Brachte den Beethovensaal zum Toben: Jörg Widmann Foto: Marco Borggreve

Das Stuttgarter Kammerorchester sowie der Dirigent und Klarinettist Jörg Widmann haben es im Beethovensaal richtig knallen lassen.

Wie bringt man den Stuttgarter Beethovensaal zum Toben? Man nehme: Jörg Widmann, Beethovens Siebte und das Stuttgarter Kammerorchester (SKO).

 

Was war anders im Konzert der Kulturgemeinschaft als in zahllosen anderen Aufführungen dieses Klassikhits? Ganz einfach: Widmann dirigiert die Siebte nicht so spießig. Er geht frech, munter, locker zur Sache. Infiziert das Orchester (und seine Konzertmeisterin Susanne von Gutzeit) mit seiner körperlich beinahe eskalierenden Musizierwut. Lässt die Akzente der langsamen Einleitung nicht weich federn, sondern knallen. Treibt dem Trauermarsch sein Phlegma aus, lässt das Presto aber so richtig rocken und geht das Con-brio-Finale noch einen winzigen Tick schneller an als andere – was eigentlich gar nicht geht.

Ein perfekt eingespielter Klangkörper

Auch zeigte der Abend wieder einmal, wie gut der Siebten die nicht gerade überdimensionierte Besetzung des SKOs (ergänzt durch Blasinstrumente) tut. Der rhythmisch-metrischen Genialität Beethovens, die sich in seiner Siebten so explosiv Bahn bricht, tut ein solcher schlanker, sehr beweglicher, perfekt eingespielter Klangkörper gut.

„Fantasie“ für Klarinette solo

Weil Jörg Widmann hauptberuflich zu den meist beauftragten Komponisten und größten Klarinettisten unserer Zeit gehört, gingen der Siebten natürlich noch andere Highlights voraus. Etwa seine „Fantasie“ für Klarinette solo: Wer anders könnte ihr so viel Körper geben, so viele unterschiedliche Stimmen darin zu Wort kommen lassen, als er selbst?

Die plastisch ausformulierenden Facetten seines Spiels hatten da schon Carl Maria von Webers Concertino für Klarinette und Orchester op. 26 veredelt und das SKO mühelos in den Rausch der Romantik hineingezogen. So einem hyperaktiven, extrovertierten Gesamtkunstwerk wie Widmann folgt man eben gerne.

Was Beethoven im Kern ausmacht

Und schön auch Widmanns „Con brio“ für Orchester: eine aufgedreht-schräge Überschreibung dessen, was Beethoven im Kern ausmacht. Und in deren Klanglichkeit doch immer wieder vor allem eines aufscheint: Im tiefsten Herzen ist Widmann halt doch ein Romantiker.