Der SGV Freiberg hat die Lizenz für die dritte Liga nicht beantragt und kann am Samstag bei den Stuttgarter Kickers locker-flockig drauflosspielen. Wie groß ist der Ehrgeiz bei Trainer Roland Seitz und seinem Team, den Blauen eine lange Nase zu drehen?
„Wir wollen uns nicht in die Opferrolle begeben. Wir sind alle Sportler, freuen uns auf dieses Highlight und wollen punkten.“ Roland Seitz, der Trainer des Fußball-Regionalligisten SGV Freiberg, lässt keinen Zweifel am Ehrgeiz seiner Mannschaft im Spiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) bei den Stuttgarter Kickers. „Vielleicht schaffen wir es ja sogar noch aufs Stockerl“, ergänzt er noch in seinem markanten Oberpfälzer Dialekt.
Lizenz nicht beantragt
Zwei Spieltage vor Schluss sind die Freiberger Fünfter, punktgleich mit Eintracht Frankfurt II, drei Zähler hinter der TSG 1899 Hoffenheim II und dem VfB Stuttgart II, vier hinter den Kickers. Sie hätten also noch alle Chancen, in diesem Aufstiegskrimi mitzumischen. Doch bekanntlich hat der SGV die Lizenz für die dritte Liga nicht beantragt. „Aus zeitlichen und logistischen Gründen“, wie Seitz es formuliert.
Dennoch haben sich seine Spieler nach dieser Enttäuschung nicht hängen lassen. „Die ganze Truppe macht einen super Job, die Mentalität ist top“, betont der 59-Jährige. Bester Beweis: Aus den vergangenen acht Spielen holte Freiberg 18 von möglichen 24 Punkten. Die Kickers ergatterten in diesem Zeitraum nur zehn Zähler.
„Alles reine Kopfsache“
Jetzt kommt es zum direkten Duell. Bei wem der Druck liegt, ist sonnenklar. „Der Druck lastet auf den Kickers. Nur so ist es auch zu erklären, dass sie die jüngsten Steilvorlagen durch die Hoffenheimer Punktverluste nicht nutzten“, ist sich Seitz sicher und führt als eines von vielen Beispielen die verpatzte Meisterschaft von Borussia Dortmund 2023 an, als es am letzten Spieltag gegen den 1. FSV Mainz 05 nur zu einem 2:2 reichte. „Alles reine Kopfsache“, weiß der SGV-Coach. Das Einzige, was er nicht so richtig versteht und nachvollziehen kann: dass die Kickers gleich zweimal hintereinander die Chance liegen ließen, vorentscheidend wegzuziehen – und nach dem 1:3 beim FSV Frankfurt eben auch beim FC-Astoria Walldorf mit 2:3 verloren.
Unabhängig davon steht auch für den Fußballlehrer außer Frage, dass die Kickers „mindestens in die dritte Liga gehören“. Ob es ihm denn recht wäre, wenn die Blauen in der kommenden Saison nicht mehr mit seinem SGV in einer Liga spielen würden? „Ich würde es ihnen wünschen, andererseits wären dann, durch den feststehenden Abstieg des SC Freiburg II, im nächsten Jahr sogar fünf U-Mannschaften in der Liga, das gefällt mir gar nicht. Diese Ungleichheit der Waffen stört mich schon lange.“
Das Thema könnte sich in absehbarer Zeit noch verschärfen. Denn der SV Darmstadt 98 darf in der kommenden Saison mit einer zweiten Mannschaft in der Hessenliga antreten. Einem entsprechenden Antrag der Lilien gab der Hessische Fußball-Verband nun statt. Der Karlsruher SC wird ab der Saison 2024/25 mit einer U 23 in der Verbandsliga Nordbaden an den Start gehen. Bei beiden Clubs ist die vierte Liga das mittelfristige Ziel. „Wenn dann bald 50 Prozent der Clubs U-Teams sind, dann ist das doch nicht im Sinne des Erfinders und wenig attraktiv für die Liga“, so Seitz.
Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst zählt für ihn und den SGV nur das brisante Highlight am Samstag vor vollem Haus in Degerloch.
Restprogramm
Stuttgarter Kickers
(32 Spiele, 60 Punkte, plus 28 Tore): SGV Freiberg (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), FC 08 Homburg (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).
TSG 1899 Hoffenheim II
(32 Spiele, 59 Punkte, plus 38 Tore): FSV Frankfurt (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), VfB Stuttgart II (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).
VfB Stuttgart II
(32 Spiele, 59 Punkte, plus 24 Tore): Eintracht Frankfurt II (Auswärtsspiel, 11. Mai, 14 Uhr), TSG 1899 Hoffenheim II (Heimspiel, 18. Mai, 14 Uhr/Stadion an der Kreuzeiche in Reutlingen).
Eintracht Frankfurt II
(32 Spiele, 56 Punkte, plus 17 Tore): VfB Stuttgart II (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), FC-Astoria Walldorf (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).
SGV Freiberg
(32 Spiele, 56 Punkte, plus 16 Tore): Stuttgarter Kickers (Auswärtsspiel, 11. Mai, 14 Uhr), VfR Aalen (Heimspiel, 18. Mai, 14 Uhr). (jüf)