Das Staatsministerium favorisiert einen Übergang über die B 14 – hier eine Ideenskizze angelehnt an einen Entwurf des Architekten Werner Sobek. Foto: Xoio GmbH

Die Diskussion über eine Neugestaltung der B 14 ist in vollem Gange. Der Diskussionsbeitrag aus dem Staatsministerium für einen Steg über die B 14, über den wir exklusiv berichtet haben, wird in Stuttgart lebhaft diskutiert.

Stuttgart - Der Vorstoß des Staatsministeriums für eine Neugestaltung eines Teilbereichs der Kulturmeile basierend auf einem Steg-Entwurf des Stuttgarter Architekten Werner Sobek, über den unsere Zeitung exklusiv berichtete, hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) äußerte sich vor Journalisten sehr lobend über den Vorschlag. Anlass war die Frage, ob es nicht ein Armutszeugnis für Oberbürgermeister Kuhn sei, wenn ihm das Staatsministerium auf die Sprünge helfen müsse. „Nein, so ist es nicht“, antwortete Kretschmann. Er habe selbstverständlich mit Kuhn gesprochen, der bekanntlich den „Kautelen des Gemeinderats“ unterliege.

Grundsätzlich, so der Regierungschef, mische er sich nicht in die Stadtpolitik ein. Das Land sei an der Kulturmeile aber mit eigenen Institutionen vertreten und habe daher ein „vitales Interesse“ an deren Gestaltung. Als Beispiel nannte er die Staatsgalerie, die unter einem erheblichen Besucherrückgang leide. Eine große Lösung für die B 14 werde noch „sehr lange dauern“. Mit der Sobek-Brücke sei nun eine kleine, „aber sehr gute Lösung“ vorgeschlagen. Zugleich stellte Kretschmann finanzielle Unterstützung des Landes für die Realisierung in Aussicht, ohne dies näher zu beziffern.

Dieses Angebot begrüßte der CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, Alexander Kotz, ausdrücklich. Er betrachte den Vorschlag als willkommenen Diskussionsbeitrag. Der vorgeschlagene Steg sei kein „No-Go“, aber auch nicht gesetzt, sagte Kotz.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) blieb in einer ersten Stellungnahme distanzierter: „Wir bereiten ja einen städtebaulichen Wettbewerb für die Entwicklung der B 14 vom Gebhard-Müller-Platz bis zum Österreichischen Platz vor. Selbstverständlich bereichern Impulse wie die Idee mit dem Steg dabei die Diskussion, und im Wettbewerb sind alle Vorschläge willkommen“, sagte der OB.

Staatsgalerie lobt Vorstoß

Vertreter von Kultureinrichtungen, die an die B 14 angrenzen, äußerten ausdrücklich Zustimmung. Die Direktorin der Staatsgalerie, Christiane Lange, sagte unserer Zeitung: „Steg now! Jede Verbesserung der städtebaulichen Situation rund um die Kulturmeile, gerade jetzt inmitten all der Baustellen, ist willkommen.“ Ähnlich drückte sich der Leiter des Hauses der Geschichte, Thomas Schnabel, aus: „Alles ist gut, was besser ist als der Zustand seit einigen Jahrzehnten“, sagte Schnabel. Er appellierte an die Verantwortlichen, „nicht wie seit Jahrzehnten zu vertrösten, sondern rasch zu einer Lösung zu kommen“.

Schnabel fordert „eine Lösung jetzt“

Der Historiker erinnerte daran, dass bereits der Brückeningenieur Jörg Schlaich an der besagten Stellen einen Steg vorgeschlagen hatte, der von der Stadt angelehnt wurde. Der frühere OB Wolfgang Schuster (CDU) habe einen ampelgesteuerten Überweg geplant, was am Nein des Gemeinderats gescheitert war. Davor hatte Architekt Michael Wilford die Idee, die Unterführung auf die Breite der Wasserspiele vor der Musikhochschule aufzuweiten und in die unterirdische Passage einen hallenartigen Raum der SSB für eine kulturelle Nutzung zu integrieren. „Alles wurde mit Verweis auf eine große Lösung mit einer Untertunnelung abgelehnt“, erinnert sich Schnabel. Wichtig sei, dass „es jetzt eine Lösung gibt, die unabhängig von dem entsteht, was mal in einigen Jahrzehnten sein wird“. Er glaube nicht, dass es „bald einen großen, autofreien Boulevard gibt, dort werden auch in 20 Jahre noch Autos fahren“. Deshalb sollte die Idee Sobeks von dem Steg aufgegriffen werden.

Der Verein Aufbruch äußerte sich skeptisch bis ablehnend zu der Idee seines Gründungsmitglieds Sobek. Der Vorsitzende Wieland Backes erklärte auf Anfrage: „Das goldene Band, mag es auch noch so entzückend ausschauen, mobilisiert gleich eine ganze Reihe von Gegenargumenten. Es ist eine kleine Lösung, notwendig ist jetzt aber der große Wurf, dem Stuttgart, dank unserer Initiative, schon einen großen Schritt näher gekommen ist: nämlich der Umbau der B 14 zu einem menschengerechten, einladenden Stadtraum, in dem sich auch Fußgänger und Radfahrer wieder wohlfühlen können.“ Eine Realisierung der Brücke würde dieses Vorhaben gefährden, fügte Backes hinzu.

CDU: Beitrag des Landes ist willkommen

So sieht das auch die SPD-Fraktion im Rathaus. „Von der Anregung des Landes, über die B 14 wieder einen Fußgängersteg zu bauen, halten wir nicht viel“, erklärte Fraktionschef Martin Körner. Nach Ansicht der Sozialdemokraten sollte eine ebenerdige Querung zwischen Eugenstraße und Oper die Kulturmeile für Fußgänger attraktiver machen. „Die Kulturmeile wird nur attraktiver, wenn wir den Fußgängern mehr Raum geben, und zwar ebenerdig, nicht unter oder über der Erde“, so Körner.

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