Der neue Sportchef der Kickers-Jugend: Alfred Kaminski Foto: Baumann

An diesem Donnerstag startet der neue Trainer Alfred Kaminski mit dem Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers II in die Vorbereitung auf die kommenden Saison. Kaminski, der auch als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) fungiert, ist ein Mann mit hohen Ansprüchen.

Stuttgart - Der neue Mann hat schon mal ein Zeichen gesetzt: Vor 14 Tagen holte ­Alfred Kaminski (51) die Oberligafußballer der Stuttgarter Kickers aus dem Urlaub zurück und setzte einen Laktattest an. „Danach konnte ich ihnen individuelle Trainingspläne als Hausaufgabe mitgeben“, sagt der Nachfolger von Jürgen Hartmann mit einem Schmunzeln. Kaminski ist heiß auf seine Doppelaufgabe: Er fungiert als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), und er trainiert die U 23. Mit der startet er an diesem Donnerstag (16.30 Uhr) in die Vorbereitung auf die neue Saison.

Kaminskis Vita ist außergewöhnlich. 20 Jahre lang arbeitete er bei der Zollfahndung in Hamburg. Der gebürtige Möllner befasste sich als Ermittlungsbeamter mit organisierter Kriminalität, am Ende seiner Tätigkeit dort arbeitete er auch auf der Pressestelle. Kaminski ist ein wissbegieriger Mensch, der offen ist für Neues und über den Tellerrand hinausschaut. „Mich interessieren psychologische Aspekte genauso wie die Vorgehensweise in anderen Sportarten“, sagt er.

Seine große Leidenschaft aber ist der Fußball. „Du musst den Fußball lieben, dann liebt er dich“, hat er einmal gesagt. 2003 machte er sein Hobby zum Beruf, 2005 erwarb er die DFB-Fußball-Lehrer-Lizenz. Seine Trainerkarriere hatte er schon 1997 als Trainer beim SV Eichede gestartet. 2006 holte ihn Michael Henke als Co-Trainer zum 1. FC Saarbrücken, später übernahm er selbst den Cheftrainerposten. 2008 ging’s als sportlicher Leiter zur SV Elversberg, 2010 zum FC Homburg – als sportlicher Leiter und Trainer in Personalunion. Die vielen Wechsel relativiert Kaminski: „Ich war sechs Jahre beim gleichen Unternehmen angestellt, das als Sponsor bei allen Clubs tätig war.“

Erfahrungen als Chefanalytiker und Scout sammelte er 2012/13 unter Trainer Ralph Hasenhüttl beim VfR Aalen. Seine letzte Station als Sportdirektor bei Kickers Offenbach war geprägt von dem Insolvenzverfahren und Streitereien zwischen dem Hauptverein und der OFC GmbH, vergangenen Mai wurde der bis 2017 laufende Vertrag aufgelöst. Der Weg nach Stuttgart war frei. Die Blauen hatten ihn auf ihrer Trainer-Scouting-Liste, Sportdirektor Michael Zeyer hatte zudem einen Tipp bekommen: „Ich freue mich, dass wir neue Impulse durch eine andere Sichtweise bekommen“, sagt Zeyer.

Kaminski gilt als umgänglicher, kommunikativer Typ. Er hat einen klaren Plan, legt großen Wert auf Disziplin. Seine Ansprüche an die Spieler sind hoch. „Meine Jungs müssen mehr machen als die Drittligaakteure, denn sie wollen ja erst dort hinkommen“, betont er. Die U 23 sei das Sprungbrett, ein Teil der Ausbildung, bei der es nicht viel zu verdienen gibt. Für Kaminski das Normalste der Welt: „Ein Bäcker- oder Friseur-Azubi hat auch nicht viel Geld zur Verfügung.“

Mit den Bedingungen bei den Kickers kann er gut leben. Guido Arnold nimmt ihm den administrativen Teil im NLZ ab, Kaminski kann sich auf den Sport konzentrieren. Wobei er auch seine Ideen in Sachen Infrastruktur einbringt: Ein Gerüst für Videoaufnahmen fehlt ihm etwa im ADM-Sportpark. Zunächst aber arbeitet Kaminski noch eifrig am Kader. Zwölf Spieler gingen, fünf rücken aus der U 19 hoch, Torwart Joso Kobas kommt vom kroatischen Club Slaven Belupo, weitere Zugänge folgen. Als Führungsspieler soll Umberto Tedesco nun doch bleiben. Den Laktattest muss er eben nachholen.

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