Im Ringen um das Metropol-Gebäude schlagen die Wogen hoch. Auf die Kritik der Stadt an der Union Investment, sie habe erst aus der Zeitung vom Vertrag mit der Boulderhalle erfahren, reagieren die Eigentümer mit Vorwürfen gegen die Stadt.
Stuttgart - Bouldern ist das Klettern ohne Seil oder Gurt an Felsblöcken oder künstlichen Kletterwänden bis zur Absprunghöhe. Jederzeit kann man runter zum Boden springen, ohne ein wesentliches Verletzungsrisiko einzugehen. Können Beteiligte am hitzigen Streit, der um die Pläne für eine Boulderhalle im ehemaligen Metropolkino am geschichtsträchtigen Ort in der Stuttgarter City entstanden ist, noch abspringen, ohne dass jemand dabei beschädigt wird?
Die Union Investment sagt als Eigentümerin, man habe einen „rechtsverbindlichen Mietvertrag“ abgeschlossen, der „für beide Seiten bindend“ sei. „Wir sind überzeugt, dass die Flächen einer guten Nachnutzung durch den neuen Mieter zugeführt werden“, erklärt Astrid Lipsky, die Sprecherin des Immobilienfonds. Und Falk Zedler aus Dresden, einer von drei Geschäftsführern der Element Boulders GmbH, versichert: „Wir wollen nichts gegen den Willen der Menschen in Stuttgart durchziehen.“ Zu Gesprächen mit der Politik und mit der Bürgerschaft sei er bereit. Anfang Februar werde er nach Stuttgart reisen, um im Bezirksbeirat die Pläne seines Unternehmens zu erläutern.
Der Vertrag sieht eine Ausstiegsklausel vor
„Dann wird man erkennen, dass eine Boulderhalle in der City eine klare Bereicherung für Stuttgart ist“, sagt Zedler, „was sich viele hier wünschen.“ Eine Stadt lebe vom Wandel. Man solle sich Veränderungen in der Gesellschaft nicht widersetzen. „Auch ich bin Cineast“, betont er, „und liebe Kino.“ Der Geschäftsführer glaubt, dass die bisherigen Kinobetreiber nicht ohne Grund das Metropol verlassen haben. Die Zukunft verlange neue Ideen. „Wir werden dabei den Denkmalschutz hochhalten“, verspricht er.
Auch Falk Zedler verweist auf den unterzeichneten Zehn-Jahres-Vertrag. Der jedoch eine Ausstiegsklausel vorsieht. Sollte der Denkmal- oder der Brandschutz die Pläne ablehnen, kann die Element Boulder GmbH vom Vertrag zurücktreten und neue Räume suchen, ohne vertragsbrüchig zu werden.
Der Erste Bürgermeister bittet erneut um Dialog
Interims-OB Fabian Mayer hat der Union Investment erneut ein Schreiben übersandt, „in dem ich unser fortgesetztes Interesse am Erhalt eines Kinobetriebs im Gebäude sowie unausgesetzte Dialogbereitschaft über die Zukunft der Immobilie zum Ausdruck gebracht habe“. Erst aus der Zeitung hatte er erfahren, dass die Eigentümer einen Vertrag in Sachen Boulderhalle unterschrieben haben. Die Behauptung der Union Investment, es habe keine Mietinteressenten aus der Kinobranche gegeben, sei falsch.
Für die Gebäudeeigentümer weist Pressesprecherin Astrid Lipsky auf unsere Anfrage die Kritik der Stadt zurück, man habe sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie erhebt ihrerseits Vorwürfe in Richtung Rathaus: „Die Stadt bekräftigte zwar ihren Wunsch nach einer zukünftigen Kinonutzung, wollte aber keine konkreten Zusagen machen. Auf das Angebot von Union Investment, die Fläche selbst anzumieten und an einen Kinobetreiber unterzuvermieten, ist die Stadt nicht eingegangen. Auch eine langfristige finanzielle Unterstützung eines Kinobetreibers wurde seitens der Stadt abgelehnt.“
Verschiedene Aussagen zur Bewerbung aus der Kinobranche
Und weiter betont die Sprecherin des Immobilienfonds: „Bis zu Beginn der öffentlichen Berichterstattung gab es keine Mietinteressenten aus der Kinobranche, obwohl die Fläche über das Maklerhaus Colliers vermarktet wurde. Die Gespräche mit dem Kulturamt setzten erst ein, als Union Investment bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Boulderhallen GmbH war.“
Die Betreiber der Traumpalast-Kinos haben gegenüber unserer Zeitung erklärt, sie hätten den Eigentümern seit November ihr Interesse am Metropol-Gebäude bekundet, bereits den Grundriss bekommen, alles habe dafür gesprochen, den Mietvertrag zu unterschreiben. Dazu erklärt die Sprecherin der Union Investment: „Die erste Kontaktaufnahme des Betreibers vom Traumpalast im November fiel ungefähr in den Zeitraum der mieterseitigen Vertragsunterzeichnung. Einen Entwurf eines Mietvertrages oder gar einen unterschriftsreifen Mietvertrag gab es mit dem Traumpalast nicht.“
„Metropol wird zur ersten Bewährungsprobe für den neuen OB“
Inzwischen ist das Metropol zum Fall für die Volksbank geworden, deren Tochter die Union Investment ist. Auf Protestbriefen von Kunden, die ihre Konten bei der Bank für den Fall kündigen wollen, dass die Boulderhalle im alten Bahnhof kommt, lässt Stefan Zeidler, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Stuttgart, verlauten, er setze sich für einen „konstruktiven Dialog“ der Beteiligten ein. „Man sollte nicht nur über Medien kommunizieren“, sagt Banksprecher Robert Hägelen unserer Zeitung. In der Sache selbst bleibe Zeidler neutral und wolle nicht Partei für eine der Seiten ergreifen. Bisher hätten sich „nur einige wenige Kunden“ bei der Volksbank zu diesem Thema gemeldet.
„Das Metropol wird zur ersten Bewährungsprobe für den neuen OB Nopper“, erklärt Thomas Herrmann für die fünf Stuttgarter Kammergruppen der Architektenkammer Baden-Württemberg. „Mit Denkmalschutz, Baurecht und einer Vielzahl öffentlicher Fördertöpfe“ verfüge die Stadt über genügend Möglichkeiten zum Erhalt des Premierenkinos. Die Initiative Rettet das Metropolkino bittet nun in einem Brief den künftigen OB Nopper, sich „mit Herzblut“ wie schon im Wahlkampf für die kulturelle Nutzung einzusetzen. Für die genossenschaftliche Finanzgruppe biete sich die Chance, „nach einer kurzen Phase der Besinnung, Verantwortung zu übernehmen“ und Stuttgart als Kulturstadt zu stärken. Um eine Absage ans Bouldern gehe es dabei nicht. Die Betreiber würden auch an anderer Stelle in Stuttgart eine schöne Halle finden.
Spannend also bleibt, wem ein eleganter Absprung in diesem Streit gelingt.