Ihre Erfahrungen im Netz sind ganz unterschiedlich – neun Geschichten übers Smartphone. Foto: Zophia Ewska/Lichtgut

Ein Kotz-Emoji, wenn man ein Bild von sich postet, die eigene Telefonnummer wird an Fremde weitergegeben: Welche Erfahrungen machen Stuttgarter Schülerinnen und Schüler im Netz? Und wie reagieren sie auf Hass?

200 Jugendliche hat das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg nach ihren Erfahrungen im Internet befragt. Auf die Frage „Bis du im letzten Monat auf Hasskommentare gestoßen?“ antworteten 31 Prozent mit „Ja, manchmal.“ 22 Prozent ist das „ziemlich oft passiert“. 28 Prozent sagen, dass ihnen das im letzten Monat nicht passiert sei. Und 20 Prozent antwortete mit „weiß nicht“. Spannend ist in diesem Zusammenhang natürlich auch, wie Jugendliche reagieren, wenn ihnen Hass im Netz entgegenschlägt. 42 Prozent sagen von sich, sie würden gar nicht reagieren. 35 Prozent melden ihre Entdeckung. 21 Prozent halten mit einem Konter-Kommentar dagegen. Aber was vor allem Eltern aufhorchen lässt: Nur zwei Prozent sprechen mit einer Vertrauensperson. Bei einem Aktionstag zum fünften Geburtstag von „Bitte was“, der Kampagne des Landes Baden-Württemberg für mehr Respekt im Netz, haben wir Jugendliche gefragt, wo sie sich im Internet bewegen, wie viel Zeit sie dort verbringen, was sie von sich preisgeben und ob sie schon einmal Hass im Netz erfahren haben.

 
Sandrine Foto: Zophia Ewska/Lichtgut

Sandrine (12): Ich schaue morgens auf die Schul-App und dort auf meinen Stundenplan, also ob irgendwas ausfällt. Manchmal schaue ich auch Nachrichten an. Ich habe einen Snapchat-Account. Youtube habe ich auch. Und Whatsapp. Ich habe private Accounts, da kann mir niemand schreiben. Das war schon immer so. Meine Eltern erlauben es nur so. So kann ich zwar Sachen sehen, aber andere können mich nicht erreichen und mir Nachrichten schicken. Auf Snapchat adde ich nur meine Freunde und nicht irgendwelche fremden Leute. Und ich poste auch nichts. Ich habe zwar einen Whatsappkanal, aber da sind nur meine Freunde und meine Mutter drin. Da sind auch nicht so viele Abonnenten. In meinem ersten Kanal hatte ich 30. Den habe ich gelöscht. Im neuen sind noch 15 Abonnenten. Ich war elf, als ich das angefangen habe. Jetzt bin ich zwölf, aber ich schreibe nicht mehr so viel rein wie früher. Nur ab und zu. Ich poste da auch Bilder. Aber wenn ich jetzt ein Gruppenbild posten würde, würde ich die Gesichter verpixeln. In manchen Kanälen ist das nicht so. Auf Youtube habe ich das schon gesehen, dass sie so blöde Sachen kommentieren: Etwa, dass eine Person hässlich ist. Mir persönlich ist das noch nie passiert. Wenn, dann würde ich es ignorieren oder es meinen Eltern sagen.

Kasem Foto: Lorenz

Kasem (14):In der Schule benutze ich mein Handy nicht. Wenn ich dann meine Hausaufgaben gemacht habe, schaue ich mir Videos auf Youtube an. Eher englische. Meistens Challenges, wo man eine Million Dollar gewinnen kann und Reaktionsvideos. Schlechte Erfahrungen habe ich im Internet noch nicht gemacht. Ich habe einen eigenen Animationskanal als Hobby, weil ich Zeichnen mag. Da bekomme ich aber nur nette Kommentare. Ich habe gerade 84 Follower. Ich habe mit zwölf angefangen. Meine Eltern haben mich immer supported.

Elias Foto: Lorenz

Elias (14): An Schultagen schaue im morgens auf mein Handy, schaue auf die Schul-App, ob Unterricht ausfällt. Meistens mache ich das aber am Abend zuvor. Aber wenn sich was ändert, packe ich meinen Schulranzen noch mal anders. Während der Schule nutze ich mein Handy nicht. Wenn ich wieder Zuhause bin, spiele ich eher mit der Konsole. Ab und zu schaue ich auf meinem Handy eine Serie oder einen Film. Tik Tok, Instagram, Facebook, das habe ich alles nicht. Meine Eltern hatten mir das am Anfang eingerichtet. Aber das interessiert mich nicht. Ich schreibe mit meinem Freund über Whatsapp übers Projekt. Manchmal schaue ich auf Youtube ein Video an. Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Bei der Konsole gibt es manchmal Kommentare von Leuten, die sich für witzig halten. Das ignoriere ich einfach.

Mara Foto: Zophia Ewska

Mara (14): Ich habe mein Handy zum zehnten Geburtstag bekommen. Am Anfang war alles sehr eingeschränkt. Aber Whatsapp hatte ich schon immer. Irgendwann habe ich dann auch Snapchat bekommen. Da war dann auch meine Handyregelung nicht mehr so streng, weil meine Eltern mir vertraut haben. Ich schaue morgens, wer mir abends auf Whatsapp oder Snapchat noch eine Nachricht geschrieben hat. In der Schule benutze ich es nicht. In der Mittagspause, wenn wir das Schulgelände verlassen, schaue ich drauf und beantworte Nachrichten. Ich benutze mein Handy eigentlich nur für Nachrichten. Oder zum Telefonieren, um mich mit Freunden zu verabreden.

Ich gucke Youtube-Videos eigentlich nur, wenn ich etwas nachschauen will oder lerne. Ich bin schon öfters mit Hass konfrontiert worden. Ich war in Gruppen, wo die Leute mich komplett beleidigt haben. Teilweise ohne Anlass. Ich habe auch schon erlebt, dass andere mitgemacht haben. Aber nur selten. Manche kannte ich auch aus dem echten Leben. Ich habe die Leute dann meistens blockiert oder gemeldet. Oder einfach nichts gemacht und sie ignoriert. Gemeldet habe ich das fast nie. Manchmal habe ich mit Freundinnen oder meinen Eltern geredet.

Aimeée Foto: Zophia Ewska

Aimée (13): Ich habe mein Handy mit elf bekommen. Meine Eltern sind sehr großzügig. Ich habe Whatsapp, ich habe Tik Tok, Instagram, Snapchat. Aber ich habe eine zeitliche Einschränkung. Für Whatsapp und den Rest habe ich anderthalb Stunden, Tik Tok habe ich zehn Minuten pro Tag. Und für Snapchat und Insta habe ich zusammen 20 Minuten. Es geht. Auf Instagram poste ich auch. Aber das ist ein privater Account. Auf Tik Tok eher nicht. Mit Hass habe ich nicht viel Erfahrung, da alles privat ist. Ich gucke eher bei anderen Mädchen wie sie sich stylen und schminken. Das beeinflusst mich schon ein bisschen mit meinem Stil. Eher Kreatives, also was man verschenken kann. Gewalt wird mir nicht eingespielt, Krieg schon ab und zu. Politische Propaganda schon. Das seh ich dann, aber meistens scrolle ich weiter, weil es mich auch nicht so interessiert. Kommt halt darauf an, wie lange man auf einem Video bleibt. Neulich haben welche aus meiner Klasse meine Nummer einfach an Leute weitergegeben, die ich nicht kannte. Die habe ich dann blockiert. Wenn ich auf Snapchat Freundschaftsanfragen bekomme, lehne ich die ab, wenn ich die Leute nicht kenne. Mein Profilbild zeigt mich aber nur von hinten, ich will nicht, dass jeder weiß, wie ich aussehe.

Habip Foto: Zophia Ewska/Lichtgut

Habip (13): Ich habe Snapchat, TikTok, Instagram, X seit ca 2019 auf meinem Smartphone. Ich poste nicht, ich gucke nur. Nur mein Instagram ist öffentlich. Ich habe einfach keine Lust zu posten. Ich gucke auch nicht alles, was mir vorgeschlagen wird. Vieles ist langweilig. Hass ist mir eigentlich noch nie begegnet, weil ich fast nie kommentiere. Einmal ist es mir passiert. Vorletztes Jahr habe ein Foto von mir gepostet auf Tik Tok. Da hat dann jemand „Ba“ geschrieben und einen Kotzemoji dazu gepostet. Dann habe ich erst den Kommentar und dann mein Foto gelöscht. Meinen Eltern habe ich das nicht gesagt, ich habe es einfach gelöscht. Meine Eltern vertrauen mir. Ich bin auch nicht den ganzen Tag im Netz. Ich gehe auch mit meinen Freunden raus. Man muss sich auch ein bisschen von Social Media entfernen.

Ben Foto: Zophia Ewska/Lichtgut

Ben (12): Ich habe Snapchat, Whatsapp, Tik Tok, Insta und Spotify, um Musik zu hören. Selber poste ich eigentlich nicht. Ich gucke, wenn mir langweilig ist. Es würde mir nichts ausmachen mich zu zeigen. Aber der Aufwand mit den Videos ist mir zu viel. Ich schaue Deutsch Rap und Hip Hop. Und meistens Fußballvideos auf Tik Tok. Nachrichten und Politik gucke ich, wenn ich bei meiner Oma bin. Da gucke ich mit, wenn die um acht Uhr im Fernsehen schaut. Da bekommt man auch mit, was in der Welt passiert. Auf Tik Tok kommen ja auch Nachrichten. Aber die meisten sind Fake. Auf Tik Tok bin vielleicht so ein bis eineinhalb Stunden am Tag. Vor allem abends, wenn ich nicht einschlafen kann.

Whatsapp benutze ich nur zum Schreiben. In der Klassengruppe soll man nichts reinschicken, keine Sticker. Sie dient nur zu Schulzwecken. Das wird aber nicht so richtig kontrolliert. In meiner alten Schule war mal ein Sticker von einem Schüler, da hat eine Mutter in einer Elterngruppe geschrieben, dass sie möchte, dass man das mehr kontrolliert. Da war jemand in der Stadt, davon hat jemand ein Foto gemacht und gepostet. Das kann ja auch in anderen Gruppen landen.

Amaury Foto: Zophia Ewska

Amaury (12): Ich habe mit neun angefangen. Aber jetzt gucke ich auf meinem Handy hauptsächlich Nachrichten in der Klassengruppe. Ich hatte alle Social-Media-Apps auf meinem Handy. Aber ich wurde gehackt. Das hat mein ganzes Handy lahm gelegt. Dann konnte ich auf die Apps nicht mehr zugreifen. Da habe ich sie alle deinstalliert vor einem Jahr. Deshalb habe ich jetzt nichts mehr.

Mikiele Foto: Zophia Ewska/Zophia Ewska

Mikiele (13): Ich habe Tik Tok, Snapchat, Whatsapp, Instagram und Spotify. Und Fußball Spieler Plus. Ich gucke nur. Ich habe kein Profilbild. Da steht nur mein Kunstname. Aber ich kommentiere. Wenn jemand blödes Zeug postet, kann man ihn ja melden. Das habe ich schon gemacht. Ein paar mal wegen einem Kommentar über andere Leute. Da hat jemand Haha geschrieben über jemanden, der Krebs hat.