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Kommen Kickers in die Dritte Liga, muss die Arena auf der Waldau für sieben Millionen Euro saniert werden.

Stuttgart - Für die Stuttgarter Kickers läuft es sportlich so gut wie lange nicht mehr. Der Regionalligist schwebt in akuter Aufstiegsgefahr. Doch in der dritten Liga gelten andere Standards. Die Stadt überarbeitet deshalb die Umbaupläne für das Gazi-Stadion auf der Waldau.

Am Samstag hat für die Kickers das Fußballjahr 2012 mit dem ersten Liga­spiel begonnen. 3:1 beim FC Bayern Alzenau. Auswärtssieg. Und wenn nicht noch der große Einbruch folgt, dürften die Blauen im Kampf um den Aufstieg in die dritte Liga ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Gazi-Stadion nicht fit für Dritte Liga

Doch neben den positiven Aspekten, die ein Aufstieg für den Verein aus Degerloch mit sich brächte, wirft er auch Probleme auf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stellt in der dritten Liga höhere Anforderungen an eine Spielstätte. Das Gazi-Stadion unterm Fernsehturm erfüllt sie nicht. So gibt es dort bisher nur gut 1000 statt der vorgeschriebenen 2000 Sitzplätze. Außerdem fehlt es an Presseplätzen, VIP-Räumen und Einrichtungen für die Sicherheitskräfte.

Kurios dabei ist, dass Lokalrivale VfB Stuttgart II, der bereits in der dritten Liga spielt, dies bisher im alten Gazi-Stadion tun kann. „Die Kickers haben andere Forderungen zu erfüllen als zweite Mannschaften“, weiß Sportamtsleiter Günther Kuhnigk. Den VfB-Amateuren reichen deshalb die bisherigen Sitzplätze im Stadion aus. Hintergrund ist, dass zweite Mannschaften meist vor sehr bescheidener Kulisse kicken. Zu den VfB-Spielen kommen oftmals nur wenige Hundert Zuschauer. Die Kickers dagegen treten eine Liga tiefer im Schnitt vor etwa 3000 Besuchern an.

Die Stadt hat bereits vor einigen Jahren geplant, das Stadion umzubauen. Doch angesichts der Finanzkrise und Kosten in Höhe von 6,9 Millionen Euro wurde das Vorhaben Ende 2008 gestoppt. Die Kickers spielten da noch mit einer Ausnahmegenehmigung in der dritten Liga, stiegen danach ab. Das Problem verschob sich – und steht jetzt mit einem möglichen Aufstieg wieder vor der Tür.

Stadt rechnet mit sieben Millionen

„Wir führen Gespräche mit der Stadtverwaltung. Wir können dabei auf den damaligen Plänen aufbauen“, sagt Kickers-Manager Jens Zimmermann. Für die erste Saison werde man ohnehin eine Schonfrist haben. Was danach wird, müsse man besprechen.

Ganz so zeitlos sieht man bei der Stadt das Thema nicht. Der Terminplan drängt. „Ich freue mich, dass die Kickers auf einem guten Weg sind, und hoffe, dass sie den Sack bald zumachen“, sagt Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann, „klar ist aber auch, dass wir jetzt zu unserer Verantwortung stehen müssen.“ Man überarbeite deshalb derzeit die Umbaupläne. „Wir werden einen konkreten Finanz- und Zeitplan vorlegen“, sagt Eisenmann. Sie rechnet damit, dass die Kosten rund sieben Millionen Euro betragen könnten. Darin enthalten ist vor allem die Sanierung der Haupttribüne.

Der Zeitplan ist eng. Falls die Kickers aufsteigen und die Liga danach halten können, müsste der Umbau spätestens im Sommer 2013 beendet sein. Das ist noch vor den nächs­ten Haushaltsberatungen des Gemeinderats. Geld für das Projekt ist derzeit nicht vorgesehen. „Manche Auflagen des DFB sind ohnehin indiskutabel, aber wir können sie ja nicht ignorieren“, so Eisenmann. Man werde Gespräche mit dem Verein und dem DFB führen und dann auf den Gemeinderat zugehen müssen. Die Bürgermeisterin sagt: „Wir bräuchten danach eine grundsätzliche Beschlussfassung spätestens im Herbst.“

Handlungsbedarf besteht auf der Waldau in jedem Fall

Die wäre über kurz oder lang ohnehin auf die Stadträte zugekommen – unabhängig vom sportlichen Erfolg der Kickers. „Bei der Haupttribüne wäre in den nächsten zwei, drei Jahren sowieso eine Sanierung angestanden, um das Stadion weiter nutzen zu können“, sagt Susanne Eisenmann. Sportamtsleiter Kuhnigk weist darauf hin, dass auch die befristete Genehmigung für die Provisorien, die man den Sicherheitskräften zur Verfügung gestellt hat, bald ausläuft. Handlungsbedarf besteht auf der Waldau also in jedem Fall.

Eisenmann lässt keinen Zweifel daran, dass die Verwaltung sich der Aufgabe stellen wird: „Eine Stadt wie Stuttgart braucht neben der Mercedes-Benz-Arena auch ein drittligataugliches Stadion.“ Und, aus Sicht der Kickers, mit Sicherheit auch einen weiteren drittligatauglichen Verein. Bis dahin fehlen nur noch ein paar Siege.

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