Michael Gaedt wagt den Schritt von der Bühne in die Galerie. Wie es zur neuen Schau in Mailand kam und warum für den Comedian, Musiker und Schauspieler noch lange nicht Schluss ist.
Man kennt ihn als ausgeflippten Bühnenstar mit gelber Brille, der auf motorisierten Pferden, mit einer „Turban-Wickel-Maschine“ und mit Silbergitarre Theatersäle zum Beben bringt oder den KfZ-Mechaniker „Schrotti“ in der Krimi-Serie Soko Stuttgart mimt. Seit Kurzem bestreitet er zudem seine erste Solo-Show, „Das große Scheppern“. Die Rede ist vom umtriebigen Stuttgarter Comedian und Schauspieler Michael Gaedt, der 35 Jahre lang mit seiner Band „Die Kleine Tierschau“ durch Theater und Aufführungsorte tourte. Und Michael Gaedt wäre nicht Michael Gaedt, wenn er sich mit 68 Jahren nicht noch einmal auf neues Parkett wagen würde.
In diesem Fall ist es das Parkett der Galleria Montegani in Mailand. Denn der Stuttgarter zeigt ab 6. Februar gemeinsam mit dem italienischen Fotografen Eric Scaggiante eine Ausstellung in der italienischen Metropole.
Die Schau, kuratiert von Andrea Ceresa, gewährt Einblicke in Gaedts Stuttgarter Garage, wo er seit über 40 Jahren Alltagsgegenstände wie Schubkarren und Klos durch Motorisierung zweckentfremdet. Die meisten der Stücke kennen Fans aus der Kleinen Tierschau, mit der Gaedt zwischen 1981 und 2016 mehr als 3.200 Auftritte spielte. Nun werden sie erstmals aus ihrem Bühnenkontext gelöst und als Austellungsstücke gezeigt – begleitet von Scaggiantes Fotoserie, die den Comedian und seine Motoren bildlich festhält. Die Ausstellung läuft parallel zu den Olympischen Winterspielen in Milano–Cortina und vor der Mailänder Fashion Week – und das nicht ohne Grund.
Michael Gaedt auf seinen „Feuerstühlen“ – Fotoausstellung in Mailand
Wieso ausgerechnet Mailand? Über seine Tochter Paulina, die dort in der Mode arbeitet, hat es Gaedt schon einmal auf die Mailänder Fashion Week verschlagen, wo er für das schwedische Modelabel Our Legacy ein Konzert gab. Für die italienische Modemarke Diesel war er als Model in einer internationalen Kampagne zu sehen, schaffte es sogar in die Vogue. Abgelichtet wurde er dabei von besagtem Eric Scaggiante, der gleichzeitig ein Freund von Tochter Paulina ist.
So erfährt Sciaggante, der sich selbst für Maschinen und Motoren begeistert, damals von Gaedts teils skurrilen Motoren-Konstruktionen, und kommt zum Fotografieren in Stuttgart vorbei. „Es hat ihm so gut gefallen, dass er gesagt hat, das könnte man eigentlich auch ausstellen“, erzählt Gaedt. Das Ergebnis ist die Fotoserie „Feuerstühle“ mit Michael Gaedt und seinen motorisierten Objekten vor verschiedenen Stuttgarter Kulissen.
„Kurz gesagt feiert diese Fotoserie das Kindliche, das in uns allen lebt – sofern wir es nicht unterdrücken“, sagt der 25 Jahre alte Fotograf selbst zu seinen Fotografien. Seine Bilder bewegen sich zwischen der Brutalität der gewaltigen Motoren und kindlicher Fantasie und Bastelei. Damit trifft er bei seinem über 40 Jahre älteren Ausstellungspartner einen Nerv. „Ich vermisse ja oft auch dieses Kindliche, das kein Kalkül verfolgt“, so Gaedt. „Die Freude am Rabatz und an diesem sinnlichen, nicht-erwachsenen Verhalten geht in der heutigen Zeit sonst oft verloren.“
Bei der Suche nach einem Ausstellungsort fiel die Wahl auf Mailand. Denn dort tummeln sich in diesem Frühjahr Tausende Modebegeisterte ebenso wie Kultur- und Sportfans aus der ganzen Welt. In seiner Stuttgarter Garage spielt der Comedian und Hobby-Mechaniker deshalb nun mit einem Papiermodell seiner Ausstellungsstücke Tetris, um herauszufinden, wie er Motor-Pferd, fahrende Toilette, Hubschrauber und Co. in seinem Transporter bis nach Italien transportiert bekommt.
@michaelgaedt DAS GROSSE SCHEPPERN 8 + 9 AUGUST THEATERHAUS STUTTGART
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Schwaben-Humor goes Italien
Ob der italienische Humor mit dem des Schwaben zusammengeht? „Wenn du in Italien mit meinem Quatsch Vollgas gibst, glaubt eh niemand, dass du Deutscher bist“, sagt Gaedt lachend. „Für mich ist es skurril, welche Dimensionen das Ganze angenommen hat. Ich freue mich darauf!“ Sein Stuttgarter Publikum schätzt der Comedian zwar, gleichzeitig sieht er auch Vorteile an dem Landeswechsel. „Es ist auch mal schön, etwas ganz losgelöst von der eigenen Geschichte zu zeigen“, so Gaedt. Denn davon gibt es im Ländle genug. „Andererseits, mal sehen, manche Italiener kennen sogar die Soko Stuttgart, die läuft in Italien ja auch auf Rai 2 [italienischer Fernsehsender]“, erzählt er. Tatsächlich ist die Krimi-Serie dort unter dem Titel „Squadra speciale Stoccarda“ zu sehen – manche Mailänder könnten den Stuttgarter also zumindest in seiner Rolle als „Schrotti“ schon kennen.
Für Gaedt ist die Ausstellung eine Art glückliche Fügung, ein Ergebnis verschiedenster zufälliger Begegnungen und Entwicklungen, von denen seine gesamte Karriere geprägt ist, wie er selbst sagt. So auch seine neue Solo-Show „Das große Scheppern“, die er die kommenden Monate im Stuttgarter Theaterhaus zeigt. Die Termine im April sind bereits fast ausverkauft, weitere sollen im Mai und Juli folgen.
Wenn er auf seine Karriere zurückblickt, scheint Michael Gaedt es selbst gar nicht so recht glauben zu können. „Mit 68 Jahren habe ich zum ersten Mal eine Solo-Show. Zum ersten Mal hängen Plakate herum, auf denen nur mein Name zu sehen ist“, sagt Gaedt. „Du bist nicht immer am Steuerrad in deinem Leben, du bist sehr oft auch einfach Passagier. Ich stolper’ da so rein. Gerade wird es bei mir komischerweise nochmal sehr turbulent – und jetzt auch noch die Ausstellung mit Eric, das ist verrückt. Da kann ich nur sagen: Mein Leben würde ich gerne führen.“
„Ich sage immer zuerst Ja und erst dann frage ich mich Wie“
Ob es Dinge gibt, die der 68-Jährige rückblickend anders gemacht hätte? „Das Leben ist eine ordentliche Achterbahnfahrt“, so Gaedt. „Aber Fehler gehören dazu. Und verpassten Chancen habe ich noch nie hinterhergeheult.“ Der Comedian und Schauspieler erzählt vom Auftritt der Kleinen Tierschau 1981 bei Alfred Bioleks „Showbühne“ in München, bei der ihm und seinen Kollegen direkt nach der Show Verträge von zwei Plattenfirmen angeboten worden seien. Unterzeichnet haben sie damals nicht. „Es gibt sicher viele Kollegen, die sich sagen, oh hätte ich nur damals unterschrieben. Das ist bei mir nicht so.“
Er sei immer viel zu sehr damit beschäftigt, schon der nächsten Aufgabe hinterherzujagen. „Ich sage immer zuerst Ja und erst dann frage ich mich Wie.“ Anders wäre er nie zu Projekten wie beispielsweise der Soko Stuttgart gekommen, sagt Gaedt. „Mir geht das Geschäft nicht aus. Mal sehen, was noch kommt, die Reise ist ja noch nicht vorbei. Hätten Sie mich vor zehn Jahren gefragt, ,Könnten Sie sich vorstellen, in Mailand eine Ausstellung mit Ihren Maschinen zu machen?’, hätte ich gesagt, wovon träumen Sie nachts?“
Zum Abschluss der Ausstellung in Mailand erwartet die Besucher ein Konzert nach Gaedt-Art – die Maschinen werden auf der Bühne zum Leben erweckt. „Auf der Bühne darf man heute in der Regel keine Verbrennungsmotoren mehr zünden“, so Gaedt. „Also erobere ich jetzt die Kunstgalerien.“
Feuerstühle 6.-24. Februar, Galleria Montegani, Via Montegani 7, Mailand, Vernissage: 6. Februar, 18-21 Uhr, Finissage-Konzert: 24. Februar, 20 Uhr, weitere Infos >>>