Es war einiges geboten in den Notaufnahmen der Stuttgarter Kliniken in der Silvesternacht. Ärztinnen und Ärzte berichten, mit welchen Beschwerden Patienten gehäuft eingeliefert worden sind.
An die Neujahrsnacht 2025 wird sich so mancher Stuttgarter ein Leben lang zurückerinnern – wenn auch äußerst schmerzhaft: Im Marienhospital Stuttgart mussten mehrere Patienten versorgt werden, die sich durch explodierende Böller oder Raketen so schwer verletzt haben, dass bei dreien ein oder mehrere Finger ganz oder teilweise amputiert werden mussten, berichtet Sebastian Werner, Oberarzt in der Klinik für Notfallmedizin am Marienhospital. Allesamt waren es Männer im Alter von um die 30 Jahren. „Wir rechnen schon im Voraus mit solchen Verletzungen, weshalb das chirurgische Team am 31. Dezember personell sehr gut aufgestellt ist“, sagt Werner. Die Klinik für Handchirurgie im Marienhospital ist das einzige regionale Replantationszentrum im Raum Stuttgart.
Polizei sorgt im Krankenhaus für Ordnung
Auch für das Klinikum Stuttgart bedeutet die Silvesternacht vor allem: mehr Arbeit. Frank Stumpp, Oberarzt in der Interdisziplinäre Notaufnahme (INA) berichtet von mehr als 80 Fällen in der INA und in der Augenklinik. Das seien doppelt so viele wie in einer Wochenendnacht. „Ab 20 Uhr ging es spürbar los mit Menschen, die nach Alkohol- oder Drogenkonsum zu uns gekommen sind“, sagt Oberarzt Frank Stumpp. Nach unsachgemäßem Umgang mit Feuerwerkskörper haben fast 30 Menschen schwere Augenverletzungen davon getragen. Dass das Opfer einer Messerstecherei in Kirchheim/Teck in Stuttgart behandelt worden ist, habe wegen des zahlreichen Anhangs, von dem es begleitet wurde, einen größeren Polizeieinsatz im Haus ausgelöst. Auch am Neujahrstag geht dort die Arbeit nicht aus. „Beim Zusammenkehren der Böller zündet mancher Blindgänger, was dann zu Verletzungen führt“.
Schwere Fälle seien ausgeblieben, heißt es aus der Zentralen Notaufnahme des Karl-Olga-Krankenhauses. Das Team hatte zwar am Silvestertag ordentlich zu tun, weil einige Patienten mit einer Sepsis, gemeinhin Blutvergiftung genannt, eingeliefert worden sind. Aber im Zusammenhang mit Silvester gab es wenig Fälle, die stationär behandelt werden mussten. Allerdings war bei vielen Patienten, die in der Notaufnahme ambulant versorgt wurden, viel Alkohol im Spiel.
Häufig zu viel Alkohol im Spiel
Dass die Leute an Silvester ordentlich Sekt, Bier und Stärkeres getrunken oder sonstige Drogen genommen haben, hat auch das Team in der Notaufnahme des Diakonie-Klinikums zu spüren bekommen: Schon im Verlauf des Tages gab es Patienten, die zu viel getrunken haben – und in Folge daraufhin gestürzt oder anderweitig verunglückt sind, berichtet Sven Bornhak, Oberarzt der Zentralen Notaufnahme. Auch einige Verletzte in Folge von Schlägereien sind in die Notaufnahme gekommen – nicht selten in Begleitung von Polizisten. Später am Abend hatten die Ärztinnen und Ärzte es vor allem mit jungen Menschen zu tun, die mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert worden sind. „Die bleiben erst einmal bei uns und werden medizinisch überwacht“, sagt Bornhak. Ihre Atmung wird kontrolliert, und wichtig sei es auch, darauf zu achten, dass Erbrochenes nicht in die Luftröhre oder in die Lunge rutscht.
Verletzungen bei Stürzen
Ähnliches berichtet auch seine Kollegin Janine Kugler, Oberärztin in der Abteilung für Klinische Akut- und Notfallmedizin am Robert Bosch Krankenhaus: Dort endete für viele Patienten in der Notaufnahme die Silvesternacht nicht selten im Operationssaal – „weniger wegen fehlgezündetem Feuerwerk“, so Kugler. Vielmehr sind viele Betrunkene gestürzt und hatten sich einen Bruch zugezogen. Teilweise sind die Betroffenen mit dem Kopf aufgeschlagen und mussten medizinisch betreut werden.