Gianni Coveli spielte früher für die Stuttgarter Kickers und trainiert seit 2014 den 1. Göppinger Sportverein. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Kein Trainer kennt Kevin Dicklhuber besser, als Gianni Coveli. Der Trainer des 1. Göppinger SV spricht vor dem Spiel bei den Stuttgarter Kickers über den Neuzugang der Blauen, die Aufstiegskandidaten und das Duell am Samstag.

Stuttgart - Für Trainer Gianni Coveli und seinen Spieler Nick Fennell ist das Spiel des 1. Göppinger SV an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) bei den Stuttgarter Kickers etwas Besonderes. Vor diesem Duell spricht der 51-Jährige auch über seinen ehemaligen Spieler Kevin Dicklhuber.

 

Herr Coveli, Sie gastieren mit Ihrem 1. GSV inzwischen zum dritten Mal im Gazi-Stadion zu einem Pflichtspiel. Ist es immer noch etwas Besonderes?

Auf jeden Fall. Ich freue mich jedesmal hier unterm Fernsehturm mit meiner Mannschaft antreten zu können, auch weil ich viele schöne Erinnerungen mit den Blauen verbinde.

Welche vor allem?

Ach, da gibt es viele schöne Begegnungen, auch mit dem damaligen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler. Wenn etwas heraussticht, dann vielleicht das mit 3:1 gewonnene Entscheidungsspiel im Juni 1991 um den Bundesligaaufstieg in Gelsenkirchen gegen den FC St. Pauli.

Gut 30 Jahre später geht’s gegen ihren Göppinger Sportverein um Punkte in der Oberliga.

Man tut sich schwer, sich daran zu gewöhnen. Aber es ist die Realität, und ich bin froh, dass ich mit meiner Mannschaft zuletzt wieder in die Erfolgsspur kam und eine gewisse Leichtigkeit zurückgekehrt ist.

Die fehlte den Kickers zuletzt bei ihrem 0:1 Bissingen.

Die Kickers müssen unabhängig vom Spielausgang des Nachholspiels am Mittwoch beim 1. FC Rielasingen-Arlen gegen uns gewinnen, sie stehen nach dem Ausrutscher in Bissingen unter Zugzwang. Viel dürfen die Blauen nicht mehr liegen lassen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Interview mit Kickers-Aufsichtsrätin Daniela Koch

Haben Sie eine Erklärung, warum sich die Kickers so schwer tun?

Nein, ich habe keine. Denn es lief ja auch nicht rund, als Mijo Tunjic und Markus Obernosterer noch nicht verletzt waren.

Kam der Trainerwechsel für Sie überraschend?

Auf der einen Seite, ja. Denn die Kickers hatten mit Ramon Gehrmann verlängert, und es war auch noch recht früh in der Saison. Andererseits zeigt es eben auch den enormen Druck, unter dem die Kickers stehen.

Am Montag wurde dann auch noch der Abgang des Sportlichen Leiters Lutz Siebrecht bekannt. Wie wirkt sich das aus?

Das kann und will ich nicht beurteilen. Mich hat diese Personalie nur extrem überrascht, da Lutz viel für den Verein getan hat.

Sie selbst haben mit Ihrem Team den Abgang Ihres Torgaranten Kevin Dicklhuber zu den Kickers besser kompensiert, als viel erwartet haben.

So einen Weggang kann man nicht komplett kompensieren. Wir haben unser Spiel umstrukturiert, wir sind nun etwas unberechenbarer für die Gegner. Aber klar ist: Mit „Dickl“ wären wir mit Sicherheit effizienter im Torabschluss, wir hätten ein paar Treffer mehr erzielt und damit auch das eine oder andere Pünktchen mehr auf dem Konto.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Luigi Campagna – der Reisende mit dem Bad-Boy-Image

Bei den Kickers hat Dicklhuber bisher noch nicht in dem Maße gezündet, wie von vielen erhofft. Er hat bisher erst zwei Saisontore erzielt. Überrascht Sie das und können Sie sich das erklären?

Das überrascht mich absolut. Ich kann die Hintergründe nicht genau beurteilen. Ich weiß nur, dass er eine Wohlfühloase braucht, um seine volle Leistungsfähigkeit zu entfalten. Die hatte er in Göppingen.

Belastet ihn die Ablösesumme, die fällig wurde?

Nein, „Dickl“ hat über viele Jahre hinweg nachweislich auf hohem Niveau in dieser Liga starke Leistungen gebracht. Er hatte bei mir in Göppingen viele Freiheiten, nun hat er eine andere Rolle. Er ist nicht der Star der Truppe, er ist nicht der einzige, der bei den Blauen gut kicken kann (lacht).

Auf welcher Position bringt er seine Stärken am besten zur Geltung?

Das werde ich natürlich nicht verraten. „Dickl“ kann auf allen Positionen spielen, auf der Sechs, der Acht, der Zehn, er könnte auch Innenverteidiger spielen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Alexander Lehmann – ein Netzwerker im Dienst der Blauen

Aber nicht ganz vorne?

Er hat auch schon in der Spitze gespielt. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass er seine Dynamik besser ausspielen kann, wenn er etwas aus der Tiefe kommt.

Welche Rolle spielt der Kopf bei ihm?

Eine sehr große, auch wenn er mit seinen 32 Jahren schon sehr viel Erfahrung mitbringt.

Werden Sie eine Sonderbewachung für ihn anordnen?

Ich sage nur so viel: Wir werden ihn nicht in Watte packen. Wir werden keinen Kickers-Spieler in Watte packen, sondern aggressiv zur Sache gehen. Sonst haben wir keine Chance.

Rechnen Sie sich mit Ihrem Team Chancen auf die ersten beiden Plätze aus?

Nein, das wäre nicht realistisch. Wir wollen eine stabile Runde spielen. Wenn wir dann unter den ersten sechs, sieben Mannschaften landen, wäre das top.

Wer macht das Rennen?

Ich bleibe dabei, dass der SGV Freiberg und die Kickers das Meisterschaftsrennen unter sich ausmachen. Bei der Konstanz, die die Freiberger zuletzt an den Tag legten, müssen die Blauen aber schnell in die Erfolgsspur kommen, sonst besteht die Gefahr, dass der Rückstand zu groß wird und dann wird es wahnsinnig schwer noch einmal ranzukommen.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Das sagt Ramon Gehrmann nach seinem Abschied von den Kickers

Und der zweite Platz...

...bringt eben keine Garantie für einen Aufstieg. Sich auf die Aufstiegsspiele zu verlassen, ist schwierig. In zwei Begegnungen spielen die Nerven, das Glück, irgendwelche unvorhersehbaren Dinge eine Rolle.

Wie lautet Ihr Tipp für Samstag?

Das WFV-Pokal-Spiel im August 2020 (Anm.d.Red.: 4:0 für die Kickers) mal ausgenommen, spielen wir jetzt das dritte Mal im Gazi-Stadion, wir haben zweimal um Oberligapunkte verloren. Deshalb baue ich für uns darauf, dass aller guten Dinge drei sind und wir diesmal etwas Zählbares mitnehmen.

Wird der ehemalige Kickers-Spieler Nick Fennell zum Einsatz kommen?

Ich hoffe es sehr, auch für ihn ist dieses Spiel etwas ganz Besonderes. Aber ihn plagt ein Fersensporn.