Kickers-Innenverteidiger Manuel Bihr (li.) gegen Cottbus’ Fabio Kaufmann: Die Blauen spielen zum dritten Mal in Serie zu Null Foto: Baumann

Die Gegner rühren Beton an und Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers fällt wenig ein. Die Kreativität von Dribbelkönig Besar Halimi wird auch beim 0:0 gegen Cottbus vermisst. Die Blauen müssen zielstrebiger nach vorne spielen, mehr Durchschlagskraft entwickeln und dynamischer auftreten. Und ganz wichtig: Sie brauchen einen hundertprozentig fitten Zentrumsstürmer wie Elia Soriano.

Stuttgart - Michael Zeyer hielt es nicht mehr auf seinem Sitz auf der Tribüne. Wie ein Tiger im Käfig ging er in der Endphase des Spiels vor dem Business-Bereich auf und ab. Als das 0:0 gegen den FC Energie Cottbus perfekt war, wischte er sich enttäuscht den Schweiß von der Stirn: „Es ist doch unerträglich, gegen solch einen defensiv-destruktiven Gegner nicht zu gewinnen.“

Klar, mauerte sich die Energie-Elf von Beginn an mit zwei Viererketten vor dem eigenen Strafraum ein. Doch erstens ist das legitim und zweitens trifft eine solche Spielweise die Kickers nicht unvorbereitet. Spätestens seit Beginn der vergangenen Rückrunde tut kein Gegner den Blauen mehr den Gefallen, mitzuspielen. Ein Führungstreffer hätte die Sachlage grundlegend verändert, doch Sandrino Braun (39.) und Lhadji Badiane (53.) vergaben die größten der wenigen Kickers-Chancen. Danach gingen den Blauen am Ende der zweiten englischen Woche hintereinander im Brutofen Gazistadion auch die Kräfte aus. „Wir haben versucht, permanent Druck zu machen, aber bei diesen Temperaturen ist es eben einfacher zu verteidigen“, stellte Trainer Horst Steffen fest.

Dennoch ist klar: Wollen die Blauen im Kampf um den Aufstieg ein ernsthaftes Wörtchen mitreden, brauchen sie einen hundertprozentig fitten Zentrumsstürmer wie Elia Soriano. Außerdem müssen sie zielstrebiger nach vorne spielen, mehr Durchschlagskraft entwickeln, dynamischer auftreten. Statt schnell und mutig in die Tiefe zu spielen, gab es zuletzt oft ein ideenloses Ballgeschiebe ohne Tempowechsel und Doppelpässe. „Die Stürmer sind gedeckt, aus dem Mittelfeld muss mehr Torgefahr, Druck und Kreativität kommen“, fordert Zeyer. Kreativität, von der er selbst früher als Spieler lebte – nicht von ungefähr hatte Zeyer wegen seiner überragenden Technik den Spitznamen Zico. Kreativität, die in der vergangenen Saison Besar Halimi (zum FSV Frankfurt) ins Kickers-Spiel einbrachte. Der Mann für die Überraschungseffekte im Spiel zog dank seiner überragenden Eins-gegen-Eins-Qualitäten zwei, drei Gegenspieler auf sich und lockerte damit den Abwehrverbund des Gegners. Bentley Baxter Bahn, der aktuell auf Halimis Position spielt, ist ein anderer Spielertyp. Er ist der Gegenentwurf zu einem spektakulären Dribbler.

Alternativen gibt es. Doch Gratas Sirgedas ist immer noch nicht körperlich auf der Höhe. Der Neuzugang vom VfB II stand gegen Cottbus genauso wenig im Kader wie Andreas Ivan. Der vom BVB II II gekommene Edisson Jordanov feierte dagegen nach ausgeheiltem Außenbandriss sein Drittligadebüt für die Blauen und deutete sein Potenzial an. Nicht überzeugen konnte Tobias Pachonik. Der Neuzugang vom 1. FC Nürnberg II vertrat den gelb-rot-gesperrten Fabio Leutenecker auf der Position des rechten Verteidigers. Zeyer fordert Geduld mit den Neuen: „Sie brauchen Zeit, sich zu entwickeln.“

Wenig angetan war der Sportdirektor von der Zuschauerzahl 3840. „Wir müssen begeisternd spielen, viel bieten und möglichst unter den ersten Drei stehen. Dann kommen die Leute“, sagt Zeyer. Die nächste Chance weiter nach oben zu klettern, bietet sich an diesem Samstag (14 Uhr) bei Holstein Kiel. Der Vorjahresdritte hatte übrigens Interesse, Hendrik Starostzik mit sofortiger Wirkung als Ersatz für Hauke Wahl (zum SC Paderborn) zu verpflichten. Doch die Blauen lassen ihn nicht gehen. Obwohl das Innenverteidiger-Duo Marc Stein/Manuel Bihr zum drittenmal hintereinaner zu Null spielte. Zeyer: „Wir brauchen Hendrik als Alternative.“

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