Prunk geht auch ohne Sitzung: Foto: Petra Mostbacher-Dix

Beim Karnevals-Club „Stuttgarter Rössle“ fällt die fünfte Jahreszeit nicht aus: Das neue Regentschaftspaar wurde coronakonform im Freien inthronisiert, Mitglieder werden über den Gartenzaun geehrt.

Zuffenhausen/Vaihingen - Seine Rührung kann er kaum verbergen. Bewegt nimmt Georgy Bartelt den Orden entgegen, der seine 40 Jahre Engagement beim „Karnevals-Club Stuttgarter Rössle e.V.“, lange als Präsident, nun Ehrenpräsident, feiert. Indes nicht in der Prunksitzung, dem Rössle-Ball, sondern – Corona wegen – am Gartenzaun in Vaihingen. Dennoch fehlt es nicht an Prunk und Prominenz: Rössle-Präsident Andreas Goihl, die Zweite Vizepräsidentin Gerda Winter-Goihl sowie das frisch inthronisierte Regentschaftspaar Stephan I. und Carmen III. „vom magischen Augenblick“ geben sich in vollem Ornat die Ehre.

 

Tablett aus schwarzem Samt

Orden, Jahresheft, Anstecker und Autogrammkarten des Regentenpaars sowie Button der seit 32 Jahren befreundeten Faschingsgesellschaft Burgfunken aus Neuburg werden hinüber gereicht: Stephan I. rangiert die Preziosen zum Geehrten auf einem Tablett aus schwarzem Samt in goldlüsternem Rahmen am langen Griff. „Wir haben entschieden, die fünfte Jahreszeit nicht wegen Corona ausfallen zu lassen“, so Goihl.

Und so sind sie an diesem Wochenende wieder mit dem neuen Regentschaftspaar unterwegs, um Mitglieder, gerade auch langjährige, zu besuchen, das Jahresheft vorbeizubringen – draußen, mit gebotenem Abstand und eigens konzipierter Vereinsmaske. Diese – mit dem Motto „We are family“ – bekommen auch die Bartelts. Man wolle mit den Besuchen Zeichen setzen, Freude, Gemeinschafts- und Glücksgefühle verbreiten, so Goihl. „Jeder braucht nun Aufmunterung. Wir sind eine große Vereinsfamilie, füreinander da.“

Am Wochenende sei das Gespann schon bei sechs Mitgliedern gewesen, nun geht es weiter. Bartelt, seine Frau Renate und Sohn Sven, der für die Grafik des Jahreshefts verantwortlich zeichnet, finden die Idee toll, so den Kontakt zu halten. „Und wenn wir dann wieder richtig feiern können, lassen wir es krachen“, da sind sich alle einig.

Bis dahin läuft manches auch online. Weil das Regentschaftspaar nicht auf dem Neckarbesen sein Amt antreten konnte, machten Goihl und sein Team ein Video – auf Facebook abrufbar. Darauf ist nicht nur die Stuttgarter Rössle-Historie zu erleben – heuer wird das 44-Jährige gefeiert. Auch die Inthronisation im Freien vor dem Hohenheimer Schloss ist zu sehen, mit Einmarsch der Showgruppe „Show & Dance“, den Musketieren, der Kinder- und der Juniorentanzgarden sowie des Elferrats, die das Paar mit drei kräftigen „Rössle Hoch“ und „Einer für alle“ feiern.

Zepter mit dem Pferdekopf

Für Stephan I und Carmen III, die auch im wahren Leben als Stephan und Carmen Neuser ein Paar sind, ist es die erste Regentschaft beim Rössle. Dafür schwingen sie gleich zwei Jahre das Zepter mit dem Pferdekopf. „Wegen den Zeichen der Zeit und unserem Jubiläum fahren wir eine Doppelkampagne“, so Goihl. „Mit einem tollen Paar!“ Das tummelt sich schon lange unter Karnevalisten, führte bereits Adelstitel in einem Esslinger Karnevalsverein. Daher kannten die Verwaltungsbeamtin und der Direktionsbeauftragte einer Versicherung denn auch den Stuttgarter Club. „Unter den Vereinen gibt es keinen Wettbewerb“, sagt Stephan. Und Carmen betont, es gehe eben nicht nur um Party, sondern um Tradition und Zusammenhalt. Auch wenn das Regieren während der Saison „ein zweiter Job“ sei, lohne sich jede Minute. „Man nimmt viel mit, lernt Menschen kennen, es entstehen lange Freundschaften.“ Bleibt noch die Frage nach ihrem Stammbaum „vom magischen Augenblick“. „Liebe auf den ersten Blick“ sei es gewesen, als sie sich trafen. Unbeschreibliche Glücksgefühle begleiteten die Geburten ihrer Kinder. Auch der Karneval, die Kostüme, die schönen Erlebnisse mit Freunden böten viele „magic moments“. Dazu Goihl: „Die brauchen wir nun mehr denn je, daher machen wir coronakonform weiter.“