Benin-Bronzen, derzeit noch im Stuttgarter Linden-Museum Foto: dpa/Christoph Schmidt

Das Linden-Museum beweist es: Warum die Rückgabe der Benin-Bronzen weniger Verlust als Gewinn für uns ist.

Professor Abba Tijani aus der nigerianischen Hauptstadt Abuja ist ein freundlicher Mann. Seine kleine Rede in englischer Sprache im Stuttgarter Linden-Museum drückt vor allem Freude darüber aus, dass viele Kunstwerke, die einst den Völkern seines Landes von Europäern geraubt wurden, bald zurückkehren können. Und dann fällt fast beiläufig ein Satz, über den die anwesenden Journalisten lächeln müssen, obwohl er beim Nachdenken einen höchst bitteren Beigeschmack hat: „We want you to see our face, so you know that we exist“ – zu Deutsch: Wir möchten Ihnen unser Gesicht zeigen, damit Sie wissen, dass es uns gibt.

 

„Gibt’s da überhaupt ordentliche Museen?“

Denn genau das war ja über Jahre, nein Jahrzehnte hinweg immer das beliebteste Argument der deutschen Museumseliten, um die Rückgabeforderungen der früheren Kolonialländer an die großen Museen in Europa und Nordamerika abzuwehren: Bei uns in Berlin, Hamburg oder Köln sei die Kunst doch viel besser aufgehoben. In ihren früheren Heimatländern gäbe es ja noch nicht mal ordentlich klimatisierte Museen – und die Kunst werde ja auch dort meist gar nicht als wahre Kunst erkannt.

Zu Recht ist diese patriarchale Wir-kümmern-uns-doch-so-gut-Haltung inzwischen von einer jüngeren Generation an Museumsleuten und Kulturpolitikern als besonders verlogener Postkolonialismus entlarvt. Es ist hoch erfreulich, dass das Land Baden-Württemberg und das Stuttgarter Linden-Museum die Debatte ebenso sorgsam wie energisch vorantreiben. Der Termin mit Tijani hat verdeutlicht, wie konstruktiv und fruchtbar die Suche nach einem gemeinsamen Weg sein kann, wenn das Gespräch darüber wirklich auf Augenhöhe stattfindet. Zum Schluss können dann beide Seiten Gewinner sein: Benin bekommt ein Stück Identität zurück – und Stuttgart hat neue Partner.