Die Statue zeigt König Wilhelm II. mit seinen Spitzern. Der Bezirksbeirat Mitte forderte im Dezember 2019 ihre Rückverlegung vor das Stadtpalais. Foto: Cedric Rehman

Torben Giese, Leiter des Stadtmuseums, äußert sich zufrieden über die Diskussion um den Standort der Wilhelm-Statue. Er zeigt sich offen für weiteren Dialog auch über die Veranstaltungskultur in seinem Haus.

S-Mitte - Mit Kritik umzugehen, scheint dem Leiter des Stadtmuseums Torben Giese nicht schwerzufallen. Er äußert sich beeindruckt von der öffentlichen und medialen Debatte über den Standort der König-Wilhelm-Statue. „Jede Diskussion, die leidenschaftlich über Geschichte geführt wird, führt am Ende zu mehr Identität“, sagt Giese. Seinen Aussagen zufolge hätten die Mitarbeiter des Stadtmuseums in den vergangenen Jahren darauf gewartet, dass eine solche Auseinandersetzung geführt wird.

Die von Bürgern in den 90er Jahren gestiftete Statue zeigt den letzten Monarchen Württembergs mit seinen beiden Spitzen. Sie stand lange vor dem Eingang des Stadtpalais. 2017 wurde sie dann in den Garten versetzt. Der Bezirksbeirat Mitte erhob Ende vergangenen Jahres die Forderung, die Königsstatue im Zuge von geplanten Arbeiten an einem durchgehenden Gehweg vor dem Stadtmuseum wieder vor dem Palais aufzustellen.

Museumsleiter winkt ab

Giese lehnt dies aus historischen Gründen ab. König Wilhelm II sei zwar ein liberaler Herrscher gewesen, aber dennoch Repräsentant des Kaiserreichs. Die Figur Wilhelms II. tauge aus seiner Sicht deshalb nicht zur Identifikationsfigur für das Stadtmuseum, argumentierte Giese.

Er betont, dass es bei der Diskussion wie bei jeder Debatte um historische Erinnerung um Perspektiven geht. „Es gibt da kein Richtig oder Falsch“, meint Giese. Er befürwortet wie auch Unterstützer einer Rückverlegung eine Podiumsdiskussion zu dem Thema. Giese würde das Stadpalais dafür öffnen.

Dialog soll neutral moderiert werden

Er befürwortet es allerdings, dass eine in der Frage neutrale Instanz die Moderation übernimmt. Der Museumsleiter hat sich auch mit den Argumenten auseinandergesetzt, die etwa Bürger in Zuschriften und Leserbriefen geäußert haben. Zwei Standpunkte hätten ihnen dabei besonders zum Nachdenken gebracht. „Manche haben die Frage gestellt, was wir mit all den anderen Denkmälern aus der Epoche machen, wenn wir unsere Maßstäbe an den Standort der Wilhelmstatue ansetzen“, sagt er. „Andere meinten, dass das Bürgerengagement beim Stiften der Statue nicht einfach ignoriert werden kann“, meint Giese. Er bleibt dennoch bei seinem Nein zu einer Rückverlegung der Wilhelmstatue vor das Stadtpalais, erklärt der Museumsleiter. Die Diskussion über den angemessenen Standort soll aber weiter geführt werden, wünscht er sich.

Giese geht auch auf die Kritik ein, die in Zuschriften zum Statuenstreit an der Veranstaltungskultur im Museum geäußert wurde. Diese könnte ebenfalls Thema bei einer Podiumsdiskussion zur Wilhelmstatue sein, meint er. „Ich würde mir aber eher wünschen, dass diejenigen, die andere Veranstaltungen wünschen, mit ihren Vorschlägen auf mich zukommen“, sagt er. Giese verteidigt das Veranstaltungskonzept des Museums. Es müsse in einer etablierten Stuttgarter Museumslandschaft Dinge anders machen, meint er. „Wir wollen ausdrücklich ein Museum für alle sein und ein Museum, das neben der Geschichte auch die Gegenwart und Zukunft in den Blick nimmt“, sagt Giese. Er bezeichnet das Angebot des Stadtmuseums als betont niederschwellig. „Es kann sein, dass die Klientel des klassischen Museums sich nicht bei allen Angeboten wiederfindet“, räumt Giese ein.

Giese verweist auf Erfolg

Das Stadtmuseum mit seinem Angebot habe im vergangenen Jahr 240 000 Besucher angelockt, sagt er. „Wir sind das bestbesuchte Stadtmuseum in Deutschland“, sagt Giese. Neben experimentelleren Angeboten gebe es immer auch die Dauerausstellung, meint er. „Manche sehen nur die verrückten Sachen, aber das ist nur ein Teil unseres Angebots“, sagt er.

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