Das Stuttgarter Kammerorchester Foto: SKO/Wolfgang Schmidt

Das Stuttgarter Kammerorchester geht mit viel Elan in die neue Saison – und plant neben Haydn, Bartók und Bach Experimente mit Künstlicher Intelligenz und mit Hologrammen.

Stuttgart - Das Programmbuch hat ein neues Design: In roten Lettern prangt vorne das Kürzel des Orchesters, SKO, und das, was das Stuttgarter Kammerorchester vorhat, beweist, dass die 17-köpfige Streichertruppe neben der Tradition auch Experiment und Innovation nicht aus dem Blick verlieren will. Äußeres Zeichen dafür ist die Abschaffung des Fracks. An seine Stelle wird ab Anfang nächsten Jahres ein schwarzer Anzug mit roten Akzenten für die Herren treten; die Damen bekommen Kleider in unterschiedlichen Rot-Schwarz-Tönen. Entscheidender aber ist die Art, mit der das Kammerorchester und sein dynamischer Intendant Markus Korselt Bekanntes und Bewährtes mit Neuem durchmischen.

 

Dafür stehen in der beginnenden Saison schon die beiden künstlerischen Taktgeber, der Chefdirigent Thomas Zehetmair und der Klarinettist und Komponist Jörg Widmann, als „künstlerischer Partner“. Und dafür stehen auch die Konzertprogramme selbst, die Traditionelles (vor allem in den Abokonzerten) und Experimentelles (vor allem bei den „Sternstunden“ im Hospitalhof) nebeneinander stellen. Hier Haydn und Bartók, dort der Versuch eines Brückenschlags zwischen Purcell und Rocksongs der Band Nirvana; hier Streicherwerke von Mendelssohn, Puccini und Widmann, dort ein Vortrag über höhere Mathematik bei Bach, eingebettet in dessen Musik und konfrontiert mit einem neuen Stück von Adriana Hölszky, das sich ebenfalls auf Bach bezieht.

Ein Computer komponiert neue Musik aus Werken von Mozart und Nono

Da das Kammerorchester seine Programme jetzt nicht mehr im Saison-, sondern im Jahresturnus veröffentlicht, wird man erst Ende dieses Jahres erfahren, wie es im Januar weitergeht. Fest steht aber schon jetzt, dass 2022 aus einem Experiment mit Künstlicher Intelligenz ein Konzert werden soll: Ein Computer wird mit Musik von Mozart und Luigi Nono „gefüttert“ und konzipiert daraus einen neuen Musikstil. Und für 2023 plant das SKO im Festspielhaus Baden-Baden eine Liveinteraktion mit den Tänzern der Nationaloper in Prag: Via Hologramm werden gleichzeitig die Bewegungen des Balletts nach Deutschland und das Spiel der Musiker nach Tschechien übertragen. Ob sich der Aufwand für das alles künstlerisch rechtfertigt? „Das“, sagt Markus Korselt, „können wir nur wissen, wenn wir es ausprobieren.“

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