel bei den Händlern, aber jetzt sind wir wieder stabil“, betont Thomas Lehmann, Geschäftsführer der Märkte Stuttgart. Er habe zuletzt einen Bio-Metzger für den Markt gewinnen können. Gesucht werde allerdings noch ein Bio-Käse- und ein Bio-Geflügel-Anbieter. Dennoch sei er grundsätzlich zufrieden mit der Entwicklung. „Ich hoffe aber, dass wir den Markt, wenn er sich richtig eingespielt hat, noch vergrößern und eine größere Produktpalette anbieten können“, fügt Lehmann hinzu.

Verlässlicher Rhythmus der Öffnungszeiten fehlt

Dazu wäre aber eine Änderung des Konzeptes dringend notwendig, findet Jörg Gastl. Der Hauptgrund für die Probleme liegt seiner Meinung nach in den Öffnungszeiten des Marktes. Diese sind jeden zweiten und vierten Freitag im Monat, in den Wintermonaten bis März von 11 Uhr bis 17 Uhr und ab April von 11.30 Uhr bis 19 Uhr. Für die Kunden fehlt dadurch die Kontinuität. „Wenn sie sich einmal vertan haben und umsonst auf den Markt gegangen sind, ärgern sie sich und kommen kein zweites Mal“, sagt Gastl. Auch Umbach ist es schon passiert, dass er zum falschen Termin nach Stuttgart gefahren war. „Ich bin dafür, dass der Markt wöchentlich stattfindet. Schließlich heißt es ja auch Wochenmarkt“, sagt er.

Zu diesem Schluss ist man auch bei den Märkten Stuttgart und bei der Bio-Musterregion gekommen. „Wir brauchen wohl einen verlässlichen Rhythmus“, bestätigt Thomas Lehmann. Deshalb wolle er nun über eine Änderung der Öffnungszeiten mit den Beschickern sprechen.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber es muss sich was Gravierendes ändern“, sagt Gastl. Er ist auch mittwochs mit seinen Ölen auf dem Wochenmarkt am Marienplatz vertreten. „Dort läuft es richtig gut. Daran sieht man, dass es klappen könnte.“