Besorgt: Julian Leist. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgarter-Kickers-Abwehrchef Julian Leist spricht im Interview über die angespannte Lage im Kampf gegen den Abstieg und seine Zukunft bei den Blauen.

Stuttgart - Drei Niederlagen hintereinander, 1:9 Tore – für Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat sich die Situation im Tabellenkeller in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. „Wir wissen, dass es um unsere Arbeitsplätze geht“, sagt Innenverteidiger Julian Leist vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen Kickers Offenbach.


Herr Leist, alles Gute noch nachträglich zum 25. Geburtstag.
Vielen Dank, jetzt bin ich endgültig kein Talent mehr (lacht).

Konnten Sie den Tag in Anbetracht der kritischen Lage bei den Blauen genießen?
Einerseits schon. Wir hatten am Montag frei, und meine Freundin aus München kam zu Besuch. Andererseits belastet mich die aktuelle Situation, und ich habe die eine oder andere schlaflose Nacht.

Wie gehen Sie damit um?
Allein daheim zu sitzen ist ganz schlimm. Für mich ist es am besten, wenn ich mit meinen Mitspielern zusammen sein kann, wir trainieren und die Lage gemeinsam analysieren.

Wie verhält sich der Trainer?
Nach dem 0:3 vor gut zwei Wochen bei Alemannia Aachen hat er uns laut und hart kritisiert – und das völlig zu Recht. Zuletzt in Saarbrücken haben wir uns klar gesteigert, doch aufgrund fehlender Effizienz haben wir uns nicht belohnt.

Und am Ende wie in Aachen mit 0:3 verloren.
Das ist das Problem. Diese beiden Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten haben uns richtig wehgetan, uns zurückgeworfen, und es macht keinen Spaß, die Zeitung aufzuschlagen und die Tabelle anzuschauen.

Zuletzt setzte es 1:9 Tore. Wo liegen für Sie als Abwehrchef die Ursachen?
Es hat an den nötigen Absprachen gefehlt. Auch die letzte Überzeugung, die Zweikämpfe zu gewinnen, war nicht da.

Dachten manche nach dem 3:0-Sieg im Derby gegen den VfB Stuttgart II, es geht von alleine so weiter?
Nein, jeder Spieler wusste doch ganz genau, dass der Klassenverbleib kein Selbstläufer wird und 27 Punkte nicht reichen werden, um drin zu bleiben. Aber jetzt ist der Druck natürlich deutlich gestiegen.

Hält ihm die Mannschaft stand?
Bestimmt. Wir haben in der vergangenen Regionalliga-Saison gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können, als uns die SG Sonnenhof Großaspach permanent im Nacken saß.

Unter Ex-Trainer Dirk Schuster wirkte die Mannschaft einen Tick aggressiver – täuscht der Eindruck?
Das mag für Außenstehende so aussehen und liegt möglicherweise daran, dass wir unter Gerd Dais etwas tiefer stehen, also den Gegner nicht so früh attackieren. Das wirkt dann vielleicht etwas verhalten. Doch bei uns Spielern brennt das Feuer zu 100 Prozent. Die Mannschaft lebt – und wir wissen, dass es auch um unsere Arbeitsplätze geht. Was wir jetzt dringend brauchen, ist ein Erfolgserlebnis.

Sie selbst sollen mit den Kickers über einen neuen Zweijahresvertrag einig sein.
Weitestgehend ja. Ich fühle mich bei den Kickers sehr, sehr wohl.

Die Regionalliga dürften Sie sich aber wohl kaum antun – oder?
Klar ist es mein Wunsch, dritte Liga zu spielen. Und ich bin auch felsenfest davon überzeugt, dass wir das schaffen.
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