Jubelt wie Paris-Star Kylian Mbappé: Kickers-Stürmer Shkemb Miftari. Foto: Markus Schwarz

Mario Basler war sein Förderer, Tayfun Korkut einer seiner vielen Trainer. Jetzt will Shkemb Miftari bei Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers durchstarten – nach einer bewegten Vergangenheit.

Stuttgart - Shkemb Miftari ist ein lockerer Typ, ein Strahlemann und immer gut gelaunt. Nach dem 3:0 (1:0) von Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers über den 1. CfR Pforzheim hat er im Kabinengang fast jeden, der ihm begegnete, mit seiner herzlichen und offenen Art umarmt. „Die Kickers feierten doch ihren 119. Geburtstag, da musste ich mich doch ins Zeug legen“, sagte der 25-Jährige Neuzugang mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Mit seinem Tore-Doppelpack in der 84. und 90. Minute hatte der eingewechselte Stürmer den vierten Kickers-Sieg in Serie perfekt gemacht. Und seine Volltreffer mit einer Jubelpose à la Kylian Mbappé, dem Star von Paris Saint-Germain, gefeiert: „Das habe ich mir von ihm abgeschaut“, bestätigte Miftari. Ob ihm zwei Tore innerhalb so kurzer Zeit schon einmal gelungen sind? Miftari muss kurz überlegen – dann erinnert er sich: Im Dress von Verbandsligist Calcio Leinfelden-Echterdingen ist ihm sogar einmal ein Hattrick innerhalb von sieben Minuten gelungen. Beim 6:3 (nach 0:3-Rückstand) vor knapp einem Jahr gegen die TSG Tübingen.

Förderer Mario Basler

Er ist schon viel herumgekommen in seinem Fußballerleben. Geboren im bayrischen Freyung ist der Sohn von Einwanderern aus dem Kosovo in der Jugend von Wacker Burghausen groß geworden. In diesem Verein hießen die Trainer der ersten Mannschaft damals Mario Basler und Georgi Donkov. „Sie waren meine größten Förderer“, sagt Miftari. Mit 16, 17 Jahren durfte er schon in der Drittligamannschaft mittrainieren. Dennoch wechselte er im zweiten A-Jugend-Jahr zum VfB Stuttgart. Die Eltern zogen mit ihm um – und wohnen bis heute in Bad Cannstatt. In der U19 der Weiß-Roten trainierte er unter dem heutigen VfB-Bundesligacoach Tayfun Korkut. Lange blieb Miftari nicht auf dem Wasen. Sein damaliger Berater Maurizio Gaudino lotste ihn zu einem ihm vertrauten Trainer: Zu Lorenz-Günter Köstner (66). „Unter ihm ging ich beim VfL Wolfsburg durch die Hölle. Im positiven Sinn. Er wollte mich formen. Von ihm habe ich extrem viel gelernt.“ Doch wieder war Miftari zu ungeduldig.

Unter Morales und Steffen bei den Kickers

Er wechselte zurück nach Stuttgart – zu den Kickers. Er erlebte den Trainerwechsel von Massimo Morales zu Horst Steffen und hatte durchaus seine Spielanteile. „Doch wir waren sechs, sieben gute Stürmer. Soriano, Müller, Calamita, Badiane, Edwini-Bonsu, Engelbrecht und so weiter“, erinnert sich der Angreifer. In der Winterpause der Saison 2014/15 zog er weiter zum SV Waldhof Mannheim. Er spielte unter Trainer Kenan Kocak (jetzt beim Zweitligisten SV Sandhausen) und begann nebenbei eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. „Mit 22 Jahren wollte ich einen Plan B in der Tasche haben, falls es mit dem Fußball nicht ganz nach oben reicht.“ Es folgten Stationen beim SSV Reutlingen und Calcio Leinfelden-Echterdingen, ehe sein neuer Berater Kevin Kuranyi ihm noch mal eine Perspektive aufzeigte. „Kevin war schon in meinem Freundeskreis, wir haben auch immer zusammen im Soccer Olymp in Fellbach Hallenfußball gespielt. Er war von meinen Fähigkeiten überzeugt.“ Also vermittelte ihn der frühere Nationalspieler zu seinem Ex-Verein FC Schalke 04. Miftari brach seine Ausbildung ab, spielte von der vergangenen Winterpause an für die U23 der Knappen. Da der 1,87-m-Mann im Sommer nicht mehr unter die U-23-Regelung fiel und Schalke II zudem den Sprung in der Regionalliga verpasste, war auch das Kapitel Ruhrpott nach einem halben Jahr zu Ende.

Wechsel nach Spanien platzt

Kuranyi machte es möglich, dass er sich bei den Kickers fit halten konnte. Als der Wechsel zum FC Jumilla (in der Nähe von Murcia) in die spanische dritte Liga platzte, unterschrieb er zum zweiten Mal bei den Blauen. „Dort ist alles noch wie früher – bis auf die Liga“, sagt Miftari – und ergänzt. „Aber das wollen wir ja wieder ändern.“

Bleibt die Frage, warum ihm der große Durchbruch bisher nicht gelang. „Es lag nie am Talent, Qualität habe ich“, sagt er voller Selbstbewusstsein und räumt offen ein: „Der Kopf war das Problem. Ich wollte zu schnell zu viel. Vor allem in der Zeit in Wolfsburg hätte ich geduldiger sein müssen.“ Miftari hat also viel gelernt. Von diesen Erfahrungswerten sollen die Kickers jetzt profitieren. Und persönlich hat er den Traum vom höherklassigen Profifußball noch nicht ausgeträumt. „Im Fußball geht’s manchmal schnell. Und mit 25 hat man noch alle Chancen“, sagt der große Fan des FC Bayern München. Die Begründung, warum er den deutschen Rekordmeister als Lieblingsclub hat, liefert er in seiner locker-flockigen Art gleich mit: „Ich gewinne halt gerne.“

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