Glaubte nicht mehr an eine Zukunft bei den Stuttgarter Kickers: Mittelfeldspieler Tim Wöhrle. Foto: Baumann

Der 6:2-Pokalerfolg der Stuttgarter Kickers beim Vorjahresfinalisten TSV Essingen zeigt, dass auch auf die Spieler aus der zweiten Reihe Verlass ist. Tim Wöhrle wird den Konkurrenzkampf dagegen nicht weiter schüren. Der Mittelfeldspieler sucht einen neuen Verein.

Essingen/Stuttgart - Es läuft rund bei den Stuttgarter Kickers: Die Antwort auf die schlechte Chancenverwertung beim 0:0 in der Fußball-Oberliga gegen den Freiburger FC war ein souveränes 6:2 (4:0) im WFV-Pokal beim Verbandsliga-Spitzenteam und Vorjahresfinalisten TSV Essingen. Sieben Wechsel hatte Kickers-Trainer Ramon Gehrmann in der Anfangsformation vorgenommen. Und die Spieler aus der zweiten Reihe nutzten ihre Chance, so schnürten zum Beispiel die Stürmer Shkemb Miftari und Leander Vochatzer jeweils einen Tore-Doppelpack. „Das war eine sehr starke, reife Leistung. Die Mannschaft spielte konzentriert und aggressiv und war sehr laufstark, der Sieg geht auch in dieser Höhe völlig in Ordnung“, lobte der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht.

Wöhrles Geduld schnell zu Ende

Für Irritationen sorgte nur die Personalie Tim Wöhrle. Während das Pokalspiel in Essingen lief, veröffentlichten die Kickers die Nachricht, dass der Mittelfeldspieler in beiderseitigem Einvernehmen vom Trainingsbetrieb freigestellt wurde. Zuvor hatte der 20-Jährige um Auflösung seines Vertrages gebeten. „Unterschiedliche Auffassungen von der sportlichen Ausrichtung der Mannschaft“, lautet die offizielle Begründung. Im Klartext: Der Spieler fühlte sich unzureichend gewürdigt und eingesetzt. Im ersten Punktspiel, beim 3:0-Sieg in Ravensburg, wurde er in der 78. Minute beim Stand von 1:0 eingewechselt und war auch am Tor zum 2:0 beteiligt. Im darauffolgenden Heimspiel gegen den Freiburger FC gehörte er nicht zu den vier eingewechselten Spielern. Das gab dem Neuzugang von der TSG 1899 Hoffenheim II offenbar den Rest.

Lesen Sie hier: Liebesgeständnis an die Kickers vor laufender Kamera

Nachdem es zuvor schon Gespräche mit Trainer und Sportlicher Leitung über seine Rolle gegeben hatte, war seine Geduld nun zu Ende. „Wir haben intensiv mit ihm gesprochen und ihm ausgiebig seine Perspektiven aufgezeigt. Wir sind von Tims fußballerischen Qualitäten überzeugt und hätten ihm die Zeit gegeben“, sagte Siebrecht. Doch offenbar fehlte dem gebürtigen Stuttgarter das Vertrauen in Trainer Ramon Gehrmann.

1860 München war ein Thema

Wöhrle war vor der Saison auch bei Drittligist TSV 1860 München ein Thema. Der Wechsel zu Löwen zerschlug sich jedoch. Sein Berater Herbert Briem empfahl ihm daraufhin, die Herausforderung bei den Kickers anzunehmen. Beide gingen von einem Stammplatz aus. Es kam anders. „Ich habe bei meiner ersten Rede vor der Mannschaft gesagt, dass jeder einzelne Spieler seine eigenen Interessen hinten anzustellen hat“, erklärt Siebrecht.

Wöhrle hat nun die Chance, bis zum 2. September einen neuen Verein zu finden. Die dafür nötige Vertragsauflösung bei den Blauen dürfte nur Formsache sein. Ansonsten könnte der Mittelfeldmann erst in der Winterpause einen neuen Anlauf für einen Wechsel nehmen.

Türkspor Neu-Ulm mit Alper Bagceci

Für die Kickers geht es im WFV-Pokal in der zweiten Runde am 20. August (Anpfiff voraussichtlich 17.30 Uhr) bei Türkspor Neu-Ulm weiter. Der Landesligist wird von Ex-Profi Ünal Demirkiran trainiert, bekanntester Spieler ist Mittelfeldmann Alper Bagceci (früher 1. FC Heidenheim und SSV Ulm 1846).

In der Oberliga steht bereits an diesem Samstag (14 Uhr) die Partie beim FSV 08 Bissingen auf dem Programm. Im Stadion am Bruchwald werden 1500 Zuschauer erwartet. Beim letzten Duell am 30. Mai waren 4863 Zuschauer nach Großaspach gekommen. Damals gewannen die Kickers mit 4:3 und sicherten sich die Teilnahme an den Aufstiegsspielen.

Kickers-Aufstellung in Essingen

Bromma – Ludmann, Feisthammel, Niedermann, Klauß (46. Freitas) – Weiss, Braun (60. Blank), Obernosterer – Moos (46. Kilic), Vochatzer (74. Tunjic), Miftari.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: