Der ehemalige Profi Lutz Siebrecht (li., sitzend) arbeitete als Sportlicher Leiter mit Trainer Tobias Flitsch erfolgreich beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 zusammen. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Kickers haben eine wichtige Personalentscheidungen getroffen: Lutz Siebrecht wird neuer Sportlicher Leiter. Seine erste Amtshandlung wird die Verpflichtung eines Trainers sein. Klarer Favorit bleibt Ramon Gehrmann.

Stuttgart - Es sind keine zehn Tage mehr bis zum Start der Vorbereitung, die neue Saison der Fußball-Oberliga beginnt am 3. August – da wird es Zeit, dass bei den Stuttgarter Kickers Klarheit herrscht, wer künftig das sportliche Sagen hat. Und seit Montag ist es nun zumindest eines amtlich: Lutz Siebrecht wird Nachfolger von Martin Braun als Sportlicher Leiter. „Wir freuen uns, dass wir mit Lutz Siebrecht einen Sportlichen Leiter verpflichten konnten, der unserem Anforderungsprofil entspricht und die für die anstehenden Aufgaben benötigten Eigenschaften mitbringt. Überzeugt haben uns nicht nur seine Vita, sondern auch seine Präsentation und das persönliche Gespräch“, sagte Rainer Lorz. Der Kickers-Präsident weiter: „Lutz Siebrecht kennt sich aus in der Region, ist fest verwurzelt, hat in Ulm hervorragende Arbeit geleistet und die Förderung des Nachwuchses liegt ihm besonders am Herzen.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Dinkelacker ergänzte: „Dies gibt uns jetzt nach dem so knapp verpassten Aufstieg den benötigten Schwung, den wir brauchen.“

Aus der Geislinger Talentschmiede

Der aus der Talentschmiede des SC Geislingen stammende ehemalige Profi des SV Waldhof Mannheim war von 2015 bis 2018 erfolgreich als Sportlicher Leiter beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 tätig. Siebrecht hörte an der Donau aus freien Stücken auf, gemeinsam übrigens mit Ex-Kickers-Trainer Tobias Flitsch, den er aus der Landesliga nach Ulm geholt hatte. Seit seinem Abschied von den Spatzen ist Siebrecht ohne Job im Fußball. Zuletzt verhandelte er auch mit dem in die Regionalliga abgestiegenen VfR Aalen über ein Engagement.

Eigene Firma auf dem Großmarkt

Der 51-Jährige ist mit einer eigenen Firma (15 Angestellte) auf dem Stuttgarter Großmarkt tätig und beliefert zahlreiche Läden mit Obst und Gemüse. Die Tätigkeit bei den Kickers ließe sich für den in Bad Überkingen wohnhaften Siebrecht (dort ist sein Kumpel Markus Gisdol Nachbar) schon aus geografischen Gründen viel besser mit seinem Hauptberuf verbinden, als das beim SSV Ulm 1846 der Fall war. Siebrecht gilt als sehr akribisch, als emotionaler Typ, der begeistern kann und nie locker lässt.

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Landeka und Vollmer bringen sich ein

Ein weiterer Baustein der Neuausrichtung ist, dass die Gremien des Vereins in ihrer sportlichen Kompetenz zudem künftig auf breitere Basis gestellt sind. Der bisheriger Spieler Josip Landeka wird den Blauen erhalten bleiben und sein Wissen und sein Netzwerk einbringen. Auch Kickers-Urgestein Ralf Vollmer (56), der zwischen 1983 und 1994 insgesamt 337 Spiele für die Degerlocher bestritten hat, hat seine Bereitschaft erklärt, die Kickers in beratender Funktion aktiv zu unterstützen.

Gehrmann klarer Favorit

In der Trainerfrage bleibt Ramon Gehrmann (bisher SGV Freiberg) neben NLZ-Chef Marijan Kovacevic der klare Favorit. Gespräche gab es mit beiden, doch das abschließende Wort hat der neue Sportliche Leiter. Die Philosophie von Gehrmann wird Siebrecht bekannt sein: Er bevorzugt eine aktive, offensive Spielweise mit einer konstruktiven, sauberen Spieleröffnung. Er fordert von seinen Mannschaften, spielerische Lösungen zu finden. In den WFV-Pokal-Spielen gegen höherklassige Gegner verstand es der SGV Freiberg jedoch (etwa gegen Siebrechts Ex-Club SSV Ulm 1846) auch öfters tief stehend Paroli zu bieten.

Siebrecht sieht großes Potenzial

Unabhängig von der Trainerentscheidung geht Siebrecht seine neue Aufgabe optimistisch an: „Bei den Kickers sehe ich großes Potenzial. Sie sind ein Verein mit viel Tradition und guter Jugendarbeit – und das ist immer eine sehr gute Basis, die es zu nutzen gilt.“ Er sei der Überzeugung: „Wenn wir im Verein zusammenhalten, eine Einheit bilden, fleißig arbeiten – dann sollte es möglich sein, dass wir den Menschen im Umfeld des Vereins wieder den Stolz auf den Club zurückgeben.“

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