Leistete zu beiden Kickers-Toren in Kiel die Vorarbeit: Linksverteidiger Fabian Baumgärtel Foto: Baumann

In der vergangenen Saison hatte Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers auch auswärts meistens mehr Ballbesitz als die Heimmannschaft - und wurde nicht selten ausgekontert. Daraus hat Trainer Horst Steffen die Lehren gezogen. Das 2:1 in Kiel bedeutet den zweiten Auswärtssieg in Serie.

Kiel - Erst Kiel, dann Paris: Michael Zeyer gönnte sich nach dem Auswärtssieg an der Ostseeküste einen Drei-Tages-Trip in die Stadt der Liebe. „Mit drei Punkten lässt sich die Woche immer besser genießen“, sagte der Sportdirektor der Kickers. Und so gegensätzlich die beiden Reiseziele sind, so flexibel präsentiert sich die Mannschaft der Blauen in dieser Saison neuerdings auf ihren Auswärtsfahrten.

Wie schon beim 1:0-Erfolg bei Hansa Rostock begann die Elf von Trainer Steffen bewusst abwartend, stand tief, verzichtete weitgehend auf den ansonsten praktizierten Ballbesitzfußball und sparte damit auch ein paar wertvolle Körner. „Wir wollten den Gegner bewusst das Spiel machen lassen. Das ist auch weniger anstrengend, als ständig hoch zu verteidigen“, sagte der Coach. Später stellte er die Taktik um. Seine Spieler liefen den Gegner vorne aggressiver an. Den Kielern fiel wenig ein. Sie schlugen fast nur lange Bälle in die Hälfte der Kickers. „Uns gelingt es auswärts sehr gut, den Rhythmus zu wechseln. Deshalb sind wir in der Defensive stabiler. Die Balance stimmt“, stellte Zeyer zufrieden fest.

In der vergangenen Runde dominierten die Blauen auch auf fremden Plätzen oft permanent den Gegner und wurden mit Kontertoren bestraft. Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Die Kickers hatten in Kiel auch Glück. Nicht immer werden sie aus zwei Chancen zwei Tore machen und als Meister der Effizienz vom Platz gehen. Die Blauen müssen künftig auch auswärts mehr Möglichkeiten herausspielen, ihr Umschaltspiel verbessern und mehr Druck aus dem Mittelfeld entwickeln.

Diesmal ging es trotz des 0:1-Rückstands durch den Kopfballtreffer von Dominik Schmidt (23.) gut. Beide Mal erwies sich Fabian Baumgärtel als genialer Vorbereiter: Erst schickte er mit einem Pass aus der eigenen Hälfte Gerrit Müller auf die Reise, der den Fehler des ohne Not aus dem Tor geeilten Kieler Keepers Robin Zentner zum 1:1 nutzte (34.) – sein erstes Saisontor. Dann zirkelte Baumgärtel einen Eckball genau auf den Kopf von Erich Berko (47.), der damit bereits sein drittes Saisontor erzielte. „Ich habe Fabian zuletzt gesagt, dass ich mehr von ihm erwarte, ihn aktiver sehen will, das hat er klasse umgesetzt“, sagte Steffen, der auch seinen Torwart Rouven Sattelmaier lobte: „Bei den zwei Chancen der Kieler nach der Pause war er hellwach.“

Nun wollen die seit vier Spieltagen ungeschlagenen Kickers das Selbstvertrauen mit ins Heimspiel an diesem Freitag (19 Uhr) gegen Aufsteiger 1. FC Magdeburg nehmen. „Die Mannschaft weiß jetzt, dass sie sich vorne in der Tabelle etablieren kann“, ist sich Steffen sicher. Nach den beiden Nullnummern zuletzt zu Hause gegen den VfR Aalen und Energie Cottbus hofft er auf den zweiten Sieg im Gazistadion in dieser Saison und über 5000 Zuschauer. Mit neuer Heim-Taktik? Steffen: „Zu Hause werden wir ­immer die dominante Mannschaft sein.“

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