Daniel Kalajdzic hofft bald auf einen Einsatz von Beginn an. Foto: Baumann/Volker Müller

Daniel Kalajdzic hat lange auf sein erstes Tor für Regionalligist Stuttgarter Kickers warten müssen. Im Interview spricht er über seine bisherige Rolle als Ergänzungsspieler, sein Verhältnis zu seinem Bruder Sasa – und er zieht Vergleiche zum Niveau in Österreich.

Daniel Kalajdzic hat mit seinem Joker-Tor in der Nachspielzeit den Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga ein 1:1 beim Bahlinger SC gerettet. Bekommt der Stürmer im Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den FSV Frankfurt nun eine Chance von Beginn an? Der 22-Jährige schätzt die Lage ein.

 

Herr Kalajdzic, hält die Erleichterung über Ihr erstes Tor für die Stuttgarter Kickers noch an?

Dieses Tor war tatsächlich eine große Erleichterung. Und zwar für jeden in unserer Mannschaft, weil wir dadurch in diesem brutal schweren Auswärtsspiel beim Bahlinger SC in der Nachspielzeit noch einen Punkt regelrecht erzwungen haben und uns für unseren hohen Aufwand belohnt haben.

Aber Sie persönlich waren doch bestimmt besonders froh.

Jeder Stürmer will Tore schießen. Wenn es dann noch ein gefühlter Siegtreffer ist, den man vor der Kurve mit den eigenen Fans bejubeln kann, dann freut einen das natürlich ganz besonders. Dann kochen Emotionen hoch, dann ist das ein geiles Gefühl. Mir ist da schon ein Stein vom Herzen gefallen. Dann klar, als Stürmer wird man schon an den Toren gemessen.

Nach sieben Kurzeinsätzen mit maximal 25 Minuten Spielzeit durften Sie erstmals zumindest 45 Minuten lang ran. Wie schwierig ist es für Sie, geduldig auf Ihre Chance zu warten?

Diese Ergänzungsrolle ist nicht ganz einfach für mich, aber ich weiß, dass es im Sport ganz schnell gehen kann. Unsere Offensivkräfte haben es ja auch gut gemacht, die Ergebnisse stimmten, da gab es für den Trainer nicht allzu viele Gründe etwas zu ändern. Das kann ich absolut nachvollziehen, deshalb blieb und bleibe ich geduldig, auch wenn ich ein schlechter Fußballer wäre, wenn ich nicht von Beginn an spielen wollte.

„Niveau in Österreich wird klein geredet“

Vielleicht schon am Samstag gegen den FSV Frankfurt?

Schwer zu sagen, ich werde mich im Training weiter voll reinknien und würde mich jedenfalls sehr freuen, vor heimischem Publikum einlaufen zu dürfen.

Sie spielten beim Grazer AK in der zweiten österreichischen Liga. Wie beurteilen Sie im Vergleich das Niveau in der Regionalliga Südwest?

Ich habe das Gefühl, in Deutschland wird das Niveau in Österreich bisweilen etwas kleingeredet, auch wenn es natürlich keine Spiele vor 62 000 Zuschauern wie bei Schalke gegen Hertha gibt. Es wird schon richtig gut gekickt. Das Niveau in der deutschen Regionalliga ist unterschiedlich, weil die Vereine nicht alle das gleiche professionelle Level haben. Die Regionalliga-Spitzenvereine könnten in der österreichischen zweiten Liga, denke ich, schon mithalten, genauso wie sie das in der deutschen dritten Liga könnten.

Sind die Kickers schon ein Spitzenteam?

Da tue ich mich schwer, irgendetwas nach außen zu geben. Was ich sagen kann ist, dass wir als Aufsteiger eine hohe Qualität in unserem Kader haben, breit aufgestellt sind und diese Konkurrenz sich belebend auswirkt. Auch die Bedingungen sind top und in allen Bereichen überdurchschnittlich für Viertligaverhältnisse.

Wie eng ist Ihr Kontakt zu Ihrem Bruder Sasa?

Sehr eng, er hat mir natürlich auch sofort zu meinem Tor gratuliert. Wenn man einen großen Bruder hat, der in der besten Liga der Welt spielt, ist man schon stolz darauf, dann saugt man auch gerne Ratschläge von ihm auf.

Er spielte von 2019 bis 2022 beim VfB Stuttgart. Hat er sich schon für einen Besuch zum Stuttgarter Derby VfB II gegen Kickers am 21. Oktober angekündigt?

Das ist eher unwahrscheinlich, weil er mit Wolverhampton Wanderers täglich trainiert und an dem Tag auch ein Premier-League-Spiel hat. Aber er wird es bestimmt verfolgen, dieses Stadtderby ist für jeden eine brisante Angelegenheit. Da steckt nicht nur wegen der aktuellen Tabellenkonstellation viel Brisanz drin, da geht es auch ums Prestige.

Zur Person

Karriere
Daniel Kalajdzic kam am 24. November in Wien zur Welt. Er begann seine Karriere beim SR Donaufeld Wien. Weitere Stationen waren zunächst First Vienna FC, SV Donau Wien und SV Stripfing. Zur Saison 2019/20 wechselte der Stürmer zu den drittklassigen Amateuren des FC Admira Wacker Mödling. 2021/22 folgte der Transfer zum Zweitligisten Grazer AK. Im Sommer 2023 holten ihn die Stuttgarter Kickers.

Persönliches
Daniel Kalajdzic ist liiert. Seine Hobbys sind Basketball und Tennis. Sein älterer Bruder, der Ex-VfB-Profi Sasa Kalajdzic, spielt für die Wolverhampton Wanderers in der englischen Premier League. Die Brüder haben eine elfjährige Schwester. Die Familie stammt aus Bosnien und Herzegowina und lebt in Wien. (jüf)