Es sollte die Krönung einer perfekten Saison werden. Das haben die Stuttgarter Kickers durch den verlorenen Elfmeterkrimi im WFV-Pokal-Finale gegen die TSG Balingen verpasst, doch sie nehmen positive Dinge mit in die neue Regionalligasaison.
Rainer Lorz stand am Spielfeldrand und beobachtete die ausgelassene Siegesfeier der TSG Balingen. Der Präsident der Stuttgarter Kickers hat in seiner Amtszeit schon viele Nackenschläge mit seinem Verein wegstecken müssen. Auch nach dem mit 4:5 verlorenen Elfmeterkrimi im WFV-Pokal-Finale konnte der 60-Jährige seine Enttäuschung nicht verbergen. Doch diese Niederlage konnte er vergleichsweise locker hinnehmen: „Davon lassen wir uns garantiert nicht die Saison vermiesen“, betonte Lorz ausdrücklich.
Balingen nimmt 200 000 Euro ein
Ihr Hauptziel hatten die Blauen schon vor dem Endspiel erreicht. Aber klar sollte nach dem lange ersehnten Sprung in die Fußball-Regionalliga auch noch das i-Tüpfelchen auf diese starke Saison draufgesetzt werde. Zumal der Double-Gewinn gleichbedeutend mit dem erneuten Einzug in die erste DFB-Pokal-Runde (11. bis 14. August) gewesen wäre, was jedem Teilnehmer rund 200 000 Euro in die Kassen spült. Jetzt fiebern die Balinger dem Auslosungstermin am 18. Juni (17.15 Uhr/ZDF) entgegen.
Ob die TSG im DFB-Pokal mehr Zuschauer haben wird, als am Samstag im Gazi-Stadion zu Gast waren, wird sich zeigen. Die 8507 Besucher auf der Waldau bedeuteten jedenfalls Rekord für den württembergischen Pokal-Wettbewerb. Hinterher gab es keine zwei Meinungen: Dieses rassige, packende und hochemotionales Endspiel war eine Werbung für den Fußball in der Region.
Müllers Wink an den OB
Harald Müller, der WFV-Spielausschussvorsitzende, hatte sogar ein wenig Mitleid mit dem Verlierer: „Nicht zwingend die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft hat gewonnen“, fand der Funktionär und winkte mit dem Zaunpfahl Richtung Stuttgarts Oberbürgermeister: „Vielleicht lädt Frank Nopper die Kickers auch ohne das Double auf den Rathausbalkon ein.“
Wie auch immer: Fürs erste trocknet die Mannschaft ohnehin für ein paar Tage ihre Tränen in der Sonne von Mallorca. Auch David Kammerbauer dürfte schnell wieder auf andere Gedanken kommen. Der Linksverteidiger war nach dem Finale untröstlich, da er als einziger der zehn Elfmeterschützen nicht traf, sondern an TSG-Keeper Marcel Binanzer gescheitert war. In der regulären Spielzeit, in der die Blauen das überlegene Team waren, hatte Rechtsverteidiger Paul Polauke (15.) die TSG-Führung durch Ex-Kickers-Stürmer Jonas Meiser ausglichen.
„Wir waren zu keinen Zeitpunkt die schlechtere Mannschaft“, fand auch Kickers-Coach Mustafa Ünal. Der Titelverteidiger hatte den Pokal verloren, aber Respekt gewonnen. Auch mit Blick auf die neue Saison. „Hut ab vor den Kickers“, lobte TSG-Trainer Martin Braun seinen Ex-Verein, dem er in der neuen Liga einiges zutraut: „Mit ihrer Power und Dynamik können die Blauen in der oberen Tabellenhälfte landen.“ Aber man müsse die Spielklasse ernst nehmen, sonst könne sie sehr gefährlich werden. Marc Stein ist sich dessen bewusst: „Man hat im Finale gesehen, was uns erwartet, wir wissen, was wir liefern müssen“, sagte der Kickers-Sportdirektor.
Vorbereitungsstart 28. Juni
Am 28. Juni starten die Blauen mit der Vorbereitung auf die am 5. August beginnende neue Runde. Die Vertragsverlängerungen mit Maximilian Otto, Ivo Colic und auch Luigi Campagna sind klar. Torwart Felix Dornebusch (VfB Oldenburg) wird kommen, auch Christian Mauersberger (SGV Freiberg) ist im Gespräch, weitere Zugänge sollen folgen. Bestätigt ist vom Verein noch nichts.
So haben Sie gespielt
Stuttgarter Kickers
Castellucci – Polauke, Zagaria, Kolbe, Kammerbauer – Blank, Campagna (75. Loris Maier), Kiefer – Dicklhuber, Braig (109. Leon Maier), Riehle (99. Berisha).
TSG Balingen
Binanzer – Eisele, Schmitz, Müller (73. Fritschi) – Curda, Vochatzer (97. Foelsch), Kuhn (99. Ramser), Wöhrle, Akkaya – Meiser (73. Seeger), Ferdinand.
Tore
0:1 (10.) Meiser, 1:1 (15. Polauke). Elfmeterschießen: 1:0 Dicklhuber, 1:1 Foelsch, Binanzer hält von Kammerbauer, 1:2 Eisele, 2:2 Berisha, 2:3 Ramser, 3:3 Loris Maier, 3:4 Curda, 4:4 Kolbe, 4:5 Ferdinand.