Kickers-Offensivmann Christian Mauersberger (re.) gegen Mattis Hoppe – auch im Titelrennen geht es zwischen Blau und Rot eng her. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Es ist ein Aufstiegskrimi, der am letzten Regionalliga-Spieltag zwischen zwei Stuttgarter Teams entschieden wird. Retten die Kickers im Kampf um den Sprung in die dritte Liga ihren Vorsprung ins Ziel, oder zieht der VfB II noch vorbei?

Spitzenreiter Stuttgarter Kickers kann im letzten Saisonspiel in der Fußball-Regionalliga beim FC 08 Homburg den Drittliga-Aufstieg aus eigener Kraft schaffen. Der Tabellenzweite VfB Stuttgart II spielt in Reutlingen gegen die TSG Hoffenheim II (beide Spiele Samstag, 14 Uhr) und muss auf einen Patzer der Blauen hoffen.

 

Ausgangslage Gewinnen die Kickers (63 Punkte, plus 29 Tore), machen sie die Meisterschaft und den damit verbundenen Durchmarsch in die dritte Liga definitiv perfekt. Spielen sie unentschieden oder verlieren sie, kann der VfB Stuttgart II (62 Punkte, plus 26 Tore) mit einem Sieg gegen den Tabellendritten TSG Hoffenheim II (59 Punkte, plus 37 Tore) an den Blauen vorbeiziehen. Spielt der VfB II unentschieden, können sich die Kickers eine Niederlage mit bis zu zwei Toren Unterschied erlauben. Bei einem 0:3 wäre die U 21 der Weiß-Roten bei gleicher Tordifferenz wegen der mehr geschossenen Tore vorne. Verliert der VfB II, können sich die Kickers auch eine Niederlage in Homburg leisten. Der Regionalliga-Meisterpokal wird in Homburg stehen, in Reutlingen liegen Medaillen bereit, packt’s der VfB auf den letzten Drücker, gibt es den Meisterpokal nachträglich.

Vorbereitung Die Kickers reisen nach dem Abschlusstraining am Freitag, 13 Uhr, mit dem Bus nach Homburg und übernachten dort. „Bei uns herrscht eine Riesenvorfreude. Es besteht eine gesunde Mischung aus Anspannung und Lockerheit“, sagt Trainer Mustafa Ünal. Bei der U 21 des VfB läuft alles wie immer, außer dass ihr Heimspiel nicht in Stuttgart über die Bühne gehen kann, da die Plätze für die bevorstehende EM präpariert werden. „Natürlich hätten wir lieber bei uns gespielt, aber wir wissen davon schon seit Monaten. Wir können es nicht beeinflussen, daher spielt es für uns keine Rolle“, sagt VfB-Coach Markus Fiedler, der wie Ünal die Vorfreude auf das Finale betont: „Wir fiebern dem Spiel entgegen und fühlen uns in der Rolle des Jägers sehr wohl.“

Rückt Leon Maier ins Team?

Personal Die Blauen werden mit großer Wahrscheinlichkeit weiter nicht Innenverteidiger Niklas Kolbe (Oberschenkelverletzung) einsetzen können. Luigi Campagna hat in seinem letzten Spiel für die Kickers gegen den SGV Freiberg seine zehnte Gelbe Karte gesehen und ist gesperrt. Da Trainer Ünal die Grundordnung kaum ändern dürfte, hat Leon Maier gute Chancen, ins Team zu rücken. Alternative ist Melvin Ramusovic. Bei einer offensiveren Ausrichtung würden Kapitän Kevin Dicklhuber oder Flamur Berisha in die Anfangsformation rücken. Der VfB hat alle Mann an Bord, Änderungen sind nicht zu erwarten.

Kontrahenten Den Gegnern der beiden Stuttgarter Teams ist gemeinsam, dass es für sie eigentlich um nichts mehr geht. Zwei Unterschiede gibt es jedoch: Für den FC 08 Homburg steht mit dem Saarland-Pokalfinale am 25. Mai (11.45 Uhr) gegen Drittligist 1. FC Saarbrücken und dem damit verbundenen Kampf ums DFB-Pokal-Ticket das wichtigere Spiel erst eine Woche später auf dem Programm. Hoffenheim und den VfB verbindet, gerade was die Nachwuchsleistungszentren betrifft, eine gewisse Rivalität beim Buhlen um die Toptalente. „Die TSG wird ein Interesse haben, uns in die Suppe zu spucken und den Spielverderber zu spielen“, vermutet daher VfB-Coach Fiedler.

Sportsmann Danny Schwarz

Und die Homburger? Von ihnen erwartet Fiedler „wenig Taktieren mit Blick auf ihr Pokalfinale und sportliches Fair Play“ – was für seinen Trainerkollegen selbstverständlich ist: „Wir sind Sportler und wollen uns anständig aus der Regionalligasaison verabschieden, unsere unterirdische Heimbilanz aufbessern und mit einem guten Gefühl in unser Pokalfinale gehen“, sagt FCH-Coach Danny Schwarz, der gebürtige Göppinger, der als Profi unter Trainer Joachim Löw mit dem VfB 1997 den DFB-Pokal gewann.

„Endspiel“-Historie „Kickers ist Drama“ oder „Psychofolter der blauen Art“. Solche Sätze machten schon öfter die Runde, wenn es beim Traditionsclub aus Degerloch um die alles entscheidenden Spiele um den Aufstieg oder gegen den Abstieg ging. 2019 in Alzenau und 2022 in Trier (beide 1:1) hätten jeweils Siege zum Sprung in die Regionalliga gereicht. „Wir haben daraus gelernt und werden kühlen Kopf bewahren“, ist sich Sportdirektor Marc Stein sicher und liefert die Begründung mit: „Zuletzt war die Drucksituation gegen den SGV Freiberg, nach dem Misserfolgen zuvor, sogar größer. Dennoch haben wir unter dieser enormen Drucksituation geliefert. Jetzt können wir eine herausragende Saison krönen.“

Zukunft Für beide Teams geht es mehr oder weniger direkt nach dem letzten Saisonspiel in den Urlaub. Die Kickers starten ihren Mannschaftsausflug nach Mallorca am Pfingstmontag. Saisonstart in der dritten Liga ist vom 2. bis 4. August, die Regionalliga beginnt eine Woche früher (26. bis 28. Juli). Trainingsstart ist jeweils rund sechs Wochen davor.