Pfarrer Anton Seeberger, Hildegard Ebigbo, Kirchengemeinderat Ivar Emde und Esther Ebigbo zeigen die Geschichte des Therapiezentrums. Foto: Petra Mostbacher-Dix

In ihrem Gemeindesaal haben die Mitglieder der Stuttgarter Kirche St. Konrad einen Afrikaabend zugunsten des Therapeutic Day Care Center in der nigerianischen Stadt Enugu veranstaltet.

S-Mitte - Der Anfang ist oft überschaubar. So war das auch bei Hildegard Ebigbo, nachdem sie mit ihrem Mann Peter – sie trafen sich beim Studium in Würzburg – und dem ersten von zwei Kindern im Jahr 1977 in dessen Heimat Nigeria zog, genauer in die Stadt Enugu. „Etwa sechs körperlich- und/oder geistig beeinträchtigte Kinder aus der Umgebung“ seien es zunächst gewesen, die sie da in der Familiengarage voller Energie zu unterrichten begann, so die Heilpflegerin.

Der Andrang wuchs rasant, längst ist daraus das Therapeutic Day Care Center (TDCC) geworden, das Kindergarten, Grund- und weiterführende Schule sowie Werkstätten für geistig und körperlich behinderte Kinder bietet. Und es schafft Arbeitsplätze Köchinnen, Krankenschwestern, Fahrer, Sicherheitsbeamte, Verwaltungsangestellte und freilich Lehrende. „1300 Kinder werden heute dort von 260 Lehrkräfte und Betreuer unterrichtet, nach ihren Fähigkeiten gefördert – mit Konzepten der Inklusion und Integration“, so Ebigbo im Gemeindesaal der katholischen Kirche St. Konrad.

Das TDCC braucht einen neuen Schulbus

Dort stellte sie ihr Projekt vor bei einem Afrikanischen Abend, den Pfarrer Anton Seeberger und der Kirchengemeinderat zu Gunsten des TDCC veranstalteten – mit afrikanischem Buffet und Live-Musik der Gruppe Igbo Cultural Dance, Stuttgart. Das TDCC braucht einen neuen Schulbus – und den will die Gemeinde finanzieren mit verschiedenen Veranstaltungen und Spenden.

Der Gemeindesaal war denn auch bis auf den letzten Platz gefüllt. „Der Bus kostet 15 000 Euro. Beim Afrikanischen Abend kamen rund 3270 Euro zusammen, nun haben wir etwa zwei Drittel zusammen“, so Pfarrer Seeberger. Und Ivar Emde vom Kirchengemeinderat ergänzt: „Wir suchen uns immer wieder Projekte, die wir über ein oder mehrere Jahre unterstützen, unter anderem mit solchen Benefizabenden.“ Die Arbeit des TDCC hätten sie über eine Bekannte kennengelernt. Eine Einrichtung, die staatlich, also von der nigerianischen Regierung anerkannt ist, aber von diesen dennoch keine Gelder erhalte. Finanziert werde sie über Schulgelder und Spenden, so Ebigbo.

Unterstützt wurden und werden sie etwa von der Deutschen Caritas, der Aktion Sternstunden des Bayerischen Fernsehen, dem Päpstlichen Missionswerk der Kinder (PMK) sowie privaten Spendern. Außerdem gibt es einen Förderkreis TDCC e.V.. „Nigeria hat über 190 Millionen Einwohner, ist drei Mal so groß wie Deutschland. Von weit her kommen mitunter die Eltern, um ihre Kinder zu uns zu bringen“, so Ebigbo. Die Unterstützung von außen sei darum wichtig, damit das Schulgeld für die Eltern erschwinglich bleibe, sonst könnten sich das manche nicht leisten.

Sie erinnert sich an die Aufklärungsarbeit, die sie am Anfang leisten musste. Kinder mit Behinderungen seien mitunter ausgesetzt worden. Eltern hätten nicht nur lernen müssen, solch ein Baby zu akzeptieren. „Sie haben auch erfahren, wie Inklusion funktioniert und dass jeder Fähigkeiten und Chancen hat.“

Im Nordosten Nigerias wütet der Terror

Bildung sei eben der Schlüssel für alles, so Ebigbo; und in Städten funktioniere das besser als auf dem Land. Traurig verweist sie auf den Nordosten Nigerias, wo die Terrororganisation „Boko Haram“ wütet. Aber in den vergangenen Jahrzehnten habe sie gelernt: „Nie aufgeben, das Beste geben – der Rest liegt in Gottes Hand.“

Wer das Therapeutic Day Care Center (TDCC) unterstützen möchte, wendet sich an das Katholische Pfarramt St. Konrad https://www.kath-kirche-stuttgart-mitte.de/gemeinden/st-konrad/ oder an http://www.foerderkreis-tdcc.de.

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