Im Gerichtsaal von Stuttgart-Stammheim wird der IS-Terrorprozess geführt. Foto: dpa

Im Gefängnis Stuttgart-Stammheim haben die Angeklagten im IS-Terrorprozess offenbar einen schweren Stand: Nach einer Attacke durch einen Mitgefangenen wurde Mohammad Sobhan A. auf die Krankenstation  verlegt. Indes beschäftigt die Staatsanwaltschaft ein Drohbrief gegen das Gericht.

Stuttgart - Ein weiterer Angeklagter im Stuttgarter Terrorprozess ist nach einem Angriff durch einen Mithäftling aus Sicherheitsgründen verlegt worden. Mohammad Sobhan A. (38), der wegen Unterstützung der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) vor Gericht steht, wurde vor einer Woche von einem Insassen in der U-Haft geschlagen. Nun sei er zu seinem Schutz ins Krankenrevier gebracht worden, sagte die Leiterin der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, Regina Grimm, am Donnerstag. Der Vorfall werde geprüft, gegen den Angreifer sei Anzeige erstattet worden.

Vor dem Oberlandesgericht hatte Mohammad Sobhan A. am Mittwoch erklärt, ihm sei ins Gesicht geschlagen worden und er eine Treppe heruntergefallen. Danach sei er noch getreten worden. Im Nachhinein habe er erfahren, dass der Angreifer vermutlich Kurde war. „Ich habe kein Gesicht erkannt“, sagte der 38-Jährige.

Davor musste schon der Hauptangeklagte im Prozess, Ismail I. (24), laut seinem Verteidiger Nenad Mikec in Einzelhaft verlegt werden, nachdem er verbal bedroht worden war. Ein Sprecher des Oberlandesgerichtes bestätigte die Vorwürfe. In Syrien kämpft die Terrormiliz IS seit Monaten unter anderem gegen Kurden.

Drohbrief gegen das Gericht

Indes prüfen Sicherheitsbehörden einen Drohbrief gegen das Oberlandesgericht Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart habe deswegen ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet, sagte die Behördensprecherin am Donnerstag.

Der Brief sei mit einem Logo der militanten syrischen Miliz „Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar“ (JMA/Armee der Auswanderer und Unterstützer des Propheten) versehen. Die JMA ist erst Ende 2013 in der in Syrien wütenden Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) aufgegangen. In dem Schreiben steht, dass der in der vergangenen Woche begonnene Terrorprozess „nicht zu Ende kommen“ werde.

„Wir haben ein Verfahren wegen des Verdachts der Bedrohung eingeleitet“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Polizei geht davon aus, dass das Schreiben nicht direkt von der JMA stammt. „Dennoch mus es sich um jemanden handeln, der als Insider bezeichnet werden kann oder sich um die Symbolik innerhalb der militanten Szene gekümmert hat, weil das Logo genau das Logo der Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar darstellt“, sagte der Sprecher der Stuttgarter Polizei.

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