Die Ergebnisse der Stuttgarter Kinderbefragung 2025 liegen vor. Was wünschen sich die Kinder der 3. bis 6. Klassen und was würden sie selbst entscheiden?
Wären Schülerinnen und Schüler der 3. bis 6. Klassen Bürgermeister von Stuttgart, würden sie sich klar und engagiert für mehr Freizeitaktivitäten, Spielmöglichkeiten und Sportangebote einsetzten sowie für bessere Schulen und für benachteiligte Kinder. Das ergab die Stuttgarter Kinderbefragung 2025.
Im Rahmen des Zweiten Aktionsplans hat das Kinderbüro Stuttgart mit Unterstützung des Statistischen Amts 167 Schulen eingeladen, mit ihren Schülerinnen und Schülern der Klassen drei bis sechs an der Befragung teilzunehmen. 1760 Kinder von 43 Schulen haben sich beteiligt und ihre Wünsche, Sorgen, Lob und ihre Einschätzung zu ihrem Leben in Stuttgart genannt.
Dabei bezogen sich die Fragen der Autoren sowohl auf das Schulleben, allgemeines und seelisches Wohlbefinden sowie die Freizeitaktivitäten der Kinder. Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage wurden anschließend in vier Schulworkshops mit Schülerinnen und Schülern der jeweiligen Zielgruppe besprochen.
Mehr Fahrradwege und Mülleimer auf dem Wunschzettel
Bei der Erhebung zur allgemeinen Zufriedenheit ergab die Umfrage, dass die Kinder mit ihrer Wohnumgebung, mit viereinhalb von fünf möglichen Sternen ziemlich zufrieden sind. „Ich bin sehr glücklich über die hohe Zufriedenheit der Kinder mit ihrem Wohnumfeld, denn es zeigt, dass sie sich dort wohl und sicher fühlen“, sagt die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler über das Ergebnis. Denn die allgemeine Stimmung in der Gesellschaft sei gerade angespannt und man arbeite sich immer noch aus dem Corona-Tief heraus, einer Zeit, in der gerade Kinder und Jugendliche besonders belastet waren.
Auch die Freizeitangebote, Schulen und Büchereien schneiden bei den Kindern mit über vier Sternen gut ab. Dabei ergab die Umfrage auch, dass Grundschulkinder eine höhere Zufriedenheit zeigten als Kinder der weiterführenden Schulen.
Am wenigsten zufrieden sind die Kinder laut der Umfrage mit der Sauberkeit in der Stadt; sie stören sich am Müll auf öffentlichen Plätzen, Haltestellen und im Wald. Vielfach genannt wurden auch Zigaretten und Abgase, und offenbar haben Kinder den Wunsch nach mehr Mülleimern.
Diesen Punkt kann die Kinderbeauftragte absolut nachvollziehen. „Wenn man nach dem Wochenende unterwegs ist, sieht es auf öffentlichen Plätzen wirklich nicht schön aus“, bemerkt Haller-Kindler und verweist hier auch auf das Thema Sicherheit, dass die Kinder bei ihrer Bewertung auf den drittletzten Platz gewählt haben. Denn unordentliche und verschmutze Wege könnten ein Unsicherheitsempfinden auslösen. Und sie appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen, Vorbilder zu sein.
Freunde treffen ist spitze
Die Frage nach dem subjektiven Wohlbefinden stellte man mit der Frage: „Wie geht es dir meistens?“ Darauf antworteten 79 Prozent mit gut oder sehr gut und vier Prozent gaben an sich schlecht oder sehr schlecht zu fühlen. Als Hauptursache für das schlechte Wohlbefinden werden Schulstress und Mobbing sowie Cybermobbing vermutet. Wichtig bei der Differenzierung ist: Während 40 Prozent der Grundschüler Schulstress wahrnehmen, sind es bei den Schülerinnen und Schülern der Klassen fünf und sechs bereits 65 Prozent. Im Rahmen der anschließenden Schulworkshops nannten die teilnehmenden Kinder als Gründe für den besagten Schulstress den frühen Schulbeginn, zu viele Hausaufgaben, Leistungs- und Notendruck sowie volle und laute Klassen.
Zu den drei liebsten Freizeitaktivitäten gehören mit 67 Prozent Freunde treffen und Sport beziehungsweise Tanzen mit 34 Prozent. Auf dem dritten Platz landete die Freizeitbeschäftigung Bildschirmzeit mit 33 Prozent. Wobei hier eindeutig mehr Jungen vertreten sind als Mädchen. Lesen, Hörspiele und Hörbücher rangieren auf dem siebten Platz mit lediglich 17 Prozent während Theater- und Museumsbesuche von nur einem Prozent der Kinder genannt werden und auf dem letzten Platz landen.
Gemeinsam gegen Mobbing
Auch die Themen psychische und physische Gewalt spielen in der Umfrage eine Rolle. So gaben elf Prozent der Kinder an, fast jede Woche beleidigt und geärgert worden zu sein und 13 Prozent fast jeden Tag. 80 Prozent der Vorfälle fanden in der Schule statt. Während der Workshops kristallisierte sich heraus, dass die Kinder daran glauben, die Unterstützung und Teilnahme durch Erwachsene und eine Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins könnten gegen Mobbing helfen.
Was die Chancengleichheit angeht, glaubt mehr als die Hälfte (52 Prozent), dass nicht alle Kinder die gleichen Chancen haben. Allerdings glauben nur vier Prozent, dass sie selbst schlechtere Chancen haben als andere.
Doch auch mehr Fahrradwege und unbebaute Flächen stehen auf der Wunschliste der Befragten. Und generell wünscht sich fast die Hälfte der Kinder mehr Mitbestimmung in der Schule sowie bei den Themen Sicherheit und Sauberkeit. Wobei fast 80 Prozent der befragten Kinder bereits Erfahrungen auf dem Gebiet machen konnten, indem sie in der Wohnumgebung oder in der Schule mitbestimmen konnten.
Umfrage zeigt was Kindern wichtig ist
Die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler sieht die Umfrage als elementar wichtig an. Die Perspektive der Kinder zeige, wie sie die Stadt erleben und wo Schwachpunkte liegen, in die „wir unsere Power reinlegen“, so die Kinderbeauftragte. Und was wünscht sie sich, wenn sie zehn Jahre in die Zukunft schaut: „Dass wir bei den elementaren Bedürfnissen nach Sicherheit und Gerechtigkeit noch weiter vorankommen und möglichst kein Kind mehr sagen muss, ich werde in der Schule geschlagen oder gemobbt.“
Zum Hintergrund der Kinderbefragung: Im Jahr 2017 hat der Gemeinderat beschlossen, dass sich die Stadt Stuttgart um das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ bewirbt; ein Siegel, das vom Deutschen Kinderhilfswerk und Unicef verliehen wird. Zu diesem Zweck wurde bereits 2018 die erste stadtweite Kinderbefragung vorgenommen, deren Ergebnisse in den ersten Aktionsplan (2020 bis 2022) der Stadt einflossen. Im Jahr 2024 ist der zweite Aktionsplan gestartet, der bis 2026 andauern soll, und der insgesamt 33 Maßnahmen für ein kinder- und jugendfreundliches Stuttgart beinhaltet.