Peter Sprung hat gut lachen: Bei den Kickers will er durchstarten Foto: Baumann

Neuzugang Peter Sprung soll die Stuttgarter Kickers in die 3. Liga schießen. Los geht’s beim FC Bayern Alzenau.

Stuttgart - Es ist nicht leicht in diesen Tagen, Peter Sprung zu erreichen. Die Mail-Box seines Mobiltelefons quillt über. Das liegt vor allem an den alten Mannschaftskollegen vom Fußball-Regionalligisten FC Bayern Alzenau: Die wollen vor dem Duell an diesem Samstag (14 Uhr) mit ihrem ehemaligen Mitspieler wissen, wie es ihm denn in der neuen Heimat so ergeht. Und wenn nicht alles täuscht, wird er ihnen das Gleiche sagen, was er jetzt im Besprechungsraum auf der Geschäftsstelle seines neuen Clubs Stuttgarter Kickers von sich gibt: „Ich bin klasse aufgenommen worden, finde hier Top-Bedingungen vor und freue mich riesig auf diese Begegnung.“

Das klingt ein bisschen wie „wir schauen nur aufs nächste Spiel“. Doch Peter Sprung ist nicht der Typ für oberflächliche Floskeln. Er ist auch kein Dampfplauderer. Er steht vielmehr mit beiden Beinen im Leben. Er ist geradeheraus, sagt, was er denkt, er wirkt authentisch. Schließlich hat er schon einiges erlebt. Nicht nur im Fußball. In Alzenau hatte er vor dem Trainingsbeginn um 18.30 Uhr schon einen Acht-Stunden-Tag als Lagerist hinter sich. Jetzt genießt er das Leben als Vollprofi. „Das ist natürlich viel schöner“, sagt er offen und ehrlich und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Manchmal weiß ich gar nicht, was ich mit der vielen Zeit anfangen soll.“

Sprungs Bruder schickt Email an Buchwald

Im Alter von acht Jahren ist er mit seiner Familie aus Polen nach Deutschland gekommen. Im Jahr 2002 holte ihn Eintracht Frankfurt für seine Regionalligamannschaft. Er machte 26 Saisonspiele, traf aber nur einmal. „Ich habe zu früh resigniert“, sagt Sprung zu seinem Karriereknick. Im Alter von 24 wird er Spielertrainer beim Kreisligisten SV Aschaffenburg-Damm. Fünfmal hintereinander steigt er mit dem Club auf. Doch Sprung selbst schafft den Sprung nach ganz oben nicht. Über die Stationen Alemannia Haibach und Viktoria Kahl landet er im Januar 2010 beim FC Bayern Alzenau. In zweieinhalb Jahren erzielt er in 61 Spielen 33 Tore, neun davon in der laufenden Runde. Sein Torriecher machte die Kickers hellhörig. Die erste Kontaktaufnahme mit dem Verein scheiterte zunächst an der zu hohen Ablösesumme. Doch Sprungs Bruder Marijan ließ partout nicht locker. Er nahm die Sache selbst in die Hand und schickte eine E-Mail an Kickers-Präsidiumsmitglied Guido Buchwald. Nach zwei Einheiten im Probetraining und einem weiteren Gespräch mit Alzenau war der Wechsel perfekt.

Obwohl der Vertrag zunächst nur bis zum Saisonende läuft – Sprung kann sein spätes Glück kaum fassen. „Wenn man das Angebot von so einem Traditionsverein bekommt, zögert man nicht“, sagt er voller Vorfreude. Er will die Blauen in die dritte Liga schießen. Was ihn auszeichnet, sind sein Kampfgeist, seine Laufbereitschaft, seine Kopfballstärke. „Und sein Wille, mit aller Macht Tore erzielen zu wollen“, betont Trainer Dirk Schuster. Deshalb hat sich der Coach für die Partie in Alzenau auch festgelegt. Sprung wird von Beginn an neben Marco Grüttner stürmen. „Die beiden harmonieren gut“, sagt Schuster. Seine alten Alzenauer Kollegen werden es hautnah verfolgen.

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